„Regentänze bringen mehr“: FDP-Politiker für Vorschlag gegen Hitze verspottet

Eine Nilgans sitzt auf einer Sandbank im Rhein. Dahinter passiert ein Frachtschiff Bendorf am Rhein. In der anhaltenden Trockenheit des Hochsommers fällt der Wasserspiegel des Mittelrheins immer weiter.
Foto: Thomas Frey/dpa

Extreme Temperaturen plagen nicht nur die Menschen, auch die Natur leidet. Im Rhein etwa ist der Wasserstand gesunken. Für den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler ein Grund, den Fluss vertiefen zu lassen. Doch sein Vorschlag stößt auf Spott.

Die Hitze hat Deutschland fest im Griff: Laut dem Deutschen Wetterdienst wurden mancherorts mehr als 40 Grad gemessen, etwa in Hamburg und Baden-Württemberg. Vom Deutschland-Rekord ist das zwar noch etwas entfernt – am 25. Juli 2019 waren in Nordrhein-Westfalen 41,2 Grad ermittelt worden – jedoch ist es in einigen Regionen insgesamt viel zu trocken. Trotz Regen, der nach der Hitze folgte.

Im Rhein, einer der wichtigsten Transportwege für Güter, sank durch die extremen Temperaturen der Wasserstand. Das behindert die Schifffahrt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Güter wie Getreide, Kohle, Benzin und Heizöl werden über den Rhein bewegt. Flaches Wasser führe zu Zuschlägen auf die Frachtraten und damit zu höheren Kosten für die Frachteigentümer, schreibt der Spiegel.

Für den FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler ein Grund, Alarm zu schlagen. Auf Twitter postete er den Bericht des Spiegels über den sinkenden Rheinpegel, dazu verfasste er die Forderung: „Die Rheinvertiefung muss kommen“. Dahinter setzte er den Hashtag „Binnenschifffahrt“.

Twitter-Nutzer:innen verhöhnen Schäfflers Vorschlag

Twitter-Nutzer:innen reagierten prompt und erklärten Schäffler – mal mehr und mal weniger sachlich – dass sein Vorschlag das Problem nicht beheben wird.

So schreibt ein Nutzer: „Ein gutes Beispiel für die Wichtigkeit eines praxisnahen Faches Sachunterricht in der Grundschule. Es fließt nicht mehr Wasser in einem Fluss, wenn man den Fluss tiefer ausbaggert“. Ein anderer Twitter-User scheint Schäfflers Logik ebenfalls bestechend zu finden. „Klar. Wenn man tiefer gräbt mit gleich viel Wasser, ist hinterher mehr drin. Drum hab ich ja auch mehr Geld, wenn ich ein größeres Portemonnaie habe“, entgegnet er.

An anderer Stelle wird dem FDP-Politiker vorgehalten, dass seine Partei sich mehr um den Klimawandel kümmern solle. „Wie tief Richtung Erdinneres wollen sie vertiefen, anstatt zu versuchen, die Erderwärmung schnell, ernsthaft und grundsätzlich zu bekämpfen“, heißt es in einem weiteren Tweet.

Auch der Grünen-Politiker Till Steffen kommentierte Schäfflers Forderung. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion der Grünen twitterte trocken: „Regentänze würden mehr bringen.“

Rheinvertiefung hätte laut Biologe erhebliche Auswirkungen

Auf die Auswirkungen einer Rheinvertiefung hat der Biologe Andreas Scharbert 2020 im Gespräch mit der Welt erklärt: „Schon eine Vertiefung um 20 oder 30 Zentimeter kann bedeuten, dass viele Nebengewässer und Auen noch seltener mit dem Rhein in Verbindung stehen, als es wegen der häufigeren Niedrigwasserphasen ohnehin schon der Fall ist“. Nebenarme und andere Seitengewässer würden durch die Vertiefung absinken. Jungfische etwa könnten dann nicht mehr aus anderen Gewässern in den Fluss zurück – der natürliche Kreislauf wäre dann noch stärker gestört.

Ein Problem sei dem Experten zufolge auch, dass eine Vertiefung des Rheins die Grundwasserspiegel im Umland weiter sinken lassen würde.

Aktuell läuft die Schifffahrt trotz niedrigem Pegel weiter, „aber mit teilweise stark reduzierter Ladung“, wird ein Sprecher des Wasserschifffahrtsamtes WSA von Reuters zitiert. Dies gelte besonders für die kritische Engstelle Kaub bei Koblenz, wo der Wasserstand extrem niedrig sei.

Mit Material der dpa

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