Kaufland schmeißt Unilever raus – und zwar endgültig

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Jetzt steht es fest: Kaufland verkauft keine Produkte mehr von Unilever. Die beiden Unternehmen konnten sich nach einem Streit um Preise nicht einigen. Der Unilever-Boykott ist bislang einzigartig.

Bereits im September hatte Kaufland 480 Artikel von Unilever aus dem Sortiment genommen. Mit dabei waren Produkte von Knorr, Lipton, Dove, Axe und anderen Unilever-Marken. Der Grund: Der Konzernriese hatte seine Lieferpreise drastisch erhöht, Kaufland war damit nicht einverstanden.

Im September ging es noch darum, Druck auf Unilever auszuüben und die Preise neu zu verhandeln. Das hat jedoch nicht geklappt. Kaufland zieht jetzt Konsequenzen: „Zum 31. Dezember beendet Kaufland die Jahrzehnte lange Geschäftsbeziehungen zu Unilever in Deutschland.“ Knorr, Mondamin, Pfanni, Bertolli, Lipton, Ben & Jerry’s, Dove, Rexona, Duschdas und viele weitere bekannte Marken wird es nun nicht mehr bei Kaufland geben. Nur ausgewählte Unilever-Eisprodukte etwa von Magnum und Cremissimo bleiben in den Märkten.

Kaufland: Wir brauchen keine Unilever-Produkte

Shampoo und Deo von Axe: Auch dieses Produkt gehört zu Unilever.
Shampoo und Deo von Axe: Auch diese Produkte gehört zu Unilever. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Der Schritt ist beachtlich: Unilever ist einer der weltgrößten Lebensmittelkonzerne. Wenn es bei Kaufland keine Knorr-Soßen, Dove-Pflegeprodukte oder Lipton-Eistee mehr gibt, könnte das theoretisch Kunden vergraulen. Kaufland geht jedoch nicht davon aus. Zum einen hätten die Kunden genügend Alternativen, etwa durch die vielen Eigenmarken. „Eine Analyse der Marktdaten hat zudem ergeben, dass Unilever-Produkte eine hohe Austauschbarkeit aufweisen und die Kunden sich bereits darauf eingestellt haben“, schreibt Kaufland in einem Statement.

Der Boykott geht über Deutschland hinaus: „Um der starken Position Unilevers als international agierender Konzern gegenüberzutreten, hat diese Entscheidung auch Auswirkungen auf Kaufland international. In Tschechien, der Slowakei, Kroatien, Polen, Rumänien und Bulgarien hat Kaufland mehrere Marken von Unilever nicht mehr im Sortiment.“

Kauflands Unilever-Boykott ist nicht der einzige in diesem Jahr

Es ist auffällig, wie oft Supermärkte in diesem Jahr große Marken boykottiert haben: Anfang des Jahres räumte Edeka zeitweise Nestlé-Produkte aus den Regalen. Aktuell listet Edeka fast 100 Artikel von Mars, Red Bull und Heineken aus. Aber Kaufland ist das erste Unternehmen, dass die Geschäftsbeziehungen – in diesem Fall mit Unilever – komplett beendet.

Der Grund für die Auslistungen war bislang jedes Mal die Preispolitik der Lebensmittelkonzerne. Dabei gäbe es noch viel gewichtigere Gründe, Unternehmen wie Nestlé, Unilever oder Mars zu boykottieren – etwa den fragwürdigen Umgang mit Palmöl oder Wasser, die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern oder den hohen Preisdruck auf Produzenten.

Trotzdem ist es erfreulich zu sehen, dass die Supermärkte prinzipiell auf große Marken verzichten könnten – trotz ihrer Marktmacht.

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(3) Kommentare

  1. Abwarten!
    Wenn die Kunden deswegen verärgert reagieren oder fern bleiben, werden die Produkte schneller wieder in den Kaufland-Regalen sein, als man denkt.

  2. Der schnöde Mammon schlagt eben jede Ideologie und sprengt alle guten Vorsätzte – das habe ich schon mehrfach gesagt.
    Aber ich wiederhole es auch gern noch mal …

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