In Deutschland landen gerade tonnenweise Gurken im Müll – angeblich, weil sie plastikfrei sind

Foto: unsplash.com

Aktuell werden in Deutschland tonnenweise Gurken weggeworfen. Experten zufolge reifen die Gurken schneller, weil Supermärkte die Plastikverpackung abgeschafft haben. Lidl und Rewe wollen darum gelegentlich mit Folie arbeiten, Aldi und Real haben eine andere Lösung.

Bereits vergangenes Jahr hat Netto angekündigt, Bio-Gurken nur noch ohne Plastikverpackung und stattdessen mit Laser-Tattoo zu verkaufen. Dieses Jahr folgten Rewe, Aldi und andere Märkte. Aldi verzichtet sogar bei allen Salatgurken auf die Folie. Eigenen Angaben zufolge spart der Discounter dadurch 120 Tonnen Kunststoff im Jahr ein.

Doch es gibt auch einen Nachteil: Ohne Plastikfolie verderben die Gurken schneller – und das macht sich jetzt bemerkbar. Laut der „Lebensmittel Zeitung“ werden aktuell „LKW-weise“ Gurken vernichtet, weil sie gelb oder schrumpelig sind. Pro LKW-Ladung entstehe ein Schaden von 25.000 Euro. Nun haben die Supermärkte reagiert.

Lidl und Rewe wollen Gurken wieder verpacken

Wie die Welt berichtet, will Lidl in Zukunft sowohl verpackte als auch unverpackte Salatgurken anbieten. „Derzeit bieten wir unseren Kunden unfolierte konventionelle Salatgurken aus den Niederlanden an, die aufgrund des kürzeren Transportweges auch ohne Folie frisch und in guter Qualität von uns angeboten werden können“, erklärte eine Unternehmenssprecherin. „Ab dem Spätherbst beziehen wir unsere Salatgurken aber aus Spanien und werden diese folieren.“ Die Lebensmittelverpackungen würden für Transportfähigkeit und Frische sorgen, Wasserverlust vorbeugen und die Lebensmittel länger haltbar machen.

Bei Rewe und dem Tochterunternehmen Penny gibt es derzeit nur plastikfreie Salatgurken zu kaufen. Eugenio Guidoccio, ein Geschäftsleiter der Rewe-Group, hat nun angekündigt, dass sich das wieder ändern könnte. Ihm zufolge würde das Unternehmen Gurken in „Ausnahmefällen“ auch weiterhin in einer dünnen Folie verpacken. Er gehe aber davon aus, dass dies im Jahresverlauf nur etwa fünf Prozent der Gurken betreffe.

Außerdem arbeite das Unternehmen an einer Lösung: „Unter Einbeziehung aller Akteure innerhalb der Lieferketten wollen wir die Transportprozesse nun so verändern, dass konventionelle Gurken auch außerhalb der neunmonatigen deutschen Saison unverpackt verkauft werden können“, sagt Guidoccio.

Aldi und Real: Deshalb können sie unverpackte Gurken anbieten

Aldi und Real hingegen planen nicht, die Plastikverpackung wieder einzuführen. Sie haben einen Weg gefunden, das Problem zu umgehen.

„Nach mehreren Tests in verschiedenen Regionalgesellschaften ist es uns gelungen, gemeinsam mit den Lieferanten den Transport und die Logistik zu verbessern“, äußert sich Aldi Süd auf Anfrage der Welt. Der Discounter hat es geschafft, die Transportwege zu kürzen und Zwischenlager abzuschaffen. Außerdem habe er das Bestellsystem in den Filialen umgestellt. Dadurch erreichen die Gurken den Einzelhandel deutlich schneller.

Real hingegen experimentiert im Moment damit, die Salatgurken mit Papier abzudecken. Das soll verhindern, dass die Gurken schnell austrocknen. Laut dem Ressortleiter für Obst&Gemüse, Oliver Buckermann, ist die Methode erfolgreich.

gurke bitter
Gurken werden im Winter meist aus Spanien importiert. (Foto: CC0 / Pixabay / Kaz)

Bis die Gurke bei Aldi, Rewe, Edeka und Co. landet, dauert es

Solange die Gurken aus Deutschland oder Holland kommen, stört die fehlende Plastikhülle nicht. Dank der kurzen Transportwege kommt die Gurke frisch im Supermarkt an. Allerdings haben Gurken in Deutschland nur von Juni bis August Saison. In den kalten Wintermonaten kaufen die Supermärkte daher vermehrt Gurken aus Spanien ein.

Das spanische Gemüse hat deutlich längere Transportwege hinter sich. Der Lebensmittel Zeitung zufolge dauert es drei bis fünf Tage, bis die Gurke im Supermarkt ankommt – bis dahin verdirbt ein Teil der Ware. Früher mussten demnach fünf Prozent der Salatgurken entsorgt werden, erklärt ein Einkäufer der Zeitung. Aktuell seien es mehr als 10 Prozent. Die Plastikfolie würde Gurken bis zu eine Woche länger frisch halten.

Liegt es wirklich an der fehlenden Plastikfolie?

Schuld an der Lebensmittelverschwendung sei also die fehlende Plastikhülle – so die Argumentation. Das trifft es jedoch nicht ganz. Das eigentliche Problem ist, dass Kunden das ganze Jahr über Gurken im Salat haben wollen. Würden mehr Menschen im Winter auf Gurken verzichten, bräuchte es weder Plastikfolien noch die CO2-intensiven Transporte aus Spanien und anderen Ländern.

Utopia meint: Was ist schlimmer: die Plastikfolie oder Lebensmittelverschwendung? Schon länger diskutieren Experten, ob die Gurke mit oder ohne Kunststoffhülle eine schlechtere Ökobilanz hat. Sinnvoller ist es, sich folgende Frage zu stellen: Müssen wir wirklich das ganze Jahr Gurken essen?

Wer wirklich nachhaltig essen will, kauft Gurken plastikfrei – und nur von Juli bis September aus regionalem Anbau. In den Wintermonaten gibt es genug Alternativen für den Salat: Karotten, Sellerie, Chicorée, Feldsalat und verschiedene Kohlsorten beispielsweise. Generell ist eine regionale und saisonale Ernährung besser fürs Klima. Wann welches Obst und Gemüse Saison hat, erfährst du im Utopia-Saisonkalender.

Weiterlesen auf Utopia.de:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(1) Kommentar

  1. Genau – wer braucht grüne Gurken an Weihnachten?
    Eigentlich niemand. Außerdem habe ich die letzten, sehr leckeren nicht-Schlangengurken, sondern russische Gurken – Ende Oktober im ungeheizten Gewächshaus geerntet. Ab jetzt ist gurkenfreie Zeit. Diese Gurken sind 5 x so lecker wie die üblichen Supermarkt-Schlangengurken, sie sehen aus wie eingelegte Gurken und haben kleine Stacheln, die man abreiben muss. Außerdem sind sie keine Hybriden, sondern vermehrungsfähig. Ab März werden sie wieder gesät. Nicht mal im Bioladen sind diese Gurken erhältlich. Auf Balkonen wachsen sie bestimmt auch.