Arznei für Korallen – Können wir so die Riffe retten?

korallenriff korallenbleiche
Foto: CC0 / Pixabay / AliceKeyStudio

Etwa 50 Prozent aller Korallenriffe sind weltweit bereits abgestorben. Mit einer steigenden globalen Erwärmung könnte sich diese Zahl noch erhöhen. Eine Forscherin hat nun eine Methode gefunden, die Korallen vor dem Tod bewahren könnte.

Besonders das Great Barrier Reef ist bekannt für die große Korallenbleiche, die leider das einst farbenfrohe Riff abgelöst hat. Aber auch weitere Riffe sind bedroht. Grund dafür ist die Klimakrise und damit die Produktion von Treibhausgasen. Forscher:innen geben diesbezüglich ernüchternde Prognosen: Selbst wenn uns das 1,5-Grad-Ziel gelingt, würden 90 Prozent aller tropischen Korallenriffe trotzdem erheblichen Schaden nehmen.

Laut der Meeresbiologin Raquel Peixoto sind Korallenriffe jedoch die Basis der maritimen Ökosysteme. 34 Prozent aller anderen Meeresbewohner sind von ihnen abhängig. Durch die langfristig zu warmen Wassertemperaturen und die Übersäuerung der Meere bleichen die Korallen und sterben ab. Die Bleiche tritt ein, da die Algen, die eigentlich in ihnen leben und sie mit Nährstoffen versorgen, sterben oder die Korallen verlassen.

Peixoto hat nun eine Methode entwickelt, die dabei helfen könnte, die Korallenriffe dieser Welt zu erhalten. Dafür nutzt sie Probiotika.

So funktioniert die Korallen-Medizin

Probiotika nehmen wir selbst durch Nahrungsmittel zu uns: So finden sich die lebenden Mikroorganismen zum Beispiel in Joghurt, Sauerkraut, Kombucha und anderen fermentierten Produkten. Sie sind auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und kommen zum Beispiel bei Darmerkrankungen zum Einsatz.

Im Labor hat sich Raquel Peixoto genauer angeschaut, wie sich Probiotika auf Korallen auswirken. Dafür trug sie die Mikroorganismen auf Korallen auf und brachte sie dann mit Öl, hohen Temperaturen und Pathogenen, also Krankheitserregern, in Kontakt. Das Ergebnis: Mit den Probiotika steigerte sich die Überlebensrate um 40 Prozent.

Dies zeigt, dass Probiotika die Korallen offenbar widerstandsfähiger machen und ihnen dabei helfen können, sich schneller zu regenerieren. Laut Peixoto sei dies die erste Arznei für Korallen. Momentan testet sie, wie sich diese im Meer tatsächlich auf Korallenriffe auswirkt. Dafür strich sie letzten Herbst ein Korallendorf im Roten Meer mit der Probiotika-Mischung ein. So will sie herausfinden, auf welche Korallenarten die Medizin den größten Effekt hat.

Einen Teil der Riffe können wir noch retten!

Um die Korallenriffe zu retten, braucht es mehr als nur den Probiotika-Cocktail.
Um die Korallenriffe zu retten, braucht es mehr als nur den Probiotika-Cocktail. (Foto: CC0 / Pixabay / lpittman)

Doch Raquel Peixoto betont, dass ihre neu gefundene Korallenmedizin allein nicht ausreicht, um die Riffe zu retten. So müssen wir vor allem mehr daran setzen, die Klimakrise aufzuhalten. Nur so können sich die Wassertemperaturen wieder normalisieren. Auch örtliche Verschmutzungen müssen wir bekämpfen beziehungsweise diesen vorbeugen. Schließlich schädigen Öl und Meeresmüll die Gesundheit der Korallen. Als dritten Schritt sollten wir laut Peixoto beginnen die Riffe aktiv zu restaurieren. Dabei könnte der Probiotika-Cocktail eine wichtige Rolle spielen.

In Zukunft möchte die Meeresbiologin daran arbeiten, die Mischung an die jeweiligen Bedürfnisse der unterschiedlichen Korallenriffe und -arten anzupassen. Dafür arbeitet sie mit Forschenden auf der ganzen Welt zusammen.

Doch unter den aktuellen Bedingungen wird es uns nur gelingen, einen Teil der Korallenriffe zu retten. Etwa 70 bis 90 Prozent werden zukünftig laut Peixoto für immer verloren sein. Je nachdem, wie gut und konsequent wir in den kommenden Jahren Klimaschutz betreiben, haben die verbliebenen Riffe noch eine Chance.

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