5 Fragen an: Original Unverpackt Berlin

Foto © Utopia/vs

In unserer Reihe „5 Fragen an“ befragen wir bekannte Unternehmen und Personen, schauen mit ihnen in die Zukunft, hinter die Kulissen und lassen uns von ihren Ideen und Visionen inspirieren. In unserem ersten Interview: Gründerin Milena Glimbovski von Original Unverpackt Berlin.

Unverpackt-Läden erobern Deutschland: Immer mehr Läden ohne Verpackungen eröffnen, schätzungsweise gibt es rund 40 Läden hierzulande. Milena Glimovski ist Gründerin von Original Unverpackt in Berlin und spricht mit uns über ihre Bestseller und warum sie nie Nutella in unverpackt anbieten wird.

„Wir reißen keine kleinen Tüten auf“

Milena, lass uns in die Glaskugel blicken, wo stehen Unverpackt-Läden in fünf Jahren?

Milena Glimbovski: In fünf Jahren wird es nicht mehr nur das Phänomen der Unverpackt-Läden geben, sondern jeder Bioladen wird eine Unverpackt-Abteilung haben. Ein Bioladen mit einer kleinen Abteilung mit Nüssen und Müsli kann zwar noch keinen ganzen Unverpackt-Laden ersetzen, aber der ganze Lifestyle wird etablierter und verbreiteter sein. Es wird viel selbstverständlicher sein, dass man etwa seinen Käse an der Frischetheke unverpackt bekommt.

Einige Stimmen behaupten, dass in Unverpackt-Läden genauso verpackt angeliefert wird, wie in anderen Läden. Stimmt das?

Milena Glimbovski: Unsere Lieferkette ist nicht komplett Zero Waste. Wir haben einige Produkte wie die Kaffeebohnen und den Tofu, da ist es tatsächlich so, dass überhaupt kein Müll entsteht. Die losen Produkte werden in Großgebinden angeliefert, das sind große Säcke. Dies hat den Vorteil, dass man sich die ganzen kleinen Einwegverpackungen spart. Wir sind also nicht hinten im Lager und reißen kleine Tüten auf, sondern es sind sehr große Säcke, mit denen man mehrere Durchläufe füllen kann.

Wie schwierig war die Suche nach passenden Lieferanten, die in Großgebinden liefern?

Milena Glimbovski: Die Suche war nicht ganz so leicht am Anfang. Nachdem wir wussten, welche Produkte wir haben wollten, mussten wir nicht nur Lieferanten finden, die die Produkte in der richtigen Qualität und am besten regional anbieten, sondern auch in unverpackt: mit Mehrwegsystem oder im Großgebinde.

Sehr viele Produzenten haben sich schwergetan, für uns extra ihre Maschinen anzuhalten und das entsprechend in Großgebinden abzufüllen. Deshalb arbeiten wir schon sehr lange und gerne mit kleineren Herstellern zusammen, die ihre Prozesse flexibel ändern konnten. Wir werden daher nie Nutella zum Abfüllen haben. Nicht nur, weil wir es nicht wollen, sondern auch weil Nutella nie ihre Maschinen für unsere Größen umstellen würde.

Plastikfreie Läden
Einmal abfüllen, bitte! (Foto: © Jendrik Schröder / Original Unverpackt)

Verpackung verursacht viel Müll, doch hat Verpackung nicht auch eine Schutzfunktion?

Milena Glimbovski: Manche behaupten, Verpackungen seien gut, besonders Einwegverpackungen, denn sie schützen das Produkt und das soll am Ende umweltfreundlicher sein. Meist schützen Verpackungen jedoch gar nicht, sondern sie werden als Marketinginstrument gebraucht, um das Logo oder Werbebotschaften zu platzieren. Wir bieten unsere Sachen lose an und sie haben trotzdem eine gute Qualität. Bananen und Apfelsinen müssen nicht in Plastik verpackt sein und anderes Obst und Gemüse auch nicht. Ich finde daher, dass dieses Argument nicht zählt, denn mittlerweile kann man in jedem Unverpackt-Laden und auf jedem Markt sehen, dass Lebensmittel nicht verpackt sein müssen.

Was kaufen eure Kunden besonders gern und was bleibt lang im Laden liegen?

Milena Glimbovski: Unsere besten Produkte sind Nüsse und auch Süßigkeiten. Die gibt es bei uns sogar etwas günstiger als im Bioladen. Aber auch Kosmetik und Drogerie, was ganz logisch ist, denn das sind Produkte, die man schnell verbraucht. Schwieriger wird es mit Bohnen, die bleiben länger im Laden, schließlich kauft man sie nicht jeden Tag. Das Gleiche trifft auf Gewürze und Reinigungsmittel zu: Man braucht diese Produkte, aber es dauert länger, bis man sie aufbraucht. Gewürze haben zwar einen stolzen Preis, aber 10 oder 20 Gramm Pfeffer reichen für ein Jahr.

Milena, vielen Dank für das Interview.

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(4) Kommentare

  1. Wie funktioniert unverpackt mit verderblichen Produkten wie Joghurt oder auch Milch? Ist da denn die Mehrwegverpackung wirklich vom Erzeuger bis zum Konsumenten effizienter sprich nachhaltiger und somit günstiger für den Verbraucher? Ich traue mir noch nicht zu für einen 5-köpfige Familie alles unverpackt zu kaufen – ich will ja nicht jeden Tag einkaufen und mich nur noch damit beschäftigen und dabei mehr Energie verbrauchen, als ich durch die Einwegverpackung spare. Oder stimmt das so nicht?

  2. Milchprodukte wie Joghurt oder Frischmilch werden in Unverpacktläden meist wie in Bioläden im Mehrwegglas verkauft und produzieren somit auch keinen Müll.
    Was die Häufigkeit des Einkaufens angeht: Das ist wirklich einfach eine Frage der Organisation. Da ist z.B. Bea Johnson von „Zero Waste Home“ ein sehr gutes Beispiel. Die überlegt sich für die ganze Woche einen Essensplan und geht dann einmal pro Woche für nur genau diese benötigten Dinge einkaufen. Dabei spielt neben guter Organisation natürlich auch eine optimierte Lagerhaltung zu Hause eine wichitge Rolle. Man kann z.B: Brot auf Vorrat kaufen und dann einfrieren und bei Bedarf auftauen etc. …
    Und der Vorteil dieser geplanten Einkäufe ist ja auch, dass man somit nicht zu viel einkauft, sondern nur genau die Menge, die man benötigt und auch verbrauchen wird. Man schmeißt also nichts weg, weil es schimmelig ist und tut damit nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern spart auch noch Geld.

  3. Warum solltest Du jeden Tag einkaufen gehen?
    Du kannst Dir ja zu Hause auch ein paar schöne Gläser hinstellen, wo das Trockensortiment sicher aufbewahrt werden kann.
    Gemüse und Obst kauft man ja sowieso unverpackt.
    Und Milch eben in den Pfandflaschen.
    Ich staune, daß sich auch die frische Demeter-Milch in der Pfandflasche ein paar Tage hält. So wird es mit dem Milchwaren im Unverpackt Laden auch sein.
    Wir gehen 1-2 x in der Woche einkaufen.
    Allerdings haben wir keinen Unverpackt-Laden. D.h. das Bio-Trockensortiment kaufe ich noch normal verpackt und fülle es zu Hause in Gläser um wegen dem besseren handling und Schutz vor Lebensmittel-Motton.
    Wichtig ist es, ein Glas immer ganz lehr machen, bevor man den Nachkauf einfüllt.
    First In – First out.

  4. wir haben in unserer einkaufsgemeinschaft milch von einem hof, die wir in 5 und 10 Liter Kannen bekommen, So kann sich jede*r selbst die beliebige Menge abfüllen und der Hof bekommt seine Kannen zum Wiederbefüllen zurück.

    Beim Brot haben wir das große Glück, dass wir selber gerne backen. Das hält dann auch eine Woche (wenn wir es nicht vorher aufgegessen haben). Ich habe allerdings auch nicht das Bedürfnis nach weichem Brot.

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