Präsentiert von:

Capsule Wardrobe: Minimalismus mit 37 Teilen pro Kleiderschrank und Quartal

Foto: © Geneva Vanderzeil

Ausmisten liegt im Trend. Bei der Capsule Wardrobe geht es an den Kleiderschrank: Gerade einmal 37 Kleidungsstücke dürfen übrig bleiben.

Minimalismus ist so hip wie nie zuvor. Die österreichische Modebloggerin Dariadaria praktiziert ihn, das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo schlug ein wie ein Bombe – und die Capsule Wardrobe hat das Potenzial, zur neuen Dauerbeschäftigung zu werden.

In einer Zeit, in der Konsum unser Leben bestimmt und man sich jederzeit alles kaufen kann, scheint der größte Luxus zu sein, wenig zu besitzen. Irgendwie schräg.

Was hinter dem Capsule Wardrobe-Experiment steckt

Nun aber eines nach dem anderen. Das Capsule Wardrobe-Experiment ist eigentlich eine schöne Idee, die aus dem Minimalismus-Gedanken heraus entstanden ist – gegen den Shopping-Wahnsinn, gegen einen überfüllten Kleiderschrank und trotzdem das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben.

Das Konzept ist schnell erklärt: Man beschränkt sich auf eine kleine saisonale Auswahl an Kleidung, die gut miteinander kombinierbar ist. Um genauer zu sein: Es dürfen pro Quartal nicht mehr als 37 Teile sein – inklusive Schuhe, exklusive Accessoires wie Taschen, Schmuck und Schals.

Ideengeberin ist Susie Faux, eine Londoner Boutique-Besitzerin, die das Konzept in den 70er Jahren erdachte. In den drei Monaten darf übrigens auch nichts Neues dazu kommen, zum Saisonwechsel hin darf dann aber – ganz bedacht und ausgesucht – geshoppt werden. Wintermäntel, Schals und Mützen packt man im Sommer weg und anders herum.

Bloggerin Caroline berichtet von ihren Erfahrungen

Bei Caroline vom Blog Unfancy sind das pro Saison vier bis acht Teile, die neu in ihren Kleiderschrank kommen. Sie entdeckte den Trend, nachdem sie einmal mehr von einer ausgiebigen Shoppingtour nach Hause kam – die Tüten voll mit Dingen, die sie nicht unbedingt brauchte und von denen auch nicht jedes ein Lieblingsteil war. Ihr Kleiderschrank wurde immer voller, sie allerdings auch immer uninspirierter. Irgendwann war sie an dem Punkt, an dem sie das ändern wollte.

Lies auch: Der minimalistische Kleiderschrank

Auf ihrem Blog kann man ausführlich nachlesen, wie sie das Capsule Wardrobe-Experiment anging. Zuerst einmal räumte sie ihren kompletten Schrank aus und sortierte die Kleidung – was sie sofort tragen wollen würde, behielt sie. Teile, die in der Kategorie „vielleicht“ landeten, lagerte sie erst einmal in einem Karton. Wünschte sie sich diese innerhalb der drei Monate nicht wieder herbei, wurden sie nach der Saison verkauft, verschenkt oder gespendet. So wie die Kleidung, die sofort in der Kategorie „nein“ landete.

Mehr Zeit, mehr Geld – und ein eigener Stil

Das Gute an dem Experiment, davon berichtet auch Caroline: Man spart wahnsinnig viel Zeit – zum Beispiel morgens, wenn man sich mal wieder nicht entscheiden kann, was man anziehen soll.

Weniger Klamotten bedeutet auch: weniger waschen. Und nicht zu unterschätzen: Wie viele Stunden pro Woche mancher in Onlineshops und echten Läden verbringt. Auch diese Zeit kann man in Zukunft sinnvoller nutzen. Außerdem, ganz klar: Man hat mehr Geld übrig, das man entweder in sinnvolle Dinge investiert oder zum Beispiel spendet.

Caroline berichtet zudem davon, dass sie vor dem Experiment noch Bedenken hatte, dass ihr Stil darunter leiden würde – dabei ist genau das Gegenteil passiert: Durch die begrenzte Auswahl und das Aussuchen von ausschließlichen Lieblingsstücken, weiß sie nun noch mehr als zuvor, was ihr wirklich steht und gefällt. Dadurch, dass man nicht mehr viel einkaufen darf, fallen auch teilweise unnötige Experimente weg und was bleibt ist das Wissen darüber, was den eigenen Stil ausmacht – und was eben nicht.

Weiterlesen auf Utopia:

Bestenlisten:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(16) Kommentare

  1. „In einer Zeit, in der Konsum unser Leben bestimmt und man sich jederzeit alles kaufen kann, scheint der größte Luxus zu sein, wenig zu besitzen. Irgendwie schräg.“

    Der größere Rahmen ist die Selbst-Optimierung. In unserer Zeit und Gesellschaft wird Alltag, Karriere, Freizeit … alles einer Reflexion unterworfen, wir spüren in Teilbereichen weiterhin Druck vermittelt über Mode Trends, Kleidervorschriften, Erwartungen durch Arbeitgeber, Partner, Kinder, Nachbarn, Verwandte, Freundes- wie Bekanntenkreis, wir erleben Freiheiten bis hin zur Orientierungslosigkeit, die Märkte werden unüberschaubar, die biologische Uhr tickt, die Karriereuhr tickt, Partnerschaftsfindungshelfer boomen, obendrauf der ökologische Rucksack, der Natur- und Umweltschutz ist ungebrochen Thema, Informations- und Nachrichtenüberflutung über Terrorismus, Naturkatastrophen, politische Krisen, Brexit usw. usf. fordern Antworten und Stellungsnahmen, nicht zuletzt durch unser Einkaufsverhalten und unseren Lebensstil.

    Minimalismus könnte man als Methode der Perfektionisten abtun, der Konsum Versager (Messie Gefährdeten) oder jener mit bewusst alternativer Prinzipienhaltung, mit selbstauferlegten Extrem-Regeln, deuten könnte man dies in der Tat als Optimierungsmethode. Weil zu viel Konsum als negativ erlebt wird oder wurde, könnte weniger Konsum vielfältige Aspekte in den grünen Bereich schieben.

    „Durch die begrenzte Auswahl und das Aussuchen von ausschließlichen Lieblingsstücken, weiß sie nun noch mehr als zuvor, was ihr wirklich steht und gefällt. Dadurch, dass man nicht mehr viel einkaufen darf, fallen auch teilweise unnötige Experimente weg und was bleibt ist das Wissen darüber, was den eigenen Stil ausmacht – und was eben nicht.“

    Entscheidung. Darauf läuft es hinaus. Durch den äußeren Rahmen (Stückzahl, Platzangebot, monetärer Konsumumfang) erleichtert sich die Entscheidungsfindung. Siehe oben, die Stilrichtungen sind zu manigfaltig, zu Verlockungen zu groß.

    Warum 37 Teile? Magisch, mythisch, esoterisch … ein neuer Druck. Abgefedert durch Regelwerk, extra Kiste als Bankschließfach, Saison bezogener Veräußerungsdruck, alles nur weil es selbstbestimmter Entscheidungsfähigkeit mangelt? Die Frage drängt sich auf.

    Hätte auch sagen: solche Probleme haben nur Frauen. Das wäre wirklich unfair, stimmt´s.

  2. Lebt man in solchen Zonen mit gleichbleibendem, verlässlichem Klima, kann ich es nachvollziehen, dass man Kisten packt. In Deutschland erleben wir doch bereits die Einflüsse globaler Klimaveränderung, im Winter brauchen wir bereits luftige Sachen, im Sommer bei anhaltendem Regen und niedrigen Temperaturen warme Sachen. Bin demzufolge froh einen florierenden Austausch zwischen Winter-, Garderoben- und Kleiderschrank zu haben.

    37 Teile, allein schon meine Arbeitsklamotten, Sport- und Wanderausflugteile … Gott bin ich froh, ein Mann zu sein.

  3. Sowas funktioniert aber leider nicht immer. Ich bekam von meinem Chef vor ein paar Tagen die Forderung, mir genug Kleidung für mindestens 3 Wochen zuzulegen, falls ich mal mehrere Wochen keine Möglichkeit zum Wäsche waschen hab. Das macht dann 21 Unterhosen, 21 Paar Socken, mindestens 7 Hosen, mindestens 15 Shirts und mindestens 10 Pullover = 74 Teile (minimum). Somit hat sich mein minimalistischer Lebensstil im Bereich Kleidung schonmal erledigt 🙁

  4. Toll daß Du so einen fürsorglichen Chef hast.
    Und toll, daß Dein Chef eine Mitarbeiterin hat, die in demütiger Gehorsamkeit auch alles ausführt, was der Chef sagt. 😉
    Ich hätte meinem Chef einen Vortrag gehalten von wegen, daß ihn mein Privatleben und meine Wäsche einen blanken Sch… angeht.

    Aber letztendlich habe ich auch u.a. deswegen gekündigt und mich selbständig gemacht, damit mir niemand mehr vorschreibt, daß ich nach Möglichkeit kein Stück zweimal bei wichtigen Kundenterminen anziehen darf, ect.

  5. Warum 37? Mir ist das zu zwanghaft. Irgendwann hatte ich 5 m Kleiderschrank gut gefüllt und es überkam mich ein Unbehagen…. 80 Paar Schuhe. Bin ich eine Tausendfüßlerin? Also habe ich sukzessive reduziert und bin nun bei 15 Schuhpaaren (mein Liebster besitzt 18….). Mein Schrank misst 1 Meter und ich verlasse das Haus immer bekleidet. Ehrlich 🙂

  6. Kaja (momentan unkreativ bei Namensfindung)

    15 Schuhpaare?
    Ich habe fünf… (okay, da fehlen derzeit auch die Winterstiefel, da mir meine alten zu klein sind, dann halt sechs).
    Was mich aber beim gesamten Experiment interesssiert: Zählt da die Unterwäsche mit rein? Also auch die Sockenpaare?

  7. Was sich mir nicht erschließt: warum hat sie weniger Wäsche? Auch wenn ich wenig Kleidung habe, muss ich diese waschen, wenn sie riecht oder schmutzig ist.
    Zudem muss ich öfters mit nicht ausreichenden Füllung der Waschmaschine waschen, gerade wenn man nur in einem kleinem Haushalt mit 2 Personen lebt.
    Genau aus diesem Grund haben wir inzwischen auch mehr Kleidung, die dafür länger in unserem Haushalt bleiben darf.

  8. So wenig sind 37 Teile nicht. Es gibt auch das Project 333, 33 Teile in 3 Monaten. Oder die Klamottenkur: 50 Teile (einschließlich Socken, Unterwäsche). Ich lag bislang immer drunter und hatte trotzdem mehr als genug. Das Thema Kleidung ist jahrelang einfach völlig überbewertet worden. Daher finde ich solche Ansätze auch gut.

  9. Meiner Meinung nach wäscht man genauso oft wie sonst auch. Was ich getragen habe, muss ich auch waschen. Habe ich weniger, wasche ich das einzelne Teil öfter und mit der Hand. Habe ich mehr zum Wechseln, kann ich länger warten und vllt eine Maschine voll bekommen. Dann wird das einzelne Teil nicht durch ständiges Waschen strapaziert und hält länger. Gehupft wie gesprungen. Ich bin immer knapp mit Kleidung und finde das gar nicht so erstrebenswert. Es ist wohl wie mit allem: die Dosis macht das gift.

  10. Da ich – so wie viele Frauen – nicht ganz frei bin von Konsumlust, wenn ich schöne Dinge entdecke ( meist Tücher/Assessoires ) ..allerdings fast ausschließl in Second-Hand-Läden/ Flohmärkten..versuche ich einfach für jedes „neue“ Teil, das ich erwerbe bzw mir zulege, dafür ein anderes Stück zu entsorgen/ verschenken. Ich finde den minimalistischen Ansatz gut aber schwer umzusetzen. Tauschbörsen sind für mich eine annehmbare Zwischenlösung – GsD wird meine Klsammlung durch kleine Tricks ( viel einfach bei der AWO abgeben )immer weniger..die qualitativ besten Stücke, die sich auch am besten kombinieren lassen, bleiben..es ist immer eine kleine Übung in Minimalismus, wenn ich auf Pilgerreise gehe..selbst für 3 Tage. Eine schwedische Pastorin, die uns mal begleitete, u 8 Wo unterwegs sein wollte, wusch jeden Abend ihre Unterwäsche..das ist doch schnell gemacht. Ich selbst trage Blusen/Pullis sehr lange, da sie meist übernacht zum Lüften draussen hängen.. tagsüber wechsele ich je nach Temperatur rel oft die Kleidungsstücke..ich finde auch, daß das Thema – bes bei Frauen – überbewertet wird..

  11. Naja 37 Teile finde ich doch etwas zu wenig, vor allem wenn man arbeitet und jeden Tag ordentlich gekleidet, sauber und nicht müffelt ins Büro geht. Da ich auch ungern 1/2 Waschmaschinenladungen wasche, habe ich schon ein paar Sachen mehr, komme aber gut mit 1,0 m Kleiderschrank aus.

  12. Inspirierende Idee – einfach nur ein Vorschlag – enges Korsett oder Hilfe? – wer braucht Halt in Regelungen? – wer Halt braucht in Regelungen, darf sich dieses Halts bedienen – Ist nicht dieser Kommentar einer zuviel im Kleiderschrank der Kommentare – oder der vorherige??? – was tut mir gut? – was tut mir und dir gut? – Was tut mir und dir und auch noch anderen gut? – Wer betrachtet die Phänomene, die wir Menschen anrichten, wirklich von ALLEN Seiten? – Nachteile von Konsum – Vorteile von Konsum – Wie wäre diese Diät: alles tragen, bis es fadenscheinig/definitiv unansehnlich/unrettbar kaputt ist plus nur dann entsorgen, wenn aus dem letzten Fetzchen guter Reststoff noch etwas Kreatives gewonnen wurde? – Oder diese: kaufe nur biologisch abbaubare Kleidung: kostet viel mehr, kannst dir weniger leisten, schätzt mehr das wenige mehr wert, was du hast? – oder die: alles was ich weg gebe, muss ich, solange noch von Trage- oder Benutzwert, einer neuen Nutzung zuführen? Oder oder – Schlussament ist es ganz einfach: DEIN eigenes Geld = deine in Geld geronnene Energie = deine freie Entscheidung, wohin du deine in Geld geronnene Energie geben willst = Dogma macht keinerlei Sinn = DU bist Meister/Meisterin/RegisseurIn deines Schicksals und das der anderen: warum nicht? Es geht um Selbstbestimmung und verdammt noch mal auch um Respekt vor jedermanns Selbstbestimmung, ob es dir oder mir recht ist oder nicht – Also: inspierierende Idee: was machst du daraus? – Deine Wahl!

  13. In meinem Kleiderschrank hatte sich vor zwei Jahren immer mehr nicht Aufgetragenes angesammelt, dass ich den Überblick verlor und über meinen Konsumwahn entsetzt war – (auch wenn ich auch nur einen Meter Schrank benutze.) Ich verordnete mir eine Kleiderdiät. Es wird nichts mehr gekauft, es sei denn, es wird dringend benötigt, und dann suche ich bewusst bio-fairtrade-Qualität oder Second-Hand_kleidung. In den letzten zwei Jahren habe ich daher nur eine Sey-Jeans und ein Kleid von farcap (beides bio und fair hergestellt) gekauft sowie einen Anorak, weil der alte kaputt ging, und einen Rock bei Oxfam. Mit dieser Entscheidung bin ich mehr als zufrieden. Ich habe nichts entrümpelt, sondern trage auf, was ich habe, bis es fadenscheinig wird ( so unglaublich es klingt, obwohl ich in meinem Beruf auch adrett gekleidet sein muss!) Ich kombiniere dabei immer wieder neu und habe jedes Mal das Gefühl, etwa Neues kreiert zu haben. Kurzum: Weniger Konsum macht doch glücklich!

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.