Deutlich erhöhte Glyphosat-Werte in deutschem Honig

Deutlich erhöhte Glyphosat-Werte in deutschem Honig
Foto: © Unsplash

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat hinterlässt Spuren in Lebensmitteln – nachdem es in Brot und Bier nachgewiesen wurde, taucht nun stark belasteter Honig aus Deutschland auf.

Vor wenigen Wochen erst wurde die Zulassung von Glyphosat in der EU um eineinhalb Jahre verlängert – die Debatte hat seitdem zwar etwas nachgelassen, das Thema ist allerdings nicht weniger wichtig als zuvor – und auch nicht weniger gefährlich. Denn: Glyphosat wurde von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Das am häufigsten eingesetzte Pestizid weltweit (in Deutschland auf 40 Prozent der Ackerfläche) tötet nicht nur Pflanzen, die gentechnisch nicht dermaßen manipuliert wurden, dass sie das Unkrautvernichtungsmittel problemlos wegstecken, sondern schädigt auch die biologische Vielfalt. Glyphosat gilt für Bienen als gefährlich, denn es beeinträchtigt ihren Orientierungsverhalten auf negative Weise – Imkerverbände fordern deshalb schon lange ein Verbot – und natürlich hinterlässt das Pflanzenschutzmittel auch Spuren im Honig.

Glyphosat im Honig: hundertfache Überschreitung des Höchstwertes

Schon Ende Juni sorgte eine Meldung aus dem Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg für Aufruhr: Ein neugieriger Imker ließ dort aus privaten Zwecken eine Honigprobe vom zuständigen Amtstierarzt untersuchen. Das Ergebnis gelangte dann allerdings schnell an die Öffentlichkeit – denn die Werte waren um eine hundertfaches überschriften. Erlaubt sind bis zu 0,05 mg pro Kilo, in der Probe aus dem Landkreis fanden sich allerdings 5,11 mg pro Kilo!

Die Aurelia-Stiftung, die sich in Deutschland für das Wohl der Bienen einsetzt, wurde damals ebenfalls auf den Fall aufmerksam und gab eine Pressemitteilung heraus, in der bestätigt wurde: „So hat die Lebensmittelüberwachung des Landkreises Spree-Neiße (Brandenburg) in einer Honigprobe eine mehr als hundertfache Überschreitung der zulässigen Höchstmenge von Glyphosat in Honig festgestellt.“

Die Aurelia-Stiftung fand nun in mehreren Produkten aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg, dass auch hier der gesetzliche Höchstgehalt von 0,05 mg/kg deutlich überschritten war. Die Stiftung sieht die Verkehrsfähigkeit des Honigs gefährdet und fordert ein nationales Glyphosatverbot in der Blütezeit. Das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg hat mittlerweile einen Warnhinweis an die Landwirte herausgegeben.

glyphosat-deutscher-honig-biene-z-unsplash-163108-1280x600

Was kann ich tun, damit Glyphosat verschwindet?

  • Sag deine Meinung: Voraussichtlich steht in 17 Monaten die Neuzulassung von Glyphosat in der EU an. Umweltschutz- und Kampagnenorganisationen protestieren regelmäßig gegen den Einsatz von bedenklichen Pestiziden wie Glyphosat. Mach mit! Je mehr Menschen an Petitionen und Protesten teilnehmen, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt das Thema ein Verbot hat größere Chancen.
  • Kauf Bio-Produkte: Bio-Ware darf nicht mit chemischen Pestiziden behandelt werden, d.h. auch nicht mit Glyphosat. Je mehr Lebensmittel mit EU-Bio-Siegel wir kaufen, desto deutlicher das Signal an Landwirtschaft und Industrie, dass wir unbehandelte Produkte aus nachhaltigem Anbau wollen.
  • Lass die Finger von Roundup & Co.: In deinem Garten solltest du keinesfalls Roundup oder vergleichbare glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel verwenden. Unkrautbekämpfung geht auch ohne giftige Pestizide.

Weiterlesen auf Utopia:

Schlagwörter: , , , ,

(3) Kommentare

  1. Verrückt ist doch, dass viele alte Imker Bio-Kaufen für eine Spinnerei halten. Und selbst Jungimker sind sich oft nicht bewußt, dass sie, wenn sie konventionelle Produkte kaufen, dass sie dann das Gift beim Bauern mitfinanzieren, welches Bienen vergiftet. Eigentlich müßten Imker die größten Umweltschützer sein. Also: Was kann ich tun, damit Glyphosat verschwindet? Sprich mit Imkern, motiviere sie, sich für Bio-Produkte und gegen Pestizide einzusetzen. Imker könnten eine Macht sein.

    • Imker sind Umweltschützer! Was soll denn dein „müssten eigentlich sein“ eigentlich heißen. Wir 100.000 Hobbyimker in ganz Deutschland und unsere Essgewohnheiten sind doch sicher nicht das Problem. Keinem blutet das Herz mehr als den Imkern, deren Völker vergiftet werden. Und was den Einsatz gegen Glyphosat betrifft, da sind es die Imker, die das als erste zu spüren bekommen. Es waren Imker, die als erstes Alarm gerufen haben. Und es ist auch nicht nur Glyphosat, was uns und unseren Bienen schadet. Es ist die Mehrzahl der 80 Millionen Verbraucher, die für alles und jedes Geld ausgeben, nur nicht bereit sind den Erzeugern einen fairen Preis zugestehen. Imker sind absolut die falsche Adresse wenn man nach Schuldigen für belasteten Honig sucht.

    • Marzellus Boos, ich denke, da hast Du das Post Deines Vorschreibers etwas falsch verstanden.
      Niemand hat gesagt, daß die Imker „schuld“ sind.

      Er hat nur dazu aufgerufen, Imker mit guten Argumenten dazu zu bewegen, daß sie auf Bio umstellen.

      Je mehr Bio-Anbau, desto weniger Pestizide gelangen auf die Felder und dafür ist auch Bio-Imkern ein klares Statement.

      Klar haben die Imker Alarm geschlagen und sind z.B. auch überdurchschnittlich aktiv in der Aktion Gentechnikfreie Region in unserer Gegend.

      Aber nach meinem Eindruck ist der Widerstand gegen Gentechnik und Pestizide bei den konventionellen Imkern weniger gut organisiert (von Seitens der Verbände), als bei den Bio-Imkern, die mit den Bio-Verbänden.

      Ich kaufe jedenfalls meinen Honig sehr gerne beim Bio-Imker im Nachbarort.

      Das Problem mit dem Preis verstehe ich gut, das geht ja durchgängig durch die ganze Lebensmittel-Branche. Auch da hilft nur organisierter Widerstand.
      Es wäre nicht nur Sache des Verbrauchers, die besseren Produkte mit gutem Preis zu unterstützen, sondern auch Sache der Politik, durch strengere Auflagen dafür zu sorgen, daß es keine Preisfrage bleibt, ob ein Produkt sauber sein kann oder nicht.

Kommentar schreiben

0/2500

* Pflichtfelder

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.