Fleisch-Skandal bei Aldi und Lidl: Die Deutsche Umwelthilfe schlägt Alarm

Puten Massentierhaltung
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Capri23auto

Das Putenfleisch bei Aldi und Lidl testete die Deutsche Umwelthilfe auf antibiotikaresistente Keime: Mehr als jede vierte Probe ist belastet. Einige Keime sind sogar gegen Reserve-Antibiotika resistent.

Die deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bei einer Reihe von Testkäufen bei 31 Aldi-Filialen und bei 31 Lidl-Filialen in verschiedenen Regionen Deutschlands in Putenfleisch-Portionen antibiotikaresistente Keime gefunden. Das Ergebnis der DUH zu Putenfleisch der Haltungsform 2 (Stallhaltung Plus): jede Dritte von 31 Proben bei Lidl und jede Vierte von 31 Proben bei Aldi ist mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

Besonders gefährliche Erreger, die auch gegen wichtige Reserve-Antibiotika resistent sind, fand das Labor auch in jeder vierten Lidl-Putenfleischprobe (26 Prozent). Die DUH warnt vor gefährlichen Auswirkungen der Massenmedikation in industriellen Mastbetrieben, vor allem vor dem Einsatz von Reserve-Antibiotika.

Massentierhaltung ist ein Problem, auch für uns als Verbraucher:innen

Die DUH-Untersuchung überrascht nicht damit, dass die Massentierhaltung auf den Einsatz vieler Antibiotika zurückgreift. Oft werden diese verabreicht, um Krankheiten der Tiere im Mastbetrieb vorzubeugen. Dabei kommen inzwischen aber auch immer mehr Reserve-Antibiotika zum Einsatz, die im Fall einer Antibiotikaresistenz bei Patient:innen verwendet werden.

Bilden sich resistente Keime, zum Beispiel auf Putenfleisch, die von Menschen aufgenommen werden, so können Resistenzen gegenüber den oft lebensrettenden Reserve-Antibiotika auch unter Menschen auftreten.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident des Ständigen Ausschusses der Ärzte der Europäischen Union und Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes, meint dazu, dass die EU dadurch zwei große Chancen verpassen könnte. Erstens: „Menschenleben zu retten, durch das Verhindern weiterer Antibiotikaresistenzen“. Zweitens: „Das Tierwohl und die artgerechte Haltung von Nutztieren zu verbessern. Wir brauchen die Beschränkung der Reserve-Antibiotika auf den Einsatz beim Menschen, damit schwerstkranke Menschen eine Chance auf Heilung bekommen“.

Den Tieren sei mit der aktuellen Politik auch nicht gedient. „Antibiotika werden in der Tierhaltung eingesetzt, um Mängel auszugleichen in nicht-artgerechten Haltungsformen“, so Montgomery.

Katharina Schaufler von der Universität Greifswald führte die Labortest durch. Auch sie sieht, dass Antibiotika in Fleisch ein Problem ist: „Unsere Laborergebnisse belegen, dass die routinemäßige Massenmedikation nicht ohne Folgen bleibt. Putenfleisch mit Belastung von multiresistenten Krankheitserregern gefährdet die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern.“

Utopia meint: Massentierhaltung ist problematisch aus Sicht des Tierwohls, aber auch für Verbraucher:innen stellt Massentierhaltung eine mögliche Gefährdung der Gesundheit dar. Das ist keine neue Erkenntnis.

Deshalb brauchen wirAlternativen zu Massentierhaltung und eine Vermeidung von extensivem Einsatz vieler Antibiotika in der Tierhaltung. Das bedeutet auch artgerechte Haltungsformen und mehr Platz für die Tiere, wie es zum Beispiel in vielen Bio-Betrieben gehandhabt wird. Um die Umwelt, das Klima und die Tiere jedoch am besten zu schützen, ist eine pflanzliche Ernährung nach wie vor der beste Weg (wie Studien zeigen).

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