Freibäder, Restaurants, Biergärten: Warum diesen Sommer Schließungen drohen

Freibäder, Restaurants und Biergärten: Droht uns ein Sommer der Schließungen?
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Beeki

Bei hohen Temperaturen strömen die Menschen gerne in Freibäder und Biergärten. Doch statt die Saison nach zwei schwierigen Pandemiejahren voll auszuschöpfen, stecken die Branchen in der Krise. Einige Betriebe müssen sogar schließen.

Es ist Sommer, die Menschen möchten ins Freibad und die lauen Abende im Biergarten oder Restaurant genießen. Doch in Deutschland herrscht momentan ein massiver Personalmangel, der uns einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

Personalnot im Freibad: Bademeister:innen arbeiten teils 70 bis 80 Stunden die Woche

In Bayern und Hessen gibt es nicht genug Bademeister:innen, um in allen Freibädern die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten. In Teilen Bayerns wurden bereits einzelne Bäder für dieses Jahr geschlossen. Der Personalmangel sei sehr groß, sagt Ralf Großmann, Landesvorsitzender für Bayern im Bundesverband Deutscher Schwimmmeister laut Deutscher Presse-Agentur. Er wisse von Bademeister:innen, die teilweise 70 bis 80 Stunden die Woche arbeiten, damit ihre Bäder offen bleiben könnten. „Die haben keine Freizeit mehr, die haben kein Familienleben, nichts mehr.“

Doch wo sind all die Bademeister:innen hin? „Durch Corona hat man die Bäder ja nicht aufmachen dürfen und die Leute haben sich natürlich was anderes gesucht“, sagt Großmann. Wegen der Bezahlung sowie der Arbeitszeiten am Wochenende und in den Ferien sei der Beruf aber schon in den Jahren zuvor für viele unattraktiv geworden. Dieses Jahr sei die Situation noch schlimmer als letzten Sommer, erklärt auch Boris Zielinski, Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe, gegenüber der hessenschau. „Wir haben einen Aufruf gestartet, aber es bewerben sich schlicht keine Leute“, so Zielinski.

Gastronomie: Arbeitskräfte aus Osteuropa?

Eine ähnliche Situation findet man in der Gastronomie: Es fehlt an Servicekräften und Küchenbelegschaft. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sei die Situation für Gastronom:innen „brutal“, da sie kein Personal mehr finden. Die verbliebenen Mitarbeiter:innen seien „extrem belastet“ und man müsse aufpassen, dass diese nicht auch noch die Branche verließen.

Wenn nicht gegengesteuert werde, „verlieren wir mehr Betriebe als zur Corona-Zeit. Und das ist wirklich dramatisch“, betont Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Im Freistaat gebe es laut Verband Betriebe, die bei den warmen Temperaturen nicht außen bedienen könnten, weil Servicekräfte fehlten. Und auch ganze Veranstaltungen werden wegen fehlender Köch:innen abgesagt.

Im Nachbarbundesland kommt es zu ähnlichen Situationen, wie der SWR berichtete. Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg zufolge habe die Abwanderung in der Pandemie eine sehr große Lücke in die Personaldecke gerissen, die nicht so einfach zu schließen sei.

Inselkammer von Dehoga appelliert an die Politik: Die Lösung könnte sein, für Mitarbeiter:innen aus Drittländern bürokratische Hürden abzubauen. Laut ihr gebe es Menschen aus Osteuropa, die hier in der Gastronomie arbeiten wollten, aber aus Verfahrensgründen nicht nach Bayern kommen dürften. Sie sei dazu bereits im Gespräch mit der Agentur für Arbeit, der IHK und der Politik.

Flüge gestrichen – wegen fehlendem Bodenpersonal

Ein coronabedingter Personalmangel herrscht auch an Deutschlands Flughäfen. Allein die Lufthansa will im Juli 900 Flüge von München und Frankfurt streichen. Verdi zufolge sind besonders die großen Flughäfen wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin vom Personalmangel in allen Dienstleistungsbereichen am Boden wie Sicherheitskontrolle oder Check-in betroffen.

Anmerkung: Weniger Flüge schonen die Umwelt und sind begrüßenswert. Doch leider basiert die Streichung der Flüge momentan nicht auf einem Nachhaltigkeitsgedanken, sondern auf einem Personalmangel.

Personalmangel in Sozialberufen

Unabhängig von Corona gibt es Branchen, in denen eine stete Unterbesetzung herrscht. Vor allem soziale Berufe sind davon betroffen. Die Folge: Hier arbeitende Menschen sind über die Maßen belastet. Jüngst prangerten Ärzteverbände dramatische Versorgungsengpässe und Missstände in deutschen Kinderkliniken an. Auch hier sei der Personalmangel dafür verantwortlich, dass viele Krankenhausbetten nicht belegt werden könnten, sagte der Präsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Der Mangel habe schlimme Folgen, warnte er. „In vielen deutschen Kinderkliniken können auf den Kinderintensivstationen im Schnitt ein Drittel der Betten wegen Personalmangels nicht genutzt werden. In manchen Kliniken ist sogar die Hälfte nicht mehr belegbar. Wenn es Infektionswellen gibt, wie sie im Herbst in der Regel vorkommen, haben wir keine Chance, alle Kinder zu versorgen.“

Der Lehrermangel in Deutschland führt dazu, dass neun von zehn Lehrer:innen sich stark oder sehr stark belastet fühlen. Die meisten dehnen ihre Arbeit auf die Wochenenden, viele auch auf die Nachtstunden aus und sehen dennoch klaffende Lücken im Lern- und Lehrplan. Das zeigen Daten einer repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag der Robert Bosch Stiftung (Stuttgart), die kürzlich veröffentlicht wurde. Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht in den Ergebnissen der Umfrage ein „Alarmsignal“ für die Politik und Gesellschaft.

Utopia meint: Noch bleibt abzuwarten, welche Betriebe diesen Sommer betroffen sein werden und wie viele tatsächlich schließen müssen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass es Branchen gibt, die dauerhaft unterbesetzt sind. Medizinisches Personal und Pflegekräfte arbeiten schon lange am Rande der Belastungsgrenze. Seit Jahren klagen sie über Personalmangel, extremen Stress und schlechte Bezahlung. Es liegt an Politik und Gesellschaft, dass sich die Zustände in diesem Sektor ändern.

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur

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