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Meine ökorrekte Spende

Über 800 Millionen haben die Deutschen im ersten Halbjahr 2007 gespendet, hat der Deutsche Spendenrat ermittelt. Eine Menge Geld, das die richtigen Adressaten finden muss. Aber wie kann ich sicher gehen, dass mein Geld auch wirklich Gutes bewirkt?


Und welche Organisation braucht meine Spende dringender als andere? Zusammen mit Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat hat Utopia.de einen Leitfaden erstellt, damit Sie guten Gewissens ins Portemonnaie greifen können, um zu helfen.

 

1. Für wen soll ich Spenden?

Ob Stiftung, Verein, oder NGO, ob Soziales, Umwelt oder Kultur – diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen. Wir empfehlen Ihnen aber, sich ein bisschen Gedanken zu machen, sich zu informieren und sich Zeit für Ihre Entscheidung zu nehmen. Wenn Sie noch keine konkreten Vorstellungen haben, wofür Sie spenden möchten, lohnt ein Blick auf www.spenden.net, www.spenden.de, www.spendenrat.de, und www.dzi.de. Dort finden Sie eine Vielzahl von verschiedenen Organisationen und Vereinen. Sie werden überrascht sein, in welchen Bereichen sich Menschen engagieren – es gibt sogar Hilfsprojekte für Seeleute, mittellose Literaten, und Blindenhunde – da finden Sie schnell den richtigen Adressaten. Und am Ende des Artikels verraten einige Utopia-Mitarbeiter, für welche Zwecke sie spenden.
Adventskalender

2. Wie stelle ich sicher, dass die Organisation seriös arbeitet?

Auch unter den Spendenorganisationen herrscht ein großer Wettbewerb. Gerade kleine Vereine, die über kein großes Marketingbudget verfügen, müssen um jede Spende kämpfen. Und schwarze Schafe gibt es in jeder Branche – Korruptionsskandale kennt man auch von großen, bekannten Hilfsorganisationen. Stellen Sie sicher, dass die Organisation als gemeinnützig gilt. Leider ist der Begriff nicht rechtlich geschützt. Deshalb vertrauen Sie auch aufs Finanzamt. Denn offiziell gemeinnützig sind nur jene, die auch steuerrechtlich begünstigt werden. Aber: Nur weil das Finanzamt den Status anerkennt, bedeutet das nicht, dass die Organisation deshalb umfassend seriös arbeitet. Kontrolle ist auch beim Spenden besser als Vertrauen. Deshalb sollten Sie noch etwas mehr abklopfen:
Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat

  • Stellt Ihnen die Organisation auf Wunsch aussagekräftiges Material über die Aktivitäten und über die Organisation selbst zur Verfügung?
  • Informiert die Organisation die Spender regelmäßig über durchgeführte und aktuelle Projekte?
  • Unterlässt die Organisation aggressive Werbung? Hat sich die Organisation zu Transparenz und Offenheit verpflichtet? Dafür Siegel des dzi für Transparenz beim spendensteht das Logo des Deutschen Spendenrates oder das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Den so gekennzeichneten Vereinen können Sie vertrauen.
  • Veröffentlicht die Organisation einen Geschäfts- oder Jahresbericht mit genauen Aussagen über die Mittelverwendung?

Eine seriöse Organisation wird Ihnen auf diese Fragen ohne zu zögern entsprechendes Material zukommen lassen. Wenn Sie nur ausweichende Antworten bekommen werden Sie misstrauisch.


3. Warum nicht stiften gehen?

Soll der von Ihnen zur Verfügung gestellte Betrag über viele Jahre hinaus Wirkung zeigen? Dann können Sie Ihr Geld auch einer Stiftung zur Verfügung stellen. Stiften ist die nachhaltigste Geldanlage überhaupt. Zwar gibt es kein monatliches Portfolio und am Ende des Jahres auch keine Zinsgutschrift – aber Sie investieren in eine bessere Welt, von der Sie letztendlich auch selbst profitieren werden. Stiftungen sind Kapitalstöcke, mittels deren Erträge ein vom Stiftungsgründer formulierter Zweck verfolgt wird. Das bedeutet, die gemeinsam erwirtschafteten Zinsen gehen nicht als Rendite an die Einleger, sondern werden für das Stiftungsziel eingesetzt. Das ist der Unterschied zur Spende, die zeitnah eingesetzt wird.

  • Eine Übersicht über die Vielzahl von Stiftungen in Deutschland finden Sie unter www.stifterverband.de. Dort bekommen Sie auch einen guten Überblick über das Stiftungsangebot in Deutschland.



4. Wann soll ich am besten spenden?

Zwischen erstem Advent und zweiten Weihnachtsfeiertag gehen bei Banken und Sparkassen mehr als doppelt so viele Überweisungsträger ein, als sonst in einem ganzen Monat. Ist es verlogen und geheuchelt, dass zur Weihnachtszeit die Deutschen ihrem Ruf als Spendenweltmeister besonders gerecht werden wollen? Nein, überhaupt nicht. Denn mal ganz davon abgesehen, dass viele in der Weihnachtszeit über etwas mehr Geld verfügen als sonst (Weihnachtsgeld und andere übliche Gratifikationen), ist nicht der Zeitpunkt einer Spende entscheidend, sondern die Spende selbst. Die Erfahrung zeigt, dass auch außerhalb der Weihnachtsaison viel gespendet wird, wenn es nötig ist. Stichworte Oder- und Elbeflut, Tsunamikatastrophe und der 11. September. Haben Sie schon mal überlegt, einen Dauerauftrag einzurichten? Das Geld wird dann monatlich abgebucht, und Ihre Spende wird zur Routine. Manchmal tut es eben doch plötzlich weh, wenn man am Geldautomaten steht, und sich auf der Zahlentastatur für eine Summe entscheiden muss. Wer es nicht besonders Dicke hat, der tippt im Zweifel dann doch eine niedrigere Summe.

  • Richten Sie einen Dauerauftrag ein. Wenn Sie 20 Euro im Monat automatisch einer Spendenorganisation überweisen, ist das aufs Jahr gesehen sehr viel. Und Sie werden es irgendwann nicht einmal mehr bemerken.



5. Soll ich auf der Straße spenden?

Die meisten Bundesländer haben mittlerweile das Sammlungsgesetz abgeschafft. Was auf der einen Seite weniger Bürokratie bedeutet, heißt auch, dass sich jeder mit einer Büchse auf die Straße stellen kann. Sie haben also keine Garantie, dass der Spendensammler vor Ihnen seriös arbeitet. Wenn der Sammler beweisen kann, dass seine Organisation in einem der oben genannten Verbünde organisiert ist, dann können Sie guten Gewissens Geld in die Dose stecken. Ohne entsprechenden Ausweis sollten Sie es sich zweimal überlegen.
Richtig spenden bedeutet auch, dass man sich Zeit für seine Entscheidung nimmt, denn Sie wollen ja einen größtmöglichen Effekt mit ihrer Spende erzielen und haben nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung.

  • Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie an einer hingehaltenen Spendenbüchse vorbei gehen oder die Tür ohne Geldgabe wieder schließen. Organisationen, die Ihre Sammler auf die Straße oder an die Haustüren schicken, nehmen es zumindest in Kauf, dass Sie in die Privatsphäre der Angesprochenen eindringen. Wer für Fördermitgliedschaften an der Tür wirbt, der weiß sicher auch, dass diese nicht unter das so genannte „Haustürwiderrufsgesetz“ fallen. Da kann die Organisation als noch so mildtätig anerkannt sein; Ihre Unterschrift kommt Ihnen dann teuer zu stehen. Wenn Sie dennoch an der Tür spenden möchten – und wenn es nur aus Mitleid mit dem Sammler sei – fragen Sie nach den oben genannten Siegeln. Bei diesen Organisationen haben Sie immer ein garantiertes Rücktrittsrecht.

Weihnachtsspecial

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Thema: Grünes Geld & Finanzen, Stand: 11.12.2008 von

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alle Kommentare (5)
  • schrieb am 23.10.2010 um 10:32
    Ausgezeichneter Artikel! Hab ihn leider nur mit Google gefunden. Wer klickt auf Themen > Geld & Wirtschaft > alle Ratgeber (ganz klein) > Seite 2 und scrollt ganz nach unten?
  • schrieb am 15.01.2008 um 11:53
    Ein wichtiger Beitrag, denn viele Menschen möchten gerne spenden, oder tun es, und wissen nicht genau, wohin ihr Geld fließt.

    Ich möchte noch auf die Patenschaft aufmerksam machen.
    Bei "Plan" kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Spenden dort ankommen wo sie sollen.
    Für 25 € im Monat ist es möglich, einem Kind und seinem ganzen Umfeld,auch dem Dorf in dem es lebt, eine Zukunft zu bieten.


    Der persönliche Kontakt mit dem Patenkind ist möglich und sogar erwünscht. Sei es durch Briefe oder auch mal einen Besuch beim Patenkind.

    Für mich ist das eine der sinnvollsten Arten regelmäßig zu spenden.

    Petra Müller mehr weniger
  • schrieb am 08.01.2008 um 21:42
    Den Beitrag finde ich gut....Da ich selbst in einer kleinen UNICEF-Gruppe aktiv bin, weiß ich wie schwer es ist andere davon zu überzeugen etwas abzugeben ...und Zeitungsmeldungen über Veruntreuung von Spendengeldern tun ihr Übriges...Aber was ich richtig gut finde sind Patenschaften in der unmittelbaren Nachbarschaft.Bei uns gibt es einen Schaugarten, der sich um Saatgutpflege ( bio )und Pflanzenvielfalt ohne Gentechnik kümmert.Dort hatte ich im vergangenem Jahr eine Patenschaft übernommen und werde dies auch wieder tun. Mein Patenkind hieß "Harald 51" und war eine alte Rosenkohlsorte. Durch die Patenschaft konnte diese Sorte wiederbelebt werden.Auch über den VEN( Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V )kann man Patenschaften übernehmen. mehr weniger
  • schrieb am 05.01.2008 um 22:08
    Noch besser als einmaliges und damit auch nur punktuelles Spenden finde ich persönlich, wenn man sein gesamtes Geld bei einer Gemeinschaftsbank hat, zum Beispiel der GLS. Ich finde es ein extrem beruhigendes Gefühl, dass mein Geld für Kredite für Umweltprojekte verwendet wird und nicht etwa für Gentechnik oder sogar Kriege. Das ist bei Großbanken nicht transparent, bei der GLS dagegen kriege ich alle Vierteljahre einen Überblick darüber, welche Kredite vergeben wurden. mehr weniger
  • schrieb am 12.12.2007 um 13:08
    Sehr guter Beitrag!

    Trotzdem kurz ein paar Anmerkungen dazu:

    Spenden ist generell unverzichtbar, weil es
    a) die Zivilgesellschaft stärkt und
    b) in vielen Bereichen Engagement alternativ zu staatlichen Programmen erst ermöglicht. Was wäre z.B. die Entwicklungshilfe ohne NGOs?

    Stiften gehen? Im Prinzip ja. Man bedenke aber, dass eine Stiftung im Prinzip nur mit der Rendite arbeiten kann.
    Um eine professionelle Organisation mit 4 Mitarbeitern zu finanzieren, brauche ich bei 5 % Verzinsung 20 Mio (!)Euro Stiftungskapital (800.000 € operative Mittel + 200.000 € Verwaltungsaufwand). Da muss man sich fragen, ob es nicht sinnvoller ist, das Geld gleich zu spenden.

    Wieviel kommt von der Spende wirklich an? Hier geht es immer auch um die Frage der Wirkung! Viel hilft nicht immer viel - wichtig ist eine möglichst professionelle Umsetzung. Und die kostet auch Geld. Ein geringer Verwaltungsaufwand (und dazu rechnet sich teilweise auch die Projektbetreung) bedeutet daher nicht immer gute Mittelverwendung.

    Bekommen die großen Organisationen nicht viel zu viele Spenden? Jein! Der Spendenmarkt ist hart umkämpft. Auch hier gibt es Verdrängungswettbewerb. Viele kleine Organisationen würden mehr Aufmerksamkeit verdienen, weil auch hier oft professionell, wenngleich nicht immer mit Hauptamtlichen gearbeitet wird. Hier gilt wie bei der Kapitalanlage: Die Streuung macht's. mehr weniger
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