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„Eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit“ – Bundestag verschärft Antibiotika-Regelungen

Foto: CC0 Public Domain / unsplash - Mika Baumeister; Bernd von Jutrczenka/dpa

Durch ein neues Gesetz wird der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung eingeschränkt. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir erhofft sich dadurch, dass Krankheiten bei Tieren und Menschen wirkungsvoller behandelt werden können.

Um den Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren weiter zu reduzieren, hat der Bundestag am Donnerstagabend eine Reform des Tierarzneimittelgesetzes verabschiedet. Wenn der Bundesrat ebenfalls zustimmt, müssen Tierärzt:innen demnach ab dem kommenden Jahr die Anwendung von Antibiotika bei sämtlichen Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten melden – auch bei Tiergruppen wie Milchkühen und Legehennen, die bislang davon ausgenommen waren. Vorgeschrieben wird darüber hinaus, dass bestimmte Wirkstoffe so selten wie möglich zum Einsatz kommen dürfen. Auch die Eingriffsmöglichkeiten der Überwachungsbehörden werden ausgeweitet.

„Eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit“

Allein in Europa sterben jedes Jahr Zehntausende Menschen an der Folge von Antibiotika-Resistenzen. Das bedeutet, dass krankmachende Bakterien nicht mehr durch ein Antibiotikum vernichtet werden können. Der übermäßige Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht gilt als eine der Hauptursachen für die Entstehung und Verbreitung von resistenten Erregern.

„Damit wir auch in Zukunft Krankheiten bei Mensch und Tier wirkungsvoll behandeln können, müssen wir den Einsatz von Antibiotika dauerhaft senken“, erklärte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). „Antibiotikaresistenzen sind eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit.“ Die Opposition kritisierte das Gesetz hingegen als zu weitgehend und sprach von Überregulierung. „Unsere Landwirte und Tierärzte ächzen jetzt schon unter überbordender Bürokratie“, beklagte der CDU-Abgeordnete Dieter Stier.

Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr durch Antibiotika-Resistenzen

In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) jedes Jahr etwa 50.000 Menschen an antibiotikaresistenten Erregern. „Davon sind circa zwei Drittel im Krankenhaus erworbene Erkrankungen“, sagte Tim Eckmanns, Leiter der Surveillance von Antibiotikaresistenz beim RKI, am Donnerstag. Etwa 2.500 vom RKI erfasste Todesfälle gebe es jedes Jahr durch multiresistente Erreger. Das sind solche, die gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent sind.

Im Europäischen Wirtschaftsraum sterben nach Schätzungen der EU-Gesundheitsbehörde ECDC jährlich mehr als 35.000 Menschen aufgrund von Antibiotikaresistenzen. Die gesundheitlichen Folgen seien vergleichbar mit denen von Grippe, Tuberkulose und HIV/Aids zusammen, teilte die in Stockholm ansässige Behörde in einem Bericht mit. Zwischen den Staaten gibt es demnach teils deutliche Unterschiede, generell betrachtet liegen die gemeldeten Resistenzwerte im Norden des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) am niedrigsten und in Ländern im Süden und Osten am höchsten.

Die geschätzte Zahl der Sterbefälle bezieht sich auf die Jahre 2016 bis 2020, sie zeigt eine Zunahme verglichen mit früheren Schätzungen. „Wir sehen besorgniserregende Anstiege bei der Zahl der Todesfälle, die auf Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien zurückzuführen sind“, erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon im Vorfeld des European Antibiotic Awareness Day am Freitag. Es müsse mehr dafür getan werden, dass Antibiotika nicht unnötig zum Einsatz kommen.

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