Affenpocken-Fälle in Europa steigen – Impfstoff ist knapp

Eine Krankenschwester führt im Krankenhaus Ramon y Cajal in Madrid einen PCR-Test zur Erkennung des Affenpockenvirus durch.
Foto: Carlos Luján/EUROPA PRESS/dpa

Die Zahlen der Affenpocken-Fälle in Deutschland und ganz Europa steigen weiter. Der Impfstoff reicht in mehreren Ländern jedoch nicht mehr aus. Das gilt auch für Deutschland.

Die Zahl der Affenpocken-Fälle in Europa steigt weiter, der Impfstoff reicht in mehreren Ländern jedoch nicht mehr aus. In Deutschland wurden erstmals mehr als 3000 Fälle gemeldet, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch mitteilte. Bei den insgesamt 3025 Erkrankten handele es sich überwiegend um Männer. Betroffen seien aber auch acht Frauen, zwei männliche Jugendliche und ein vierjähriges Mädchen.

Zugleich gibt es in einigen Ländern Europas und nach Angaben der Deutschen Aidshilfe (DAH) auch in Deutschland zu wenig Impfstoff. „Wir hören von immer mehr Praxen und Ambulanzen, dass der Impfstoff bald ausgeht oder sie schon nichts mehr haben – und wenn das noch nicht so ist, dann wird es bald so sein», sagte DAH-Sprecher Holger Wicht am Mittwoch. Der Impfstoff sei bislang viel zu knapp bemessen, das Interesse in der Community der bisexuellen und schwulen Männer aber sehr groß. Affenpocken werden durch engen Körperkontakt übertragen, nach RKI-Angaben bisher besonders bei sexuellen Aktivitäten zwischen Männern.

Bislang hat die Bundesregierung dem Gesundheitsministerium zufolge 240.000 Impfstoffdosen bestellt, von denen zunächst 40.000 ausgeliefert worden seien. Aus EU-Beständen kamen einige weitere dazu. 200.000 sollen bis Ende September folgen. Die Impfdosen werden nach bestimmten Kriterien auf die Bundesländer verteilt und dort vergeben.

„Gemessen an dem, was gebraucht wird, haben wir viel zu wenig“

„Generell hat Deutschland schon mehr Impfstoff als andere europäische Länder, was aufgrund der Infektionszahlen auch nötig ist, im Vergleich stehen wir recht gut da“, so Wicht. „Aber gemessen an dem, was gebraucht wird, haben wir viel zu wenig – auch wenn die 200 000 Dosen dann kommen.“ Vor etwa zwei Wochen hatte die Aidshilfe schon angemerkt, dass in Deutschland etwa eine Million Impfdosen benötigt würden, um einer halben Million Menschen einen dauerhaften Impfschutz zu bieten.

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Belgien vermeldete ebenfalls zum ersten Mal Affenpocken bei einer Frau, wie die Gesundheitsbehörde Sciensano am Mittwoch mitteilte. Dort wurden den jüngsten Daten zufolge 546 Affenpocken-Fälle bestätigt. In dem Land mit mehr als 11 Millionen Einwohnern fuhren Menschen zuletzt über die Grenze nach Lille in Frankreich, um eine Impfung zu bekommen, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Während in Belgien zuletzt nach Angaben des Gesundheitsministeriums nur etwa 3000 Impfdosen zur Verfügung standen, hat Frankreich laut Gesundheitsminister François Braun genügend Impfstoff, um die Zielgruppe von 250 000 Menschen zu impfen. Weitere 30.000 Dosen wurden in Belgien bestellt und sollen ab Oktober geliefert werden. Um den bestmöglichen Schutz zu erhalten, muss man zweimal geimpft werden.

Produktionskapazitäten für den Impfstoff hat Grenzen

EU-weit stehen über die neue EU-Behörde Hera für gesundheitliche Notfälle insgesamt 163.620 Impfdosen zur Verfügung, die teilweise bereits an die Mitgliedstaaten verteilt wurden. Ein Sprecher der EU-Kommission wies bereits am Dienstag darauf hin, dass die Produktionskapazitäten für den Impfstoff Grenzen hätten. Man führe derzeit Gespräche mit den betreffenden Unternehmen um zu klären, wie die Kapazität erhöht werden könne. Der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke sagte, das Thema müsse bei dem nächsten Treffen mit seinen EU-Kollegen besprochen werden.

Auch in Großbritannien wird der gegen Affenpocken eingesetzte Impfstoff knapp. Der Sender Sky News berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Insider-Quellen, das Land habe nur noch einige Tausend Dosen auf Vorrat. In einigen Regionen sei es bereits nicht mehr möglich, Impftermine zu buchen. Die Financial Times zitierte ein Regierungsschreiben, wonach neue Lieferungen nicht vor September erwartet werden.

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