Dieser Edeka-Markt hatte eine Idee für weniger Plastikmüll an der Frischetheke

Foto © Dieter Hieber

Wer plastikfrei leben will, versucht sein Glück oft an der Frischetheke: zumindest theoretisch gäbe es dort die Möglichkeit, sich die Lebensmittel in mitgebrachte Behälter packen zu lassen. Aber meist wird das mit Verweis auf Hygienevorschriften abgelehnt und Wurst und Käse doch in Plastik verpackt. Nicht so in den Edeka-Filialen von Dieter Hieber: Dort füllt die Frischetheke auch mitgebrachte Boxen.

Hinter der Glasscheibe der Theke beginnt der sogenannte Hygienebereich. Hier darf eigentlich nichts hin, was der Kunde mitgebracht hat – so wollen es die Hygienevorschriften, die seit Jahren immer strenger werden. Und wegen dieser Vorschriften kaufen wir Lebensmittel praktisch nur noch in Plastik verpackt – das am Ende im Müll landet.

Dieter Hieber, der in Baden-Württemberg 12 Edeka-Filialen betreibt, wollte da nicht mehr mitmachen. „Ich hatte selbst gerade eingekauft und saß mit reichlich Plastikmüll vorm Fernseher“, sagt Hieber. „Nach einem Bericht über plastikfreie Läden dachte ich mir: Sowas sollten wir auch machen!“

In seiner Edeka-Filiale in Bad Krozingen zeigt er seit vergangenem Montag, wie es auch anders geht: Dort können Kunden nämlich an der Frischetheke Wurst, Käse und andere Waren lose kaufen – ohne Papier- und Plastikmüll.

Möglich machen sollte das ursprünglich eine „Mehrweg Hygiene Schleuse“: Bereitgestellte Edeka-Dosen oder vom Kunden mitgebrachte Boxen wären darin mit UV-Licht bestrahlt und auf der anderen Seite vom Supermarkt-Personal entnommen worden. Doch die Lösung war nicht optimal: Der Vorgang dauerte 45 Sekunden, das UV-Licht war ein Stromfresser. Erfreulicherweise zeigte sich das Landratsamt einsichtig und es geht nun auch ganz ohne Schleuse und UV-Licht!

Die neue Lösung: Die Kunden können ihre Mitnehm-Boxen jetzt einfach über die Theke reichen.

Und das geht so: Der Kunde reicht seine Dose über die Theke und der Mitarbeiter hält ein Tablett hin. Auf dieses Tablett stellt der Kunde seine Dose ab. Der Mitarbeiter stellt dann das Tablett neben der Waage ab und füllt die gewünschten Produkte in die Dose. Anschließend reicht der Mitarbeiter dem Kunden die Dose wieder über die Theke. „Wir wollen den Vorgang bei der Rückgabe so gestalten, dass wir dem Kunden die Dose wieder offen auf dem Tablett zurückgeben“, so Hieber. Dann muss der Mitarbeiter die Dose nicht berühren und sich dann auch nicht die Hände reinigen. Das testet Hieber derzeit und sieht sich an, wie die Kunden darauf regieren.

Weniger Plastikmüll an der Frischetheke: Kunden finden das gut

Plastikmüll: eines der Dinge, die aus deinem Alltag verschwinden sollten
Plastikmüll: auch eines der Dinge, die aus deinem Alltag verschwinden sollten (Illu: Miro)

Auf der Facebook-Seite von Hiebers Frische Center gibts dafür Lob von den Kunden: „Super Idee“ heißt es da und: „Endlich geht da mal was in Sachen Verpackungsmüll“. Dieter Hieber will das Mehrweg-Frischetheken-System in wenigen Wochen auch in anderen Filialen ausprobieren. „Natürlich müssen sich die Leute erst einmal daran gewöhnen“, so Hieber. „Aber wenn da irgendwann 20 Prozent der Kunden mitmachen, dann bin ich schon zufrieden.“

Es sei auch eine Frage des Dialoges: Wenn ein Kunde etwa fünf verschiedene Käsesorten einkauft, dann will er oft eben doch etwas Verpackung haben – „aber es gibt eben auch Kunden, die sagen: Tu’s einfach mit rein.“ Freiwillig.

Sein Projekt hat Dieter Hieber zuletzt in Windeseile umgesetzt, um es bei einer Einzelhandels-Veranstaltung zahlreichen Kollegen zeigen zu können. „Alle sagen nämlich immer: Das geht nicht. Und ich wollte ihnen zeigen: Es geht eben doch.“

Gemeinsam mit 16 Studenten der Schweizer Hochschule ‚Ecole Supérieure en Visual Merchandising Design‘ will Hieber in seinen Supermärkte auch weiterhin Müll reduzieren. Die Studenten sollen innovative Konzepte entwickeln, die unnötige Verpackungen vermeiden. So will Hieber unter anderem ein waschbares Netz für Obst und Gemüse einführen und denkt über einen Stoffbeutel für Brot nach.

„Keine einzige Plastiktüte mehr“

„Man muss da vieles ausprobieren: Was ist nachhaltig, was ist gut für die Ware? Gut aussehen muss es auch – und natürlich bezahlbar sein“, sagt Hieber. Aber sein Engagement ist im besten Sinne nachhaltig: „Anfang 2017 möchte ich keine einzige Plastiktüte mehr in meinen Märkten sehen.“

Utopia meint: Großartige Idee für weniger Plastikmüll, die unbedingt Schule machen und zahlreiche Nachahmer finden sollte. Dieter Hieber deutete im Gespräch an, dass Edeka Südwest sich vorstellen könnte, solche Systeme generell einzuführen. Ja, bitte!

Lesetipp:

Weiterlesen auf Utopia:

Nachtrag: Auch bei Denn´s Österreich, in den Super-Bio-Markt-Filialen und den Vollcorner-Märkten in München kann man inzwischen seine eigenen Boxen mit an die Frischetheke bringen. Kennt ihr noch mehr Märkte? Lasst uns mit einem Kommentar davon wissen!

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(28) Kommentare

  1. Chapeau,

    Ich bin begeistert und danke für die Umsetzung Ihrer tollen Idee.

    Ein wirklich toller Beitrag zum Umweltschutz.

    Für den hier bereits diskutierten „letzten Schliff“ auf „highest level“ werden sich mit Sicherheit einfache Lösungen finden.

    Wenn der erste Schritt einmal gemacht wurde, hat man das Meiste schon geschafft.

    Viel Erfolg weiterhin.

    Markus von der Landwehr

  2. Das man in seiner eigenen Forma überhaupt jemanden fragen muss wie man seine Kunden bedient oder nicht zeigt doch wie bekloppt wir mittlerweile gegängelt werden.

    • Tja, ob man das bekloppt findet oder nicht, hängt von der Situation ab.
      In dem Fall ist die Regelung, daß nur Verpacktes ausgehändigt werden darf, natürlich bekloppt.
      Anderswo bin ich als Verbraucherin sehr froh, daß es Regelungen gibt, die mich nicht der Willkür mancher LE-Händler aussetzen.

      • Diese LE sind dann aber auch deiner Willkür, dein Geld woanders auszugeben, ausgesetzt. Will sagen, geh dort einkaufen, wo es dir gefällt, und geh dort nicht einkaufen, wo es dir nicht gefällt.

      • Ich glaube, Du hast mein Post nicht verstanden, Steffen.
        Aber danke, daß ich einkaufen darf, wo es mir gefällt…;-)

      • Ich glaub schon, dass ich dich verstanden habe. Mir ging es darum, dass niemand von uns irgendeiner Willkür eines Unternehmers ausgesetzt ist, da wir selbst entscheiden, wo wir einkaufen und unser Geld lassen. Jeder Unternehmer, der auch nur den Anschein erweckt, er würde gegen die Interessen seiner Kunden handeln, steht vor dem ernsthaften Problem, dass er ohne Kunden sich einen neuen Beruf suchen muss.

        Das ist ja auch der Hintergrund des immer wieder der bei utopia.de zu findenen Hjnweises, bewusst einzukaufen und dadurch das Angebot zu beeinflussen.

      • Mei, süüüüüß!
        „Jeder Unternehmer, der auch nur den Anschein erweckt, er würde gegen die Interessen seiner Kunden handeln, steht vor dem ernsthaften Problem, dass er ohne Kunden sich einen neuen Beruf suchen muss.“
        Weshalb ja auch alles getan wird, den Anschein zu erwecken, man handle ausschließlich zum Wohle des Kunden. … „Anschein“, wohlgemerkt;

        P.S.: Im Übrigen hast Du den Post von Maria_L offenkundig immer noch nicht verstanden.

      • Und mir ging es darum, daß ich froh bin, daß es Gesetzt gibt, die dafür Sorgen, daß ich beim Thema Hygiene nicht der Willkür eines Unternehmers ausgesetzt bin.
        Auch wenn ich manche Regelungen zum Thema übertrieben finde.
        Steffen, wenn Du gerne erst mal ausprobierst, welcher Unternehmer die Hände wäscht, bevor er vom Fleisch zum Käse wechselt (nur ein Beispiel) …bitte….

  3. Eine gute Idee, vor 22 Jahren war das üblich, aber dank der Kontrollsucht und dem Vorschriftenwahn ging es leider unter. Ich wünsche mir mehr dieser tollen Geschäfte.

  4. Käse in einer Dose ist nicht gut, Käse braucht Sauerstoff, den bekommt er in einer geschlossenen Box nicht, fängt an zu schwitzen und dann an zu Schimmeln und verschiedene Sorten in eins geht schon mal gar nicht wegen der verschiedenen Kulturen die auf andere über gehen. Ist eine tolle Idee, aber bitte nicht für Käse!!!!!!!

    • Zuhause kann der Käse doch wieder raus an die Luft 😉 Es geht ja nur um den Verkauf/Transport und Verpackungsmüll zu vermeiden. Alternativ nehmen Sie ein Tuch mit für den Käse.

  5. Generell finde ich die Idee zur Müllvermeidung klasse. Aber die Hygiene ist leider manchmal doch der Knackpunkt. Ich z.B. muss wegen meiner Transplantation und der deshalb überlebensnotwendigen Reduzierung des Immunsystems extreme Hygienevorgaben befolgen. Eine Waage ohne Papier oder Folie zum Wiegen bedeutet für mich schwere Gesundheitsgefahr.

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