9 regionale Kaffee-Alternativen: Kaffee-Ersatz aus Getreide, Löwenzahn oder Eicheln

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Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de

Kaffee ist für viele Menschen ein essentieller Bestandteil des alltäglichen Lebens. Doch der lange Transportweg, die Ausbeutung der Kaffeebauern und der Einsatz von Pestiziden sprechen gegen herkömmlichen Bohnenkaffee und für regionale Kaffee-Alternativen. Welche regionalen Kaffee-Alternativen es gibt und was für Vorteile diese haben, liest du hier.

Der Kaffee am Morgen, zum Kuchen oder beim Kaffeeklatsch im Café gehört für rund 80 Prozent der Deutschen zum Leben dazu. Über die Herkunft des Kaffees und die Produktionsbedingungen denken wir – wenn überhaupt – viel zu selten nach.

Was spricht gegen Bohnenkaffee?

  • Bohnenkaffee wird in rund 20 verschiedenen Ländern angebaut – der Großteil stammt aus Brasilien und Vietnam. Damit wir in Deutschland eine Tasse Kaffee genießen können, müssen die Kaffeebohnen per Schiff einen weiten Weg zurücklegen. Das erfordert große Mengen an Treibstoff und produziert einiges an CO2-Emissionen.
  • Wenn es sich nicht gerade um Bio-zertifizierten Kaffee handelt, werden beim Kaffeeanbau meist Pestizide und teilweise genmanipulierte Pflanzen eingesetzt.
  • Der Kaffeanbau verbraucht große Menge Wasser: Pro Tasse Kaffee werden etwa 140 Liter Wasser benötigt.
  • In den Erzeugerländern arbeiten die Kaffeebauern unter schwierigen Arbeitsbedingungen: Sie besitzen keinen geregelten Zugang zu Exportmärkten, schwankende Weltmarktpreise gefährden die Deckung ihrer Produktionskosten und der Klimawandel bedroht ihre Existenz durch Ernterückgänge oder Ernteausfälle.

Neun regionale Kaffee-Alternativen

Wer seinen Kaffeekonsum einschränken oder gar gänzlich auf Kaffee verzichten möchte, kann auf Kaffee-Alternativen zurückgreifen. Diese sind regional, müssen keinen weiten Transportweg zurücklegen und können teilweise sogar selbst hergestellt werden.

1. Falscher Kaffee: Muckefuck

Von Muckefuck fast jeder bereits gehört: Die Bezeichnung stammt vermutlich vom französischen “Mocca faux” (falscher Kaffee) ab und ist eine allgemeine Bezeichnung für kaffeeähnliche Getränke, wie Malz-, Getreide- oder Zichorienkaffee. Die Kaffee-Alternativen gibt es häufig in unterschiedlichen Varianten: zum Aufgießen oder als Instant-Produkt.

2. Kaffee-Alternative: Malzkaffee

 

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Malz-Kaffee basiert auf gemälzter Gerste. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Malzkaffee besteht aus gemälzter Gerste: Die reifen Gerstenkörner werden in Wasser eingeweicht und zum Keimen gebracht. Dabei wandeln getreideeigene Enzyme die enthaltene Stärke teilweise in Malzzucker um. Die Körner werden nun getrocknet und geröstet. Dadurch karamellisiert der Malzzucker und der kaffeeähnliche Geschmack sowie die braune Farbe entstehen. Zur Zubereitung übergießt man das leicht lösliche Pulver mit heißem Wasser.

Der bekannteste Malzkaffee ist Caro-Kaffee – inzwischen gibt es aber auch viele Malzkaffees in Bio-Qualität, zum Beispiel bei Alnatura (2,95 Euro/ 100 g) oder dm (2,45 Euro/ 100 g). Die Kaffee-Alternative ist frei von Koffein und durch den niedrigeren Gehalt an Gerbstoffen magenfreundlicher als Bohnenkaffee. Da durch die hohen Temperaturen beim Rösten Acrylamid entstehen kann, sollte man nicht mehr als zwei bis drei Tassen pro Tag trinken. Das gilt laut Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft im Übrigen auch für Bohnenkaffee.

3. Getreidekaffee: Kaffee-Alternativen aus Dinkel, Roggen, Gerste und Mais

Der Unterschied zwischen Malz- und Getreidekaffee besteht darin, dass die Getreidekörner nicht keimen. Getreidekaffee enthält deshalb keinen Malzzucker und ist durch die größere Menge an Bitterstoffen nur was für echte Liebhaber. Getreidekaffee wird aus unterschiedlichen Getreidesorten hergestellt: Dinkel, Roggen, Gerste und selten aus Mais.

Insbesondere Dinkelkaffee wird eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Die leicht bitteren Geschmacksstoffe regen die Leber- und Gallenfunktion an. Zudem enthält Getreidekaffee viel hochwertiges Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate und zahlreiche Spurenelemente, Mineralien und Vitalstoffe. Da auch im Getreidekaffee vor einigen Jahren Acrylamid nachgewiesen wurde, sollte man es bei zwei bis drei Tassen pro Tag belassen.

4. Zichorienkaffee: Kaffee-Alternative aus den Wurzeln der Wegwarte

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Zichorienkaffee besteht aus den Wurzeln der Gemeinen Wegwarte. (CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Zichorienkaffee wird aus den Wurzeln der Gemeinen Wegwarte hergestellt. Die Wurzeln werden klein geschnitten, getrocknet und anschließend geröstet. Der in den Wurzeln enthaltene Saft karamellisiert bei der Röstung und verleiht dem Zichorienkaffee einen kaffeeähnlichen Geschmack.

Schon Hippokrates wusste, wie gesund die Wurzeln sind: Frisch sollen sie gegen Lungentuberkulose helfen, ihr Sud soll wirksam gegen Gelbsucht und Lebervergrößerung sein. Zichorienkaffee gibt es im Bio-Laden von unterschiedlichen Bio-Herstellern, beispielsweise von Lima (cira 5,90 Euro/ 500g) oder Naturata (6,08 Euro / 100g).

5. Kaffee-Alternative: (Süß-) Lupinenkaffee

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Lupine sind unglaublich vielseitig: Aus ihnen kann man neben Milch und Fleischersatz auch Kaffee herstellen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Lupinenkaffee wird aus der Süßlupine gewonnen. Die Pflanze zählt zur Familie der Hülsenfrüchte und ist im Gegensatz zur herkömmlichen Lupine nicht giftig. Ihre Samen werden getrocknet und schonend geröstet – deshalb enthält Lupinenkaffee sehr wenige Bitterstoffe. Lupinenkaffee ist sehr aromatisch und kommt nah an den Geschmack von Bohnenkaffee heran. Wie alle Kaffee-Alternativen enthält er kein Koffein. Anders als Getreidekaffee ist Lupinenkaffee glutenfrei und sehr säurearm. Außerdem enthalten die Süßlupine viel Eiweiß, verschiedene Vitamine und Spurenelemente.

Ein weiterer großer Vorteil der Süßlupine ist, dass sie neben ihrem regionalen Anbau auch als natürlicher Dünger genutzt werden können: Sie lockern den Boden auf und binden Stickstoff.

Kaufen kann man Süßlupinenkaffee im Bioladen oder in Reformhäusern.

6. Kaffee-Alternative aus Esskastanien zum Selbermachen

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Es muss nicht immer Bohnenkaffee sein – aus Esskastanien kannst du Kaffee ganz leicht selber machen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Im Herbst – etwa von Ende September bis November – ist die Erntezeit der Esskastanien. Die leckeren Nüsse enthalten verschiedene Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium sowie B-Vitamine und Vitamin C. Außerdem kannst du aus ihnen Kaffee zubereiten:

Entferne zunächst die stachligen Schalen. Danach kommen die Früchte bei 120 °C in den Ofen, bis sie leicht bräunlich werden. Damit sich kein Acrylamid bildet, solltest du darauf achten, dass die Kastanien nicht zu braun werden. Wenn sie abgekühlt sind, kannst du die Esskastanien klein hacken, mahlen und wie normalen Bohnenkaffee zubereiten. Das Ergebnis ist eine nussige, leicht süßliche Alternative zum normalen Kaffee.

7. Regionale Löwenzahnwurzeln als Kaffee-Alternative

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Löwenzahn schmeckt auch als Kaffee oder Tee. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Auch die Löwenzahnwurzeln für Löwenzahn-Kaffee werden am besten im Herbst geerntet. Zu diesem Zeitpunkt bildet sich die Pflanze zurück und alle Nährstoffe sammeln sich in der Wurzel. Der enthaltene Bitterstoff Taraxin steigert die Magensaftproduktion und regt die Verdauung sowie die Gallensaftproduktion an. Deshalb kann diese Kaffee-Alternative bei Verdauungsproblemen helfen.

Säubere die frisch ausgegrabenen Wurzeln gründlich und lasse sie etwa einen Tag lang trocknen. Schneide sie dann in kleine Stücke und röste sie in einer Pfanne bei niedriger Temperatur, bis die Wurzeln leicht braun werden. Wenn die Wurzelstücke kühl sind, kannst du sie im Mixer zu Pulver zerkleinern. Für eine leckere, kräftige Tasse Löwenzahn-Kaffee einen Löffel in einen Filter geben und mit heißem Wasser überbrühen – wer es etwas milder mag, nimmt lieber etwas weniger Pulver.

Wusstest du schon, dass man Löwenzahn auch als Salat essen kann? Mehr Rezeptideen findest du hier: Löwenzahnsalat: Tipps und Rezept zum Selbermachen

8. Herbstliche Kaffee-Alternative: Eichelkaffee

Die dritte herbstliche Kaffee-Alternative zum Selbermachen ist Eichelkaffee. Das regionale Produkt überzeugt nicht nur durch seine gute Öko-Bilanz, sondern auch durch seinen herben und leicht würzigen Geschmack. Der „Kaffee“ regt die Verdauung an und hilft gegen Sodbrennen, indem er die Magensäure-Produktion reguliert.

Eichelkaffee ist einfach zubereitet: Erhitze zunächst Eicheln in einer Pfanne – dadurch dehnt sich der innere Kern aus und sie sind besser zu schälen. Lege die geschälten Kerne  für ein bis zwei Tage in Wasser ein. So werden ihnen enthaltene Gerbstoffe entzogen. Rühre hin und wieder um und das Wasser, sobald es trüb wird. Lasse die Eicheln dann abtropfen und  röste sie wie die Kastanien im Ofen bei 120 °C. Zerkleinere und mahle sie anschließend, und bereite sie wie normalen Kaffee zu. Eichelkaffee soll gegen Verdauungsbeschwerden helfen und gut gegen Nervosität sein.

9. Regionale Kaffee-Alternative zum Selbermachen: Hagebuttenkaffee

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Wenn du einen Hagebuttenstrauch im Garten hast, kannst du den leckeren Hagebuttenkaffee auch selber herstellen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Hagebuttenmus oder Tee ist weit verbreitet – Hagebutten-Kaffee hingegen ist für uns noch etwas Besonderes: Im Herbst kannst du die Hagebutten sammeln, halbieren und entkernen. Wasche die Kerne, entferne die Härchen und lasse sie an der Luft trocknen. Anschließend kannst du die Kerne in der Pfanne rösten. Mahle sie dann und bereite sie wie Bohnenkaffee zu. Hagebuttenkaffee soll ein gutes Heilmittel gegen Magenschleimhautentzündung sein. Außerdem enthalten Hagebutten jede Menge Vitamin C – das jedoch leider nicht hitzebeständig ist.

Fazit: Regionale Kaffee-Alternativen

Für leidenschaftliche Kaffee-Trinker haben alle Kaffee-Alternativen leider einen entscheidenden Nachteil: Sie enthalten kein Koffein. Wer zumindest eine Weile auf Koffein verzichten will oder gezielt nach einer nicht-aufputschenden Alternative sucht, der sollte sich unbedingt durch diese regionalen Kaffeealternativen probieren. Wer dennoch nicht auf Bohnenkaffee verzichten will, sollte der Umwelt und den Kaffeebauern zuliebe, auf fairen Bio-Kaffee zurückgreifen.

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(3) Kommentare

  1. Das Argument mit Wasserverbrauch für den Caféanbau kommt immer und immer wieder.
    Ich frage mich: Warum??! Wär schön das zu erfahren.

    Sehts doch wies ist: Der Café wächst in den Höhen der Tropen. Da regnets immer viel, sehr viel. Zählts ihr jetzt das Regenwasser?? Das kommt freilich stets hinab. Ich hab noch nie gehört, das der Café gegossen wird. Oder gewässert wird.

    Der Café braucht schatten. Da hats also viel Bäume im Caféfeld. Das ist auch ein Plus. Nein, Caféanbau ist wirklich erstmal ok.

    Einzig der weite Transport schlägt sich nieder.

  2. Wenn man über die Wassermenge redet ist „virtuelles Wasser“ das Google Stichwort. Das beinhaltet die Zusammensetzung des Wassers aus Regen, Bewässerung und Wasser das benötigt wird um Verunreinigungen zu verdünnen (http://www.virtuelles-wasser.de/).

    Wenn man nur das Regenwasser betrachtet, ist es trotzdem Wasser, das nicht für Landwirtschaft zur Lebensmittelgewinnung oder direkt als Trinkwasser genutzt werden kann. Und in Ländern wie Brasilien und Vietnam herrscht trotz allem Trinkwasserknappheit.

    Bei konventionellem Kaffeeanbau kommt hinzu, dass er häufig in Monokulturen (keine Biodiversität, Erosion der Böden etc.) und unter starkem Einsatz von Pestiziden stattfindet.

    Daher, nicht nur der Transportweg ist problematisch.

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