Extremwetter: Junge Generationen sind künftig besonders stark betroffen

Extremwetter Regen USA
Foto: Craig Ruttle/AP/dpa

Kinder, die 2021 geboren wurden, werden wesentlich mehr Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbrände erleben als deren Großeltern. Diese Prognose geben Wissenschaftler:innen einen Tag nach der Bundestagswahl ab – mit dem klaren Appell für bessere globale Klimapolitik.

Ein heute geborenes Kind wird in seinem Leben aufgrund des Klimawandels im Schnitt viel mehr Extremwetter erleben als sie ein 1960 geborener Erdenbürger durchmachen muss: In seine Lebenszeit werden laut einer Prognose doppelt so viele Waldbrände, drei Mal so viele Überschwemmungen und Ernteausfälle, sieben Mal so viele Hitzewellen fallen – in einem Szenario, in dem die Länder ihre derzeitigen Strategien zur Reduzierung von Treibhausgasen beibehalten. Das geht aus einer Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams hervor, die am Montag in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde. Das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen könne einen großen Unterschied machen.

Erderwärmung ist entscheidend dafür, wie extrem der Anstieg wird

Die Wissenschaftler:innen legten vorhandene Daten zu globalen Temperaturverläufen und Projektionen für Extremwetterereignisse mit Bevölkerungsdaten und Lebenserwartungszahlen übereinander. Dabei betrachteten sie unterschiedliche Szenarien, was die Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur angeht.

Ein Beispiel: Eine 1960 geborene Person erlebt der Rechnung zufolge im Schnitt etwa zwei bis sechs Hitzewellen. In die Lebenszeit eines 2020 geborenes Kindes fallen dagegen durchschnittlich 10 bis 26 Hitzewellen, wenn der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt wird. 15 bis 29 Hitzewellen sind es bei einem Anstieg von 2,0 Grad – und 21 bis 39 Hitzewellen, wenn die derzeitigen Klimastrategien der Regierungen beibehalten werden.

Einen Anstieg gibt es demnach auch bei anderen Extremwetterereignissen, zum Beispiel Waldbränden. Menschen, die heute jünger als 40 Jahre sind, würden „ein bisher nie dagewesenes Leben“ führen, was Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen und Ernteausfälle angehe, sagte Hauptautor Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel. Die Ergebnisse zeigten eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der jungen Generationen und legten drastische Emissionsreduzierungen nahe.

„Bisher nie dagewesenes Leben“ – vor allem im Nahen Osten und Nordafrika

Besonders stark wird der Anstieg von Extremwetter-Ereignissen demnach für derzeit junge Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika. Grundsätzlich werden junge Generationen in Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen laut der Prognose stärker betroffen sein als in reicheren Ländern. Zwischen 2016 und 2020 im Afrika südlich der Sahara geborene Kinder werden fünfeinhalb bis sechs Mal mehr Extremwetter erleben.

Flut in Indonesien
Besonders in Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen werden Extremwetter-Ereignisse und die Folgen daraus zunehmen, zum Beispiel Überschwemmungen. (Foto: Septianjar/Xinhua/dpa)

Aber auch Europa wird es demnach treffen: Hier werden für heutige Kleinkinder etwa vier Mal mehr Extremwetter-Ereignisse prognostiziert. Die Zahlen auf Deutschland herunterzubrechen ist laut den Studienautoren schwierig. Belastbar seien die Durchschnittswerte, wenn man sie auf kontinentaler Ebene oder für sehr große Länder betrachte.

„Die gute Nachricht ist: Wir können tatsächlich einen Großteil der Klimabelastung von den Schultern unserer Kinder nehmen, wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen“, sagte Mitautorin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Global könne das für die junge Generation 24 Prozent weniger Extremwetterereignisse bedeuten als wenn die Staaten bei ihren derzeitigen Zusagen zur Emissionsreduzierung bleiben. Für Europa wäre es ein Minus von 28 Prozent.

Utopia meint: Es gibt Handlungsbedarf auf internationaler und politischer Ebene, wenn die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad eingedämmt werden und die Zunahme der Extremwetter-Ereignisse minimiert werden soll. Doch auch im Kleinen kann jede:r einen Teil dazu beitragen, die Erwärmung zu begrenzen, zum Beispiel indem du Ökostrom nutzt oder deinen CO2-Ausstoß durch weniger Flugreisen minimierst und stattdessen auf Fernbus & Co. umsteigst.

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