Alle feiern den heimlichen Star der Golden Globes – wir nicht

Fiji Wasser
Foto © Utopia

Das Negativ-Highlight der diesjährigen Golden Globes war weder ein Film noch ein Promi oder gar sein Outfit – sondern ein Model, das auf dem roten Teppich Wasser der Marke Fiji Water servierte. Warum das ziemlich problematisch ist.

Ein Model hat es am Sonntag geschafft, innerhalb weniger Stunden berühmt zu werden: Kelleth Cuthbert servierte bei der Verleihung der Golden Globes Wasser der Marke Fiji Water. Dabei hat sie sich – von den Fotografen anscheinend unbemerkt – auf Dutzende Promi-Fotos geschlichen. Photobombing nennt man das in den USA. Hat sich das Model einfach gut positioniert – oder steckt eine ausgeklügelte PR-Aktion einer fragwürdigen Marke dahinter?

Fiji Water zerstört die Umwelt

Das Mineralwasser Fiji Water stammt laut Hersteller aus einer Grundwasserquelle unter der Insel Viti Levu, Fidschis größter Insel. Das Unternehmen preist sein Produkt als besonders gesund und schmackhaft an, weil es fernab der menschlichen Zivilisation in unberührter Natur entspringe.

Das lässt ein harmonisches Bild vor dem Auge der Konsumenten entstehen. In Wahrheit aber, so der Vorwurf von Umweltschützern, zerstört das Unternehmen hinter Fiji Water die ursprünglich tatsächlich unberührte Natur und beutet die Wasserreserven der Insel aus.

Fiji-Girl: Ein fragwürdiger Hype in den sozialen Medien

Leider interessiert sich aber kaum jemand für diese zerstörerischen Praktiken: In den sozialen Netzwerken ist das Model mit ihrem Tablett voller Fiji-Water-Flaschen momentan ein Riesen-Hype. Ununterbrochen tauchen neue Memes auf, die das dauerlächelnde Model im Hintergrund beim Servieren von Fiji Water zeigen. Hier einige Bilder auf Twitter:

Viele Nutzer erklären das „Fiji Girl“ zu einer neuen Stilikone oder feiern es dafür, wie es beharrlich auf gefühlt jedem Bild auftaucht. Eine Twitter-Nutzerin wollte Kelleth Cuthbert sogar den Golden Globe für das gruseligste Photobombing verleihen.

Wasser ist kein Lifestyle-Produkt!

Gruselig ist aber unserer Ansicht nicht, dass das Model mit den Fiji-Wasser-Flaschen auf Dutzenden Promi-Fotos auftaucht – sondern, dass sie das aktuelle Gesicht einer verschwenderischen Industrie ist, die die Umwelt zerstört, um stinknormales Wasser als Lifestyle-Produkt zu inszenieren.

„Du musst nicht perfekt sein, um gesund zu sein“, lautet die Werbebotschaft von Fiji Water: „Versuche, einfache Dinge zu verändern – wie nicht zu dehydrieren, mit Fiji-Wasser.“

Absurdes Produkt ist für jeden erschwinglich

Dass das Produkt bei einer Veranstaltung wie den Golden Globes verteilt wird, ist zwar nicht überraschend. Fragwürdig ist es trotzdem – und zudem ziemlich traurig, weil niemand auf die Absurdität des Fiji Water hinweist: Prominente trinken dieses scheinbar besondere Wasser, das über eine Distanz von 8.000 Kilometern (!) nach Los Angeles gekarrt wird, nur damit sie nicht „dehydrieren“.

Und das ist noch nicht alles: Vielen Menschen dienen eben diese Stars als Vorbilder. Fiji-Wasser ist für jeden einigermaßen erschwinglich im Supermarkt erhältlich. Der Nachahm-Effekt dürfte entsprechend hoch sein.

Noch mehr Wasser, die dem gesunden Menschenverstand wehtun

Besser: Trinkt Leitungswasser

Wir empfehlen stattdessen: Leitungswasser. Das ist nicht nur bequemer, es spart auch Material (vor allem umweltschädliches Plastik), Transportwege und jede Menge Geld: Im günstigsten Fall bekommt man beim Discounter für einen Euro etwa sieben Liter Wasser. Fürs gleiche Geld gibt’s 200 Liter Leitungswasser, das hierzulande das am besten kontrollierte Lebensmittel ist und grundsätzlich bedenkenlos getrunken werden kann (mehr dazu und über Ausnahmen wie alte Rohrleitungen).

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(5) Kommentare

  1. Ich fänd’s peinlich mit sowas erwischt zu werden!
    Warum sagt diesen Leuten eigentlich niemand, dass sie sich mit diesem Wasser und all den anderen angesagten Trinkwasserprodukten direkt als jemand outen, der offenbar an Niedrigst-IQ leidet?
    .

  2. @denkenderbuerger:
    „wir“ haben immer andere Sorgen.
    Darum geht es aber in diesem Artikel nicht, oder schreiben Sie das da oben einfach unter jeden Artikel, in dem es um Wasser geht?
    #whataboutism

  3. Das sich Utopia nur selbst darüber ausgelassen hat, kann ich ja damit aufhören. Erstaunlich ist es trotzdem, das es dazu eine ganze Woche gebraucht hat und ausgerechnet ich, der hier als ewiger Mießmacher, Meckerer und Stänkerer verschrien ist darauf aufmerksam gemacht habe …

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