2,5 Milliarden Tonnen Lebensmittel landen jährlich direkt im Müll

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Benjamin Brunner

Laut einer neuen Studie des WWF ist das Ausmaß der weltweiten Lebensmittelverschwendung viel höher als gedacht. So landen 2,5 Milliarden Tonnen Nahrung im Müll. Das entspricht etwa 40 Prozent aller weltweit produzierten Lebensmittel.

Die Ergebnisse einer neuen Studie der Umweltorganisation WWF zeigt, dass die Lebensmittelverschwendung weitaus größer ist als bisher gedacht. In der gemeinsamen Untersuchung der WWF mit der britischen Supermarktkette Tesco, landen demnach jährlich rund 2,5 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll statt auf dem Esstisch der Verbraucher:innen. Rund die Hälfte, nämlich 1,2 Milliarden Tonnen der Verluste entstehen laut dem Bericht bereits vor, während oder nach der Ernte.

Die Gründe dafür, dass um die 40 Prozent der Lebensmittel nie auf dem Teller landen, sind verschieden. In den Entwicklungsländern, wo viele Lebensmittel hergestellt und angebaut werden, fehle beispielsweise die notwendige die Infrastruktur, um die Nahrungsmittel entsprechend zu lagern oder für den Transport kühl zu halten. In den Industrieländern sind es hingegen hohe Ansprüche an die Lebensmittel, die häufig dazu führen, dass Produkte, die man eigentlich noch verarbeiten und essen könnte, als nicht verkäuflich aussortiert und weggeworfen werden.

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Viele Lebensmittel werden bereits während und nach der Ernte weggeworfen. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash -Joshua Hoehne )

Die bisherigen offiziellen Zahlen zur Lebensmittelverschwendung sind dagegen weitaus niedriger als die aktuellen Zahlen des WWF. Laut eines Berichts der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO von 2011 landen jährlich schätzungsweise 1,2 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll, was nur die Hälfte dessen ist, was der WWF aktuell berechnet hat.

Ein weiteres Problem: Die Verluste von Lebensmitteln während, bei oder direkt nach der Ernte werden in vielen Ländern überhaupt nicht als Lebensmittelabfälle eingerechnet. So auch in der EU-Abfallrichtlinien, wonach sich die deutsche Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung richtet.

„Die Ergebnisse des Berichts zeigen, dass wir die gesamte Lebensmittelversorgungskette in die Pflicht nehmen müssen, damit bereits im ersten Glied der Nahrungskette weniger verloren geht“, so Tanja Dräger de Teran hinsichtlich des aktuellen Standes in der EU und in Deutschland.

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Weltweite Lebensmittelabfälle für 10 Prozent Treibhausgase verantwortlich

Für Anbau und Produktion von Lebensmitteln sind neben großen Landflächen auch hohe Mengen an Wasser und Energie nötig. Die neuen Daten der Studie weisen darauf hin, dass die Lebensmittelabfälle für rund zehn Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Bisher lagen die Schätzungen dazu bei acht Prozent.

Was die Studie auch zeigt, dass es (auch in Deutschland) kaum eine genaue Zahl zur Lebensmittelverschwendung gibt. Das liege, so die Untersuchung an der lückenhaften Datenlage. So fehle es an belastbaren Zahlen bezüglich des Umfangs von Lebensmitteln, die bei der Ernte verloren gehen, oder die als Tierfutter und als Masse in Anlagen von Biogasbetreibern landet.

„Wir brauchen nach der Bundestagswahl dringend bundesweit eine systematische, regelmäßige und vergleichbare Erfassung der Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette. Unser gemeinsamer Anspruch im Kampf gegen die Klimakrise und für den besseren Schutz von Boden und Gewässern muss sein, jede Ernte optimal zu nutzen“, so WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran.

Utopia meint: Vor allem die Politik und ein internationaler Blick auf die gesamte Produktionskette der Lebensmittel, vom Anbau über die Ernte bis hin zum Transport, sind unbedingt nötig, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen und zu verringern. Damit möglichst ressourcenschonend gearbeitet wird, sollten neben der Politik aber auch die Hersteller dafür sorgen, dass die von Ihnen verarbeiteten Lebensmittel genutzt werden; wenn schon nicht zum Verkauf, dann wenigstens anderweitig. Und auch wir Konsument:innen können dazu beitragen weniger Essen wegzuwerfen, indem wir eine gute Restverwertung einplanen und auch unperfekten Lebensmitteln eine Chance geben, auf unserem Teller statt in der Mülltonne zu landen.  

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