Ausstoß an Treibhausgasen steigt 2021 in Deutschland um 47 Millionen Tonnen

Ausstoß an Treibhausgasen steigt 2021 in Deutschland um 47 Millionen Tonnen.
Foto: CCO Public Domain / Pixabay - catazul

2020 gab es einen Lichtblick für den Klimaschutz in Deutschland: Der Ausstoß an Treibhausgasen ging coronabedingt zurück. Doch einer Studie zufolge sieht es dieses Jahr anders aus.

Der Ausstoß an Treibhausgasen in Deutschland wird nach Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende in diesem Jahr deutlich steigen. Die Emissionen dürften gegenüber 2020 voraussichtlich um rund 47 Millionen Tonnen zulegen, heißt es in der Analyse, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das sei der größte Anstieg seit 1990. Deshalb werde der Rückgang der Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 lediglich 37 Prozent betragen.

Im Corona-Jahr 2020 lag der Ausstoß an Treibhausgasen mit rund 739 Millionen Tonnen 40,8 Prozent unter dem im Ausgangsjahr 1990. Deutschland hatte damit das Klimaziel eines Rückgangs um 40 Prozent erreicht – auch weil im Corona-Lockdown in Fabriken zeitweise nicht mehr produziert wurde und es weniger Reisen mit dem Auto oder dem Flugzeug gab. Gut ein Drittel der Minderungen waren nach Angaben des Umweltbundesamtes Folge der Pandemie. Die Behörde hatte deshalb einen Anstieg der Emissionen in diesem Jahr erwartet.

Inzwischen ist die Wirtschaft wieder angelaufen und auf den Straßen ist wieder mehr Verkehr. „Der vermeintliche Erfolg von 40 Prozent Emissionsminderung im letzten Jahr war kein wirksamer Klimaschutz, sondern eine Eintagsfliege, bedingt durch Corona und Sondereffekte“, betonte Agora-Direktor Patrick Graichen. Deutschland werde 2021 den höchsten Anstieg der Treibhausgasemissionen seit 1990 verzeichnen. „Das übertrifft selbst den Anstieg nach der Wirtschaftskrise 2009/2010.“

Wegen schlechtem Wetter: Wenig Strom aus erneuerbaren Energien

Zum aktuellen Anstieg trugen auch die bisher ungünstigen Witterungsbedingungen bei, die für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien relevant wären. In den ersten sieben Monaten ging die Erzeugung durch Windkraftanlage an Land um 20 Prozent zurück. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wetterbedingt 6,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Im Gegenzug laufen konventionelle Kraftwerke häufiger. Der Energiekonzern RWE hatte mitgeteilt, dass seine Stromproduktion aus Braunkohle im ersten Halbjahr fast 50 Prozent höher war als im Vorjahreszeitraum. Braunkohlekraftwerke stoßen besonders viel Kohlendioxid aus.

Deutschland muss die Treibhausgasemissionen reduzieren

Dabei hat Deutschland sich ein höheres Tempo beim Abbau der Treibhausgasemissionen vorgenommen. Im neuen Klimaschutzgesetz wurde das Ziel verankert, bis 2045 treibhausgasneutral zu werden – also nur noch so viele Treibhausgase auszustoßen, wie wieder gebunden werden können. Auf dem Weg dorthin sollen die Emissionen bis 2030 um 65 Prozent sinken, bis zum Jahr 2040 soll ein Rückgang um 88 Prozent erreicht sein.

Das Gesetz legt auch Jahresemissionsmengen in den einzelnen Wirtschaftssektoren wie Verkehr, Gebäude oder Industrie fest. Diese Ziele für 2021 werden laut Agora verfehlt.

Laut Antje von Broock, Geschäftsführerin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), lasse sich das nur noch durch ein Klimaschutzsofortprogramm korrigieren. Weiter sagt sie: „Ziel muss sein, den Ausbau der Erneuerbaren deutlich zu beschleunigen und den Kohleausstieg auf 2030 vorzuziehen. Ob das gelingen kann, wird bei der Bundestagswahl im September entschieden. Deutschland steht vor der Herkulesaufgabe, nach der Wahl beim Klimaschutz schnell und sozialverträglich umzusteuern“.

In der Schuld sieht von Broock die amtierende Regierung, denn ihr sei es nicht gelungen, „durch wirksame Maßnahmen diesen Trend zu verhindern. Stattdessen haben das Wirtschaftsministerium und die unionsgeführten Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen den Ausbau der Erneuerbaren Energien systematisch ausgebremst“.

Die Agora-Berechnung basiert auf Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Sie hatte für das erste Halbjahr 2021 einen Anstieg des Energieverbrauchs um 4,3 Prozent und um 6,3 Prozent höhere CO2-Emissionen ermittelt. Die Agora Experten verweisen darauf, dass ihre Schätzung aufgrund der Vielzahl an Einflussfaktoren mit Unsicherheiten verbunden sei.

Utopia meint: Etwa 25 Prozent der Treibhausgase werden in Deutschland durch die Industrie verursacht; 20 Prozent durch den Verkehr und etwa 10 Prozent jeweils aus privaten Haushalten und der Landwirtschaft. Es wäre wichtig, dass die Politik Maßnahmen voranbringt, die CO2-Emissionen verringern. Darauf haben wir keinen großen Einfluss.

Aber dein Handeln hat eine Auswirkung auf die Industrie, den Verkehr, die Landwirtschaft und deinen eigenen Haushalt. Zum Beispiel kannst du öfter das Fahrrad nehmen, oder zu Fuß gehen. Auch deine Ernährung kannst du verändern. Eine Studie zeigt, wie viel Treibhausgas Veganer:innen einsparen – hier haben wir 10 Tipps, um ein bisschen veganer zu werden.

Hier findest du noch Tipps und Erklärungen zum Klimawandel:

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