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Ratgeber für (Protest-)Einsteiger von Kirsten Brodde

Zwölf Tipps für erfolgreiches Protestieren

Jeder Protest hat eine positive Kehrseite. Hier mein Beispiel: Wer gegen Atomkraftwerke ist, ist es vor allem, weil er für regenerative Energien ist. Lassen Sie sich nicht zum notorischen Querulanten abstempeln. Sie sind aktive Bürger, deren Lust auf Politik sich nicht damit erschöpft, alle vier Jahre ein Kreuzchen zu machen. Hier meine Tipps für Einsteiger in Sachen Protest.


Von Kirsten Brodde

1. Ruhig klein anfangen! Beginnen Sie mit kleinen Aktivitäten, die man sofort machen kann. Um sich für eine eigene Aktion warm zu laufen, starten Sie am besten mit einem Testlauf in ihrem persönlichen Umfeld. So erkennen Sie am schnellsten, ob Ihre Botschaft auch richtig verstanden wird und Ihre Aktion funktioniert.

2. Einfaches zum Mitmachen wählen! Starten Sie ihre erste Unterschriftenaktion und werben Sie für ihr Anliegen. Nicht jedem liegt es, selber etwas zu formulieren, aber unterschreiben tun dann doch viele. Gewinnen Sie zuerst Familie und Freunde für ihr Anliegen und bitten Sie dann, die Sache Freunden weiter zu empfehlen.

3. Nachhaken! Fragen Sie doch mal die Verkäufer in den Läden, woher die Ware eigentlich kommt. Falls ihnen die Auskünfte nicht ausreichen, rücken Sie dem Konzern auf die Pelle. Die wollen gläserne Kunden, sie wollen gläserne Produkte.

4. In der Nähe bleiben!
Engagieren Sie sich beispielsweise in der Schule und lassen Sie sich als Elternvertreter wählen. Lassen Sie sich das Lokale nicht kleinreden, wer soll sich denn sonst für die Belange der Schule oder der Stadt einsetzen, wenn nicht die Bürger?

5. Gleiche Interessen verbinden!
Organisieren Sie ein Nachbarschaftstreffen. Setzen Sie sich an einen Tisch und finden Sie gemeinsame Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Den meisten fallen spontan Sachen ein, die sich im Viertel verbessern lassen – ob eine Tempo-30-Zone oder eine neue Grünanlage.

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Thema: Politik & Gesellschaft, Stand: 31.08.2010 von

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alle Kommentare (12)
  • schrieb am 30.12.2011 um 14:04
    Danke schön, toller Artikel, besonders die vielen links zum weiterlesen und-tun!
  • gelöscht am 24.05.2011 um 14:42 von admin
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • schrieb am 26.09.2010 um 19:43
    Die kleinste Aktivität ist doch, dass ich meine Meinung kund tue, es auch zeige. Da könnte es in den Städten ruhig so bunt zugehen wie am 18.09. in Berlin. Überall wurden Sticker verklebt. Sticker gegen Atomstrom.

    Das ist die eine Aktion.

    Die nächste Aktion wenn nicht schon längst passiert kann nur der Wechsel des Stromlieferanten sein.
    Um nichts anderes geht es doch. Was für eine herrliche Protestform. Ich lade mir das Formular des richtigen Anbieters herunter und bin in 5 Minuten schon Anwärter auf echten Ökostrom.

    Ein Tropfen ? Klar ist das ein Tropfen, aber aus Millionen von Tropfen wird ein Fluß, aus dem Fluß ein Strom !
    Ein Ökostrom eben ;o))

    In diesem Sinne - klebt mal wieder was in Eure Stadt. Wie wär´s mit Atomstrom - Letzte Runde ! (zu ergattern auf bildwiese.de) mehr weniger
  • schrieb am 24.09.2010 um 09:54
    Hmmm.. Tolle Tipps, trotzdem ist es nicht leicht.
    Ich habe vor etwa einem Jahr eine epetition gestellt, die abgeschmettert wurde.

    Meine Petition bezog sich darauf, dass der elektrische Grundversorgungstarif von Privathaushalten standardmäßig über EE-Strom erfolgen solle. Diese Petition wurde abgelehnt mit der Begründung, man könne niemand zwingen Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Ein sachlich falsches vom Korpsgeist der "großen Vier" geprägtes Ergebnis. Wer kann mir sagen was man da noch tun kann? mehr weniger
  • schrieb am 02.09.2010 um 10:17
    Vielen Dank erst mal für die tollen Tipps...

    Allerdings stehe ich Punkt 8 eher kritisch gegenüber.

    Bürgerschafltiches Engagament ist zwar ein wichtiger Teil einer funktionierenden solidarischen Gesellschaft, dabei darf allerdings nicht die Rolle des Staates und der Politik vergessen werden. Diese muss Rahmenbedingungen schaffen, so dass solche Missstände auch anders, als durch Ehrenamt und Freiwillige beseitigt werden können und/oder gar nicht erst auftreten. So wird z.B. auch die Arbeit von Sozialpädagog_innen untergraben und deren Position und Leistung abgewertet, denn das kann ja jede_r erledigen...

    Daher plädiere ich auch in diesen Fällen für eine politische Lösung oder Widerstand, um solche Missstände nicht zu individualisieren, wie es heute durch neoliberale Paradigmen der "Selber Schuld"-Gesellschaft getan wird.

    Weiterhin sind in diesem Zusammenhang auch die Tafeln als keine wirklich gute Lösung zu sehen, ich verstehe, dass viele Menschen sich keine Lebensmittel mehr leisten können, weil sie von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Aber was ist dafür die Lösung, den Armen Brot hinzuwerfen, für das sie den ganzen Tag anstehen müssen und was vorher von den "normalen" Bürgern aussortiert wurde oder für Bedingungen zu sorgen, dass sie sich das Brot leisten können.
    „Statt an einer Abschaffung der Armut mitzuwirken, beteiligen sich die Tafeln - sicher unintendiert - an einer Segmentierung der Gesellschaft in >Oben< und >Unten<.“ (Zitat Stefan Selke) mehr weniger
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