Foodsharing auf Festivals

Foto: Foodsharing

Auf vielen Festivals sorgt jetzt die Initiative foodsharing für einen Ort zum Essentausch, damit es für jede Menge Lebensmittel heißt: Teller statt Tonne.

Es ist Montag, die letzten Stunden brechen an, die Sommerhitze ist am Höhepunkt und nach schlaflosen Nächten setzt langsam die zufriedene Erschöpfung ein. Nur noch kurz das Zelt abbauen, was der ein oder andere auch für überbewertet hält, zurück in den Bus und die kleine Parallelwelt für’s Erste verlassen. Die kalten Dosen-Ravioli konnten gegenüber den leckeren Foodtrucks nicht ganz mithalten und die meiste Zeit wollte man lieber vor der Bühne tanzen anstatt sich am flackernden Camping-Kocher abzumühen.

Auf den Wiesen bleiben also die einsamen Tetrapacks, Notfall-Snacks und vollen Konservendosen zurück, die kein müder Besitzer mehr in den vollen Zug und zurück nach Hause schleppen will.

Hier kommt das Festival-Team von foodsharing ins Spiel. Denn mit Beginn des Sommers beginnt auch der Einsatz ihrer Festival-AG. Die Initiative setzt sich für das Ende der Lebensmittelverschwendung ein, indem sie überschüssige Lebensmittel vor dem Abfall retten und verteilen. Sogenannte Foodsaver und die Plattform foodsharing.de koordinieren das Ganze, sodass Lebensmittelbetriebe und Privatpersonen Essen kostenlos zur Abholung anbieten oder in offen zugänglichen Kühlschränken, den Fair-Teilern, ablegen können.

Teller statt Tonne

Seit letztem Jahr ist foodsharing in Eigenregie auf Festivals unterwegs und macht es möglich, übrige Lebensmittel untereinander auszutauschen, anstatt sie wegzuwerfen oder „nur“ zu spenden. Jeder kann unangebrochene und nicht verderbliche Lebensmittel unkompliziert am Fairteiler-Zelt abgeben oder tauschen, Backstage-Catering und Essensstände sind ebenso verlässliche Quellen.

Der Festival-Schauplatz ist zudem eine Chance, das Thema Lebensmittelverschwendung und den Wert von Essen zu verbreiten, durch Workshops, Filmvorführungen, Diskussionen und am Besten durch den direkten Kontakt – denn kostenloses Essen lockt immer den ein oder anderen Interessenten an.

Die Veranstalter von FKP-Scorpio, zu deren Riege Festivals wie das Hurricane, Southside oder A Summer’s Tale gehören, haben das Ganze mit einem festivaleigenen „Tausch dich satt!“-Projekt ins Rollen gebracht. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den umliegenden Tafeln besteht bereits seit Längerem, jetzt konnte man noch einen Schritt weitergehen: „Wir fanden das einen tollen Gedanken, ein Projekt ins Leben zu rufen, das zusätzlich unsere Gäste zusammenbringt und ganz nebenbei das Thema Lebensmittelverschwendung in die Köpfe vieler Besucher trägt“, so Julia Baer von FKP Scorpio.

Die Idee lief super an, also erschien es den Organisatoren nur sinnvoll, den Foodsharingleuten anzubieten, gemeinsame Sache zu machen. Das macht auch die Zusammenarbeit mit den Tafeln wirkungsvoller. „Durch die Kooperation können wir uns stärker vor Ort auf unseren Festivals der Herausforderung Lebensmittelverschwendung stellen und mit unseren Kanälen und der Reichweite die Arbeit von foodsharing unterstützen und in die Gesellschaft tragen.“

Viva con Agua, Goldeimer und foodsharing nutzen ihre Festival-Präsenz

Während die meisten Festivals kommerziell sind und immer durchorganisierter werden, scheint parallel dazu das Bewusstsein für Umwelt und Soziales bei einigen Veranstaltern zu wachsen. Müllpfand oder Öko-Dixis von Goldeimer sind oft schon selbstverständlich und Initiativen wie Viva con Agua und foodsharing nutzen verstärkt Festivals, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Festival-Besucher reagieren positiv und sind motiviert für das foodsharing-Projekt, denn es ist durchaus praktisch, seinen gehorteten Proviant direkt zu spenden. Als freiwilliger Foodsaver selbst auf Festivals zu gehen ist übrigens auch möglich und das Ticket gibt es umsonst – gute Musik und gute Tat in Einem.

Uns allen hilft es, wenn wir den Wert von Lebensmitteln zu schätzen wissen, ob Dosen-Ravioli oder veganer Foodtruck-Burger. In Deutschland landet fast die Hälfte aller produzierten Lebensmittel auf dem Müll, 9.236.554 Kilogramm Lebensmittel konnte foodsharing bereits erfolgreich vor der Tonne retten.

GASTBEITRAG aus enorm
Text:
Sharon Huppertz

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