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Lufthansa begrüßt in Zukunft nicht mehr „Damen und Herren“

Lufthansa-Flugzeug
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de – Mr_Worker

Die Lufthansa wird an Bord ihrer Flugzeuge nicht mehr die Begrüßung „Sehr geehrte Damen und Herren“ verwenden – und so die geschlechtliche Vielfalt ihrer Fluggäste anerkennen. Nicht allen gefällt das.

Anstatt mit der traditionellen Begrüßungsformel „Sehr geehrte Damen und Herren“ will die Lufthansa ihre Passagier:innen künftig mit geschlechtsneutralen Formulierungen an Bord willkommen heißen. Auch auf die englische Version „Ladies and Gentlemen“ wird verzichtet. Das gilt für alle Airlines des Konzerns, also auch für Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines.

Über die Pläne der Flugline hatte zuerst die Bild-Zeitung berichtet. Ein Sprecher der Lufthansa bestätigte uns die neue Regelung.

„Uns ist es wichtig, dass wir in unserer Ansprache alle berücksichtigen. Je nach Tageszeit gibt es da unterschiedliche Möglichkeiten, so zum Beispiel ‚Liebe Gäste‘ oder ‚Guten Morgen/Mittag/Abend‘ oder ‚Herzlich willkommen hier an Bord‘“, zitiert die Bild-Zeitung einen Sprecher des Konzerns. Welche Ansprache die passende sei, könnten die Kabinenchef:innen entscheiden.

Geschlechtsneutrale Ansprache eine „Gefahr für die Demokratie“?

Wenig überraschend hat die eigentlich harmlose Ankündigung der größten deutschen Fluggesellschaft im Internet für heftige Reaktionen gesorgt. Auf Twitter trendeten am Dienstagmittag der Hastag #Lufthansa und die Formulierung „Damen und Herren“.

Wie immer, wenn es auch nur im Entfernten um Gender-Themen geht, ereifern sich einige, die offenbar den Untergang der deutschen Sprache (wenn nicht gar des ganzen Abendlandes) wittern, andere drohen mit Boykott, einzelne Politiker:innen und Journalist:innen beschweren sich über Meinungsdiktatur. Ein baden-württembergischer AfD-Politiker wähnt in der geschlechtsneutralen Begrüßung der Lufthansa-Fluggäste eine Gefahr für die Demokratie. Und Bild-Chef Julian Reichelt fühlt sich an einen Orwell-Roman erinnert. Nun ja.

Die Reaktionen sind so vorhersehbar, dass auch die Lufthansa sie vor ihrer Ankündigung einkalkuliert haben dürfte. Da ist es eigentlich egal, ob sie sich so einfach mal wieder ins Gespräch bringen wollte (nach dem Motto „Es gibt keine schlechte PR“) oder ob es den Konzernverantwortlichen ernst ist mit der Gender-Sensibilität: Alle Geschlechtsidentitäten zu berücksichtigen und zu respektieren ist erstmal gut.

Und auch wenn man das gut findet, sollte man darüber nicht vergessen, dass das Kerngeschäft der Lufthansa deutlich weniger zukunftsfähig ist als ihre Kommunikation – und das Fliegen an sich in Zeiten der Klimakatastrophe nicht so wirklich cool ist. Vielleicht sollte die Airline ihre Fluggäste darauf in Zukunft auch noch hinweisen.

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