Deutschlands Website Nr. 1 für nachhaltigen Konsum
Tipps für Einsteiger: Sozialstandards

Wofür steht das Fairwork-Prädikat?

Wenn ein Unternehmen Changemaker bei Utopia werden möchte, dann muss es zehn Punkte unterzeichnen – ein Punkt sind die Sozialstandards, denn wir wollen fair hergestellte Produkte kaufen. Utopia stellt daher den Verein Fairwork vor, der seit 2004 ein Prädikat vergibt. Die Vorstandsvorsitzende Bettina König erklärt, was das bedeutet und gibt Tipps für Berufseinsteiger.


Von Sabine M. Kempa

Utopia: Sie verleihen das Fairwork-Prädikat an Unternehmen, die faire Arbeitsbedingungen bieten. Die Unternehmen zahlen sogar dafür. Was ist der Vorteil?

Bettina König: Das Gütesiegel wird an Unternehmen vergeben, die sich bewusst dem Anspruch der Fairness stellen. Um die Qualität, Unabhängigkeit und Seriosität des Fairwork-Prädikats zu gewährleisten, wird regelmäßig überprüft, ob sich das Unternehmen auch weiterhin an die Richtlinien für faire Praktika und Berufseinsteigerprogramme hält. Dafür sprechen wir mit Praktikanten, die in dem Unternehmen tätig sind, wir fahren auch hin und überprüfen vor Ort, ob die Bedingungen stimmen. Davon profitieren alle Beteiligten: die Praktikanten leisten  zu fairen Bedingungen. Die Unternehmen weisen nach, dass sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und werden damit attraktiv für hochqualifizierte Mitarbeiter.

Sie engagieren sich vehement für faire Praktikums-Bedingungen. Geht es für viele Hochschulabsolventen gar nicht mehr darum, „ordentliche“ Jobs zu finden, sondern darum, überhaupt beschäftigt zu sein? Und kann das Praktikum als Berufseinstieg eine Lösung sein?

B.K.: Es geht vor allem darum, den prekären Berufseinstieg zu vermeiden. Selbstverständlich muss es das Ziel sein, nach dem Studium einen angemessenen Job zu finden. Das dauert bei den später aufgeführten Studienabschlüssen heutzutage in der Regel bis zu einem Jahr. Auf diesem Weg verlieren viele den Mut und nehmen auch unbezahlte Praktika an, um überhaupt in den Arbeitsmarkt zu kommen. Trotzdem sagen wir ganz klar, dass ein Praktikum in dieser Situation nur die allerletzte Wahl sein kann. Aus unserer Sicht ist es als Berufseinstieg ungeeignet und nicht gewünscht. Im Zweifel ist selbst die Arbeit über eine Zeitarbeitsfirma besser, denn hier ist der „Klebe-Effekt“ größer, d. h. die Chance, von der Zeitarbeit in das Auftragsunternehmen übernommen zu werden.

Wir haben grundsätzlich nichts gegen Praktika. So kann ein Praktikum durchaus sinnvoll sein, wenn man z. B. die Branche wechseln oder etwas Neues lernen möchte. Voraussetzung ist dabei, dass der Lern- und Ausbildungsaspekt klar im Vordergrund steht und dass die Arbeitsbedingungen stimmen. Dazu gehören neben sinnvollen Inhalten und einer begrenzten Dauer des Praktikums auch Arbeitszeitregelungen, Urlaubsanspruch und nicht zuletzt eine angemessene Vergütung. Selbst für Auszubildende, die direkt von der Schule kommen, gibt es entsprechende Regelungen. Da ist es nicht akzeptabel, dass  Hochschulabsolventen darauf verzichten sollen. Wogegen wir vorgehen, sind „Scheinpraktika“, bei denen die Praktikanten schlicht als billige Arbeitskräfte in einem ganz normalen Job ausgebeutet werden und Angestellte ersetzen.

Immer mehr Hochschulabsolventen finden aber keine feste Anstellung und nehmen stattdessen – oft unbezahlte – Praktika an. Woran liegt das?

B.K.:  Das liegt zunächst an der besonders für Berufseisteiger problematischen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Kurz gesagt: zu viele qualifizierte Leute buhlen um zu wenige Jobs. Begonnen hat diese Entwicklung in den Jahren 2001/2002, als die Internet-Blase platzte und sich die Situation im Bereich Neue Medien dramatisch verschlechterte. Von der anschließenden Erholung der Wirtschaft konnten Berufsanfänger jedoch nicht profitieren. Hochschulabsolventen Praktika statt Jobs anzubieten, hatte sich quasi als Selbstverständlichkeit eingebürgert.

Es liegt aber teilweise auch an den Absolvent/innen selbst, die oft zu wenig selbstbewusst auftreten, nicht genau wissen, wo ihre Interessen liegen und wie ihre beruflichen Ziele und Vorstellungen eigentlich aussehen. Nach den ersten Absagen sind sie dann entmutigt und glauben, sie hätten etwas falsch gemacht. Dabei handelt es sich bei der Entwicklung „Praktikum statt Job“ um ein Massenphänomen, das mit der Qualifikation des Einzelnen überhaupt nichts zu tun hat.

Seite 1 / 2
Thema: Politik & Gesellschaft, Stand: 04.08.2010 von
Mehr zu Fairtrade
  1. Vom Ladenpreis eines Sportschuhs gehen nur 0,4 Prozent an den NäherMit seiner berührenden Idee für einen Filmspot über die Ausbeutung von Textilarbeitern hat der 29-jährige Michal Wilczek den Europäischen Bürger-Filmpreis "Sukuma Millennium Award“ gewonnen. Sehen Sie das Video!

    Vom Ladenpreis eines Sportschuhs gehen nur 0,4 Prozent an den Näher
  2. Das sollten Sie beim Schmuckkauf beachtenSchmuck ist so alt wie die Menschheit. Er dient nicht nur der Zierde, sondern hat auch einen Nutzen. Uhren zeigen die Zeit, Eheringe den Familienstand an. Um an die wertvollen Rohstoffe zu kommen, geht es leider meist nicht sauber zu. Giftige Stoffe kommen zum Einsatz und unter Lebensgefahr fördern Kleinschürfer Gold. Utopia zeigt Ihnen, wie Sie sich …

    Das sollten Sie beim Schmuckkauf beachten
  3. Jean Zieglers ungehaltene Salzburger RedeNach seiner Ausladung als Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele veröffentlicht Jean Ziegler, langjähriger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und derzeit Vize-Präsident des beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats, jetzt seine hochaktuelle Rede über die dramatische Lage der Hungernden in der Welt.

    Jean Zieglers ungehaltene Salzburger Rede