Ist Wasser sparen Unsinn?

Ist Wasser sparen Unsinn?
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Wassersparende Duschköpfe, Öko-Waschmaschinen, Toiletten mit Sparspültaste: Wir alle bemühen uns, Wasser zu sparen. Doch bringt das der Umwelt wirklich etwas?

Wassermangel ist ein globales und ständig aktuelles Thema und die Klimaerwärmung wird die Situation in den nächsten Jahrzehnten wohl zusätzlich verschärfen. Weltweit ist daher Wasser sparen angesagt! Wir Deutschen verhalten uns dabei schon jetzt vorbildlich: In den letzten 25 Jahren konnten wir unseren täglichen Wasserverbrauch von 144 auf 121 Liter pro Kopf reduzieren.

Man könnte meinen, wir sind auf dem richtigen Weg. Doch bringt es wasserarmen Regionen tatsächlich etwas, wenn wir hier in Deutschland weiterhin unseren Wasserkonsum reduzieren? Gäbe es vielleicht andere, wirksamere Wege aus der weltweit kritischen Wassersituation?

Wassernutzung ist „Gebrauch“, kein „Verbrauch“

Viele unserer Produkte werden hergestellt, verbraucht und dann zu Abfall. Beim Wasser ist das anders: Es wird lediglich für einen gewissen Zeitraum aus dem Wasserkreislauf „ausgeborgt“.

„Man nutzt das Wasser, gibt es über die Toilette, die Kanalisation und das Klärwerk zu uns und von dort aus geht es als gereinigtes Wasser in das nächste Gewässer. Es versickert dann, wird zu Grundwasser und letztlich wieder Trinkwasser“, sagt Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben. „Im Prinzip ist der Mensch also Teil des Wasserkreislaufs.“

Entscheidend ist vor allem, was ins Abwasser gelangt

Natürlich kostet es Energie, Grundwasser zu entnehmen, es zu Trinkwasser aufzubereiten und an die Haushalte weiterzuleiten. Weitaus mehr Energie verbraucht es jedoch, das Wasser nach der Nutzung wieder zu reinigen. „Nachhaltig zu handeln bedeutet daher in diesem Fall nicht Wasser zu sparen, sondern sorgsam damit umzugehen“, so Hackenesch-Rump.

Im Klartext: Wie viel Wasser aus der Leitung kommt, ist weniger wichtig, als darauf zu achten, was wir über Abfluss, Gulli oder Toilette in den Wasserkreislauf einbringen. So ist es für die Umwelt beispielsweise besser, nach jedem Toilettengang ausgiebig zu spülen und dafür die Toilette nur selten mit einem Putzmittel zu säubern, anstatt Wasser zu sparen und dafür die Toilette häufiger mit Chemie zu reinigen.

Was nicht im Abfluss landen darf, erfährst du hier:

Dünger und Pflanzenschutzmittel belasten unser Grundwasser erheblich

Doch nicht nur über die Abflüsse wird unser Grundwasser verschmutzt. Ein Problem sind auch Dünger und Pflanzenschutzmittel, die in Landwirtschaft und Privatgärten eingesetzt werden, wie zum Beispiel das weit verbreitete Roundup. Sie sickern in die Erde und gelangen so in unsere Gewässer. Insbesondere in landwirtschaftsreichen Gebieten, wie in Niedersachsen oder Bayern, überschreitet der Nitratgehalt im Grundwasser regelmäßig vorgeschriebene Grenzwerte. Nitrat wiederum ist ein Bestandteil von Düngemitteln.

Um qualitativ hochwertiges Trinkwasser zu erhalten, wird das Grundwasser daher in energieintensiven Anlagen wiederaufbereitet. In der ökologischen Landwirtschaft dürfen synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel nicht oder nur im geringen Ausmaß eingesetzt werden. Wer Bio-Lebensmittel kauft, sorgt also indirekt dafür, dass nicht so viele Schadstoffe ins Grundwasser gelangen.

Wir haben genug Wasser – Ist Wasser sparen trotzdem sinnvoll?

Deutschland ist ein wasserreiches Land: nur in vier Prozent unserer Grundwasserspeicher wird weniger Wasser gebildet, als wir daraus entnehmen. In den Übrigen bleibt der Pegel gleich oder es wird sogar mehr Grundwasser gebildet, als wir brauchen.

„Aus der Nachhaltigkeit heraus ist es per se immer gut, wenn man Ressourcen spart“, so Roland Gramling, Sprecher für Wasser und Landwirtschaft beim WWF Deutschland. Nicht zuletzt verbraucht schließlich auch die Wasserförderung und -verteilung auf die Haushalte Energie.

In Deutschland haben wir jedoch ein ganz anderes Problem: „In den 1960er Jahren wurde die Wasserinfrastruktur für eine viel größer antizipierte Bevölkerung gebaut – nämlich rund 120 Millionen, die wir aber nie geworden sind und voraussichtlich auch nicht werden“, erklärt uns Gramling. „Die Kanäle sind daher viel zu groß dimensioniert. Außerdem ist der Wasserverbrauch aufgrund neuer Techniken zusätzlich gesunken. Die großen Rohre werden deshalb oft nicht richtig durchgespült. Dies führt dazu, dass sich dort Bakterien ansammeln oder die Leitungen schnell verstopfen, wenn Müll in die Abflüsse gelangt.“

Aus diesen Gründen müssen die Wasserversorger die Leitungen zusätzlich durchfluten, was hohe Kosten verursacht. Diese Problematik betrifft aber in erster Linie die Wasserbetriebe und nicht direkt uns Verbraucher.

Für uns gilt: Wir sollten Wasser nicht verschwenden oder gar aus Rücksicht auf die Rohrleitungen mehr als nötig verbrauchen. Die Wasserbetriebe können ihre Probleme zielgerichteter und daher auch energie- und wassersparender behandeln. Ein akribisches Wassersparen der Umwelt zuliebe ist aber auch nicht nötig – mit einer wichtigen Ausnahme.

Hier macht Sparen wirklich Sinn: Warmwasser

„Je weniger Wasser für Duschen und Baden erhitzt werden muss, desto weniger Energie wird verbraucht“, sagt Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA). „Das entlastet das Klima und die Haushaltskasse.“

Laut Umweltbundesamt ergeben sich für die gesamte Wasserversorgung einer Privatperson zwischen 360 und 985 kWh pro Person und Jahr. Davon entfallen nur knapp 30 kWh auf die allgemeine Trinkwasserbereitstellung und rund 30 – 55 kWh auf die Abwasserentsorgung in den Klärwerken. Den Rest, also in etwa 300 – 900 kWh, verschlingt die Warmwasserversorgung.

Heißwasser verbraucht also in etwa 10 Mal mehr Energie als die bloße Wasserbereitstellung und -entsorgung. Den größten Umweltschutzeffekt können wir daher durch das Sparen von Warmwasser erreichen.

Der Wasserfußabdruck – so viel Wasser brauchen wir tatsächlich

121 Liter pro Kopf und Tag – im europäischen Vergleich liegen wir Deutschen beim direkten Wasserverbrauch im unteren Mittelfeld. Spanier, Kroaten oder Rumänen beispielsweise verbrauchen im Durchschnitt täglich rund doppelt so viel Wasser pro Kopf.

Ein viel größerer Wasserverbrauch steckt aber in den Produkten, die wir konsumieren. Also dort, wo wir nicht unbedingt damit rechnen“, so WWF-Sprecher Roland Gramling. „Dieser indirekte oder auch virtuelle Wasserverbrauch ist extrem hoch und liegt bei rund 5.100 Liter Wasser täglich.“ (Eine neuere Studie geht von rund 4200 Litern pro Kopf und Tag aus.) Anders formuliert: In Wahrheit verbrauchen wir nicht 121 Liter täglich, sondern mehr als 40 Mal so viel.

Der Grund ist, dass viele unserer Produkte nicht in Deutschland angebaut oder hergestellt werden. „Und andere Länder dieser Welt sind eben nicht so wasserreich wie Deutschland. Wir sind also indirekt dafür verantwortlich, wenn an anderen Orten der Welt Wasserknappheit herrscht“, erklärt Gramling.

Als Verbraucher sind unsere Handlungsmöglichkeiten begrenzt, weil der Produktionsprozess für ein gezieltes Handeln meist viel zu undurchsichtig ist. „Hier stehen in erster Linie die Unternehmen in der Pflicht, sich um die Probleme vor Ort zu kümmern“, so Gramling.

Ein bisschen was können wir als Konsument aber trotzdem tun: Indem wir regional und saisonal einkaufen, können wir sicher sein, dass nur hiesiges Wasser benutzt wurde. Wer Bio kauft, sorgt indirekt dafür, dass die Gewässer nicht so stark verschmutzt werden. Und nicht zuletzt sollten wir Waren wie Fleisch und Baumwolle, für deren Produktion sehr viel Wasser verbraucht wird, nur in Maßen kaufen.

Unsere Empfehlungen:

Wenn du wirklich etwas Gutes für die Umwelt und unser Wasser tun willst, solltest du diese drei Tipps beherzigen:

1. Reduziere deinen Warmwasserverbrauch. Dusche kurz und nicht zu heiß. Lasse beim Zähneputzen nicht unnötig warmes Wasser laufen. Erwärme dein Wasser im Wasserkocher statt auf dem Herd. Achte beim Waschen darauf, dass Spül- und Waschmaschinen immer voll beladen sind und wasche deine Wäsche nur im Ausnahmefall bei mehr als 30 °C beziehungsweise verwende das Eco-Programm der Spülmaschine.

2. Mache keine Müllkippe aus deiner Toilette. Diese 10 Dinge haben nichts im Abfluss verloren. Überlege dir, wann und wie du persönlich Schadstoffe in den Wasserkreislauf einbringst und versuche, diese zu verringern.

3. Schränke deinen indirekten Wasserverbrauch ein. Berechne deinen persönlichen Wasserfußabdruck und kaufe seltener Produkte, für deren Herstellung extrem viel Wasser verbraucht wird. Wähle zudem regionale und biologische Produkte. Hier findest du weitere Tipps zum Sparen von virtuellem Wasser.

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(20) Kommentare

  1. Der persönliche Wasserverbrauch kann vor allem durch eine rein pflanzliche Ernährung drastisch gesenkt werden. Die Produktion von tierischen Produkten verbraucht ein vielfaches von der häuslichen Nutzung und produziert einen hoch toxischen Abfluss. Was nützt es wenn ich kurz Dusche und 3-4 Liter spare und danach ein Steak esse, dass ca. 3000-4000 Liter Wasser allein in der Produktion benötigt. Wassersparen fängt bei der Ernährung an.

  2. Michèle Sidler, www.aquaclic.ch

    Vielen Dank für diesen fundierten Bericht! Zwar haben wir in der Schweiz kein Entvölkerungsproblem. Aber als Hersteller wassersparender Strahlregler und Duschköpfe werden wir dennoch ab und zu auf die Durchspülung der Rohre angesprochen.

    Daher gefällt mir der Eure Sichtweise, wonach die Wasserbetriebe allfällige Durchspülungen sehr viel effizienter – und v.a. ohne warmem Wasser – machen können als die Haushalte.

    Übrigens, gemäss dem Schweizer Wasserverband (SVGW) enthält Heisswasser – alles zusammengezählt – 150 x mehr Energie als kaltes Wasser! Infos dazu und was die alten Römer mit unserer Wasserverschwendung zu tun haben, haben wir hier zusammengetragen, http://aquaclic.info/warum_wasser_sparen

  3. niemand wird mich davon abhalten – auch nicht dieser artikel – gnadenlos wasser zu sparen.
    die grundaussage: warmwasser zu sparen schliesst ja duschköpfe, strahlregler, waschmaschienen, geschirrspüler etc. mit ein. wenn ich also meinen geschirrspüler mit 6 liter spülen lasse, spare ich sowohl kalt als auch warmwasser… wo sollte ich denn wasser „verschwenden“?

    obendrein kommt, dass es auch ökonomisch von vorteil ist wasser zu sparen und zeitgleich natürlcih auch die abwasserkosten 😉

    und: es ist auch eine grundhaltung: SPAREN!

    seit jahren versuchen uns die wasserwerke für ihre überdimensionierten abwasserrohre verantwortlich zu machen, schade dass utopia sich da veralbern lässt!

  4. Ich halte das Wäsche waschen bei einigen Teilen mit ca. 60° für hygienisch sinnvoll. Z. B.benutze ich wiederverwendbare Slipeinlagen aus Stoff. Die möchte ich nur nach einer 60° Grad Wäsche wieder verwenden. Bei einigen meiner T-shirts habe ich festgestellt, dass sie, ncahdem sie nur bei 40° gewaschen wurden, schon kurz nach dem Tragen wieder nach Schweiß rochen. Habe ich sie jedoch bei 60° gewaschen, trat dieses Problem nicht auf. Daher ist es meines Erachtens sinnvoll, einige Kleidungs- oder Wäschestücke mit 60° zu waschen. Auch wenn dann durch das Erhitzen des Wassers in der Maschine mehr Strom verbraucht wird, spart man sich evtl. das Teil bereits nach einmal Tragen schon wieder zu waschen, was insgesamt auch wieder einen sinnvollen Effekt bedeutet. Es gibt übrigens auch Waschmaschinen, die einen eigenen Heißwasseranschluss haben und dann z.B. besonders sinnvoll sind, wenn man das Wasser durch Sonnenkollektoren erhitzt. Was aber, wenn man dann eine Photovoltaik auf dem Dach hat und den Strom zwar regenerativ erzeugt, das warme Wasser aber mit Erdgas erhitzt. Dann sollte doch besser die Waschmaschine mit dem Ökostrom das Wasser erhitzen, oder nicht ??? 🙂

  5. Die Aufbereitung von Wasser verbraucht eben auch Energie und insofern macht es eben doch Sinn, sparsam mit Wasser zu sein. Und solange ich nicht für einen Mehrverbrauch finanziell belohnt werde (was ich auch gar nicht will), versuche ich natürlich, meine Kosten im Griff zu halten und sparsam mit der Ressource Wasser umzugehen.

  6. der Film „Cowspiracy“ behandelt & beantwortet die Frage, wie am besten & meisten & einfachsten Wasser gespart & die Umwelt geschont werden kann, am umfassendsten & befriedigsten. finde ich. unbedingt ansehen! trotz des seltsamen Titels eine sachliche Doku

  7. Zu berücksichtigen ist vor allem das die Industrie mit Brauchwasser das aus dem Grundwasser gezogen wird Dunkelziffern schreibt, die wohl in keinerlei Statistik auftauchen. So ist es nötig für ein Liter Cola bis zu 250 L Wasser zu verbrauchen. Zu allem Übel befinden sich die meisten Herstellerfirmen in Wasserarmen Regionen der Erde. Es sind nicht nur die Baumwollplantagen sondern so gut wie fast alles was wir benutzen schließt in seinem Herstellungsverfahren großen Wasserverbrauch ein. Ich denke da eher an die Roheisengewinnung, Aluminiumherstellung oder großtechnische Erdölraffinerien.

    In unseren breiten ist es tatsächlich in der Trinkwassernutzung kaum mehr nötig auf Wassereinsparung zu achten. Klar das gibt niemanden einen Grund sein Wasserhahn 24 Stunden auf Anschlag laufen zu lassen. Jedoch wird im Frühjahr oder Herbst der Verbrauch an Wasser tatsächlich so sehr eingeschränkt, das viele Stadtwerke in Deutschland Ihre Kanalisationen gezwungener Maßen zur Reinigung selbst mit Wasser einspeisen müssen. Da finde ich es recht Sinnvoller als kleiner Bürger in Form eines Entspannungsbad meinen Teil beizutragen als jeden Abend energieschluckende Hochleistungspumpen laufen zu lassen.

  8. Wassersparen ist unbestreitbar sinnvoll. Wird aber von den Haushalten zu wenig Abwasser in die Kanalisation gespült, setzen sich die Kanalrohre zu und müssen regelmäßig mit Wasser druckgespült werden. Dem Wassersparen sind daher gewisse Grenzen gesetzt. Viel schlimmer als der Verbrauch von Wasser ist die Verunreinigung durch Chemikalien, Medikamente etc., die in der Kläranlage nicht abgebaut werden.

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