Hoher Energieverbrauch wegen „Foodporn“? Wissing reagiert auf seine Kritiker:innen

Volker Wissing (FDP) hält ein befristetes Tempolimit auf Autobahnen für wenig sinnvoll.
© Bernd von Jutrczenka/dpa

Das Internet wird immer wichtiger im Alltag, der Stromverbrauch für digitale Anwendungen ist hoch. Deshalb ruft der Bundesminister für Digitales und Verkehr, Volker Wissing (FDP), zum Energiesparen auf. Seine kuriose Ausführung stößt auf Kritik.

Um den ökologischen Fußabdruck in der Digitalisierung zu verkleinern, wollen die G7-Staaten künftig stärker auf Aspekte der Nachhaltigkeit achten. „Wir dürfen nicht den Fehler wiederholen, den wir bei der Industrialisierung begangen haben, dass man die Nachhaltigkeit hinten angestellt hat“, sagte der Bundesminister für Digitales und Verkehr, Volker Wissing (FDP), zum Abschluss eines Treffens von G7-Ministern am Mittwoch in Düsseldorf. Stattdessen müssten Themen wie das Recyceln von Hardware, der Schutz von Rohstoffen oder die Senkung des Energieverbrauchs betrachtet werden.

„Beispielsweise neigen wir dazu, dass wir unser Essen fotografieren“, sagte der FDP-Politiker. „Und wenn man sich die Zahl der Fotos von Essen anschaut weltweit, kommt man auf einen enormen Energieverbrauch.“ Man müsse sich die Frage stellen, ob das wirklich notwendig sei. Insgesamt solle das Thema der Energieknappheit stärker ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden. Aber auch bei technologischen Geräten solle künftig mehr auf den Stromverbrauch geachtet werden.

Für seine Kritik am sogenannten „Foodporn“, also dem Abfotografieren von in Szene gesetzten Speisen, erntete Wissing Spott. Einerseits, weil er sich selbst mit einem Teller Waffeln für Instagram hatte abbilden lassen.

Andererseits, weil sich die FDP unter seiner Ressortführung des Bundesverkehrsministeriums gegen ein Tempolimit auf Autobahnen stemmt – einer Maßnahme, die nachweislich Sprit, also fossile Energieträger, sparen und der Umwelt zugute kommen würde. Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfte, kommentierte auf Twitter: „Ist ja großartig, dass Autominister Wissing auf einmal praktische Tipps zum Klimaschutz gibt. Vielleicht sollte er mit Tempolimit SUV Wahnsinn und den völlig irrsinnigen Kaufprämien für die Autoindustrie anfangen?!“

Journalist Mario Sixtus hält Wissing vor, dass insbesondere der Verkehrssektor – also Wissings Ressort – die derzeitigen Klimaziele verfehle. Sixtus verweist auf eine Grafik des Handelsblatt. Sie bildet eine Statistik des Bundesministeriums für Wirtschaft und Umweltschutz ab und verdeutlicht die Klimalücke im Vergleich zu anderen Sektoren in Deutschland.

Bundesminister Wissing reagierte auf die Kritik. Auf Twitter schrieb der FDP-Politiker: „Verbraucht das Internet Strom? Natürlich. Sollen wir es trotzdem nutzen? Selbstverständlich. Jeder soll das Netz frei nutzen können, auch für Fotos von Essen, und die Politik sollte dafür sorgen, dass dies klimaneutral möglich ist.“

„Wir müssen an den Klimawandel denken“

Zur „Gruppe der 7“ gehören neben der Bundesrepublik die anderen großen demokratischen Industriestaaten USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Deutschland hat derzeit den Vorsitz der Gruppe, daher ist Bundesminister Wissing der Gastgeber der Veranstaltung im Rheinland. Japan wird 2023 den Vorsitz übernehmen.

„Wir müssen an den Klimawandel denken“, bekräftigte Japans Digitalministerin Karen Makishima. „Das müssen wir global denken, das kann kein einziges Land alleine lösen.“ Jedes Land könne seine beste Technologie, die es habe, zur Verfügung stellen, um eine grüne Zukunft zu sichern.

Wissing und Makishima stellten außerdem eine G7-Abschlusserklärung vor, in der die sieben Staaten auch in Sachen Internet den Schulterschluss mit der Ukraine üben. In dem Dokument werden Russlands „böswillige Cyberaktivitäten, Informationsmanipulation, Einmischung und Online-Desinformationskampagnen“ verurteilt. Gemeinsam wolle man dagegen vorgehen, heißt es von den G7.

„Vor allen Dingen, weil der Krieg eben nicht nur auf dem Boden der Ukraine stattfindet, sondern auch im Internet“, sagte Wissing. Daher wollen die G7-Staaten der Ukraine, die von Russland noch immer angegriffen wird, mit Hardware unter die Arme greifen, um die dortige Cybersicherheit zu erhöhen. Was genau für Technik geschickt wird, ist noch unklar. Der ukrainische Amtskollege Mykhailo Fedorow, der bei dem Treffen online zugeschaltet war, habe angekündigt, eine Liste zu schicken mit dem Bedarf an Hardware. Wann diese Liste kommen wird und wann dann Technik in die Ukraine geschickt wird, ist noch unklar.

Mit Material der dpa

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