„Ich habe gedacht, die sind verrückt”: Harald Lesch zur Energie-Debatte bei „hart aber fair“

Harald Lesch zu Gast bei hart aber fair.
Screenshot: Das Erste / hart aber fair

Stromanbieter kündigen Verträge, Strompreise werden immer höher – Frank Plasberg diskutiert bei „hart aber fair“ über Energiepreise und die Nachhaltigkeit von Atomkraftwerken. Laut Harald Lesch sollten wir unseren Umgang mit Energie ändern.

Der Stromanbieter „Stromio“ hat rund 100.000 Kund:innen kurzfristig gekündigt, weil er sich beim Einkauf der Energie verspekuliert hatte. Gleichzeitig steigen die Preise von Strom und Gas. Bei „hart aber fair“ diskutierte am Montagabend Frank Plasberg mit den Anwesenden über die steigenden Preise. Mit dabei war unter anderem Physiker und Fernsehmoderator Harald Lesch.

Ein Problem sei unser Umgang mit Energie

Für Lesch sei ein „Riesenproblem“, wie in der Vergangenheit mit dem Strommarkt umgegangen wurde. Wir würden nun vor dem Problem stehen, dass manche Geschäftsmodelle nicht richtig funktionieren. „Wir hätten von vornherein dafür sorgen müssen, dass Energie eine Sache ist, mit der man nicht so leicht spekulieren kann.“

Doch die Verantwortung sieht Lesch nicht nur bei Stromlieferanten, sondern auch bei Konsument:innen, weil wir alle „ganz falsch gelebt und organisiert waren. (…) Wir haben einfach nicht verstanden, wie teuer elektrische Energie tatsächlich ist – wir haben es zu einer reinen Ware gemacht, die einen Preis hat, aber keinen Wert“. Um die Klimaziele gemäß dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen, müsse Deutschland seinen Energieverbrauch halbieren, so Lesch.

Zehn Stunden pro 100 Watt in einer Stunde braucht es für 100 Kilowatt. So viel Strom wie jede:r Deutsche durchschnittlich am Tag verbraucht.
100 Wattstunden in einer Stunde auf dem Heimtrainer erzeugen? Um eine Kilowattstunde zu erzeugen, müsste man zehn Stunden lang strampeln. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - lewisgoodphotos)

Um den Wert von Strom zu verstehen, schlägt der Physiker vor, man solle in einer Stunde 100 Wattstunden im Fitnessstudio auf dem Ergometer erzeugen und sich dann vorstellen, das für zehn Stunden zu tun. Dann habe man eine Kilowattstunde zum Preis von 30 bis 34 Cent erzeugt. In Deutschland verbraucht laut Lesch jede:r Deutsche im Durchschnitt 100-120 Kilowattstunden am Tag.

Politik könnte bedürftige Haushalte unterstützen

Was den Strompreis in Zukunft angeht, werde die Energiewende laut Lesch Geld kosten. „Sind die Brötchen billiger geworden, ist das Brot billiger geworden? Ist überhaupt irgendwas billiger geworden? Warum soll die Energie immer billiger werden?“, fragt er. Ihm ist dennoch klar, dass es Menschen gibt, die finanzielle Unterstützung bei Strom und Gas dringend brauchen.

„Es ist ja nicht so, als ob die Politik nicht über Möglichkeiten verfügen würde, Geldmittel zur Verfügung zu stellen“, um bedürftige Haushalte unterstützen zu können, so Lesch. Dazu schlägt er vor, umweltschädliche Subventionen abzuschaffen. Beispielsweise könne das Geld aus dem Wegfall des Dienstwagenprivilegs oder einer angemessenen Besteuerung von Kerosin stammen. Das Bundesamt in Dessau habe bereits vor zehn Jahren eine Liste umweltschädlicher Subventionen zusammengestellt. Damit könnten soziale Lasten abgefedert werden, so Lesch.

Wolfram Weimer: „Wir sind mit Blick um die Welt die Teuersten beim Strompreis“.
Wolfram Weimer: „Wir sind mit Blick um die Welt die Teuersten beim Strompreis“. (Screenshot: Das Erste / hart aber fair)

Zwei Millionen Haushalte sind es laut Publizist und Verleger Wolfram Weimer, „die ihre Wohnung nicht richtig heizen können und frieren, weil die Energiepreise zu hoch sind“. Diese Preise lösten eine „grüne Inflation aus“, die vielen Leuten weh tue. Daher hält er eine Senkung der Energiesteuer für den richtigen Weg. Er kritisiert: „Wir sind mit Blick um die Welt die Teuersten beim Strompreis“, und das habe natürlich mit der Politik zu tun.

Atomkraftwerke nicht nachhaltig

In Bezug auf die Energiepreise wirft Frank Plasberg noch die Atomkraftwerke in die Runde. Nachdem drei Kraftwerke an Silvester abgeschaltet wurden, seien noch drei Kernkraftwerke in Deutschland in Betrieb. Die EU-Kommission möchte laut Plasberg darauf setzen, Atomstrom als nachhaltig und klimaneutral zu bewerten. „Ich habe gedacht, die sind verrückt”, sagt Lesch. Man müsse schon einen sehr schrägen Nachhaltigkeitsbegriff haben, wenn man zukünftigen Generationen ein solches Erbe auflaste.

Die Sendung kannst du in der „Das Erste“-Mediathek nachschauen.

Utopia rät: Damit Deutschland die Klimaziele erreicht, braucht es unter anderem einen Umstieg weg von fossilen Energiequellen hin zu erneuerbaren Energien. Hier findest du vier Anbieter ohne Kohlestrom, mit denen du nichts falsch machen kannst.

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