Ergreifend: Gillette macht Transgender-Werbespot – und wird im Netz dafür gefeiert

Foto: Screenshot Facebook (Gillette)

Toxische Männlichkeit und krankhaftes Übergewicht: Rasierer-Hersteller Gillette hat mit seinen Werbespots schon oft polarisiert. Die neue Kampagne dagegen trifft offenbar den richtigen Ton – und berührt viele Menschen.

Die Marke Gillette ist immer für eine umstrittene Werbekampagne gut: Im Januar bekam ein Spot viel Aufmerksamkeit, der eine „neue Ära der Männlichkeit“ propagierte. Das Spiel mit Stereotypen missfiel manchen so sehr, dass sie sogar auf Twitter zum Boykott des Rasierer-Herstellers aufriefen.

Eine im April vorgestellte Werbung sorgte wiederum für Kontroversen, weil sie mit einem bekannten US-Plus-Size-Model gegen gängige Schönheitsideale anging. Der Vorwurf lautete: Gillette verherrliche krankhaftes Übergewicht.

Protagonist ist ein junger Transgender-Teenager

Nun scheinen die Zeiten des Shitstorms vorbei zu sein – und der Hersteller hat anscheinend einmal alles richtig gemacht. „Wann immer, wo immer, wie immer sie passiert, deine erste Rasur ist besonders“, heißt es im neuen, englischsprachigen Werbespot. Auch hier geht es um Diversität – und was erzählt wird, ist besonders.

Der Protagonist des Videoclips ist Samson Bonkeabantu Brown, ein junger Transgender-Teenager aus Kanada. Nur von ruhiger Musik untermalt erzählt er mit wenigen Worten seine Geschichte. Dann zeigt das Video einen emotionalen Moment: Browns Vater unterstützt ihn, als er sich zum ersten Mal rasiert.

Hier kannst du das Video auf Facebook ansehen:

„Hab keine Angst“, spricht ihm der Vater beruhigend zu. „Beim Rasieren geht es darum, selbstsicher zu sein. Du machst das gut“. Später legen die beiden liebevoll den Arm umeinander, lachen. Die Szenen wirken echt und sind einfühlsam erzählt.

Brown selbst erklärt in einem Facebook-Post, dass er seinen Vater in die Werbung integrieren wollte. Denn dieser sei einer seiner größten Unterstützer gewesen und habe ihn immer zu Selbstvertrauen und einem authentischen Leben ermutigt.

„Ich bin zuversichtlich, dass diese Werbung vielen meiner Trans-Geschwister Mut macht und ihnen vermittelt, dass unsere Existenz in dieser Welt voll von der Liebe und Unterstützung sein kann, die wir verdienen“, schreibt Brown in seinem persönlichen Beitrag.

In den sozialen Netzwerken reagieren viele Menschen gerührt

Seit Donnerstag wurde der Werbeclip mehr als 742.000 Mal aufgerufen (Stand 27.5.) und tausendfach geliked und geteilt. In den sozialen Netzwerken reagieren viele Menschen gerührt und positiv auf die Kampagne. „Gillette hat eine neue Werbung, in der ein Vater seinem Trans-Sohn beibringt, wie man sich richtig rasiert – und ich sitze hier, schaue mir das Video an und weine ein bisschen“, twittert ein User. „Das hat mich zum Weinen gebracht! Und mein Trans-Sohn hatte das breiteste Lächeln im Gesicht, als er es angesehen hat“, schreibt eine Facebook-Nutzerin.

Weitere Kommentare lauten zum Beispiel: „Eine wunderschöne Geschichte“, „Ich liebe diese Werbung! Danke, dass ihr so inklusiv und unterstützend für die Community seid“ oder „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel das für unsere Familie bedeutet. Repräsentiert zu werden ist wichtig!“

Tiefgründige Töne – diesmal ohne übertriebene Stereotype

Mit der aktuellen Werbekampagne ist es Gillette erneut gelungen, tiefgründige Töne anzuschlagen – diesmal jedoch ohne übertriebene Stereotype, die Shitstorm-Potenzial hätten. Das Video ist zurückhaltend und authentisch und schafft es gerade dadurch, für ein wichtiges Thema zu sensibilisieren: Repräsentation und Respekt für Transgender-Menschen.

Utopia meint: Gillette zeigt eine inspirierende Werbung mit wichtiger Botschaft – und provoziert damit offenbar weit weniger als mit den bisherigen Spots. Doch natürlich steckt hier kein selbstloses Engagement dahinter, sondern ein unternehmerisches Interesse: durch die Aufmerksamkeit Rasierer zu verkaufen.

Ob man nur wegen eines gelungenen Werbespots eine Marke unterstützen möchte, die zu Procter & Gamble gehört und wenig nachhaltige Produkte aus Plastik vertreibt, sollte man sich gut überlegen. Bessere Alternativen zum Haarentfernen sind auf jeden Fall Rasiermesser, Rasierhobel, Sugaring & Co.

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