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Ökologisch? „Idiotenhügel“ in Österreich sorgt für Empörung

Kitzbühel, Schnee, Resterhöher, Weißes Band
© Anton Vorauer/WWF

Skifahren trotz schönstem Herbstwetter? Das geht mit Schnee vom vergangenen Jahr. Angeblich soll dieser sogar ökologisch sein.

Der Winter lässt auch dieses Jahr wieder auf sich warten: In den Bergen ist Anfang November vielerorts noch kein Schnee zu sehen, sehr zur Enttäuschung von Wintersportfans und Skipistenbetreiber:innen. Letztere helfen deshalb selber nach, wie eine Aufnahme aus den Kitzbüheler Alpen zeigt. Darauf zu sehen: eine herbstliche Berglandschaft mit Bäumen und See, die von einem einzigen Schneestreifen durchzogen wird.

Die Aufnahme, von der verschiedene Versionen kursieren, sorgt im Netz für Aufruhr. Sogar die österreichische Skifahrerin Nicola Werdenigg hat sich kritisch zu Wort gemeldet. „Alle Jahre wieder ist den Skigebietsbetreibern nicht bewusst, welche Signale sie in Bezug auf die #Klimakatastrophe aussenden“, schreibt sie unter die Aufnahme.  

In Kitzbühel hat am 30. Oktober offiziell die erste Bergbahn eröffnet – laut Medienberichten soll die dazugehörige Skipiste zur Eröffnung gut besucht gewesen sein. Auf den Hängen lag auch damals natürlich eigentlich noch kein Schnee, deshalb haben die Betreiber:innen nachgeholfen und die 700 Meter lange Piste vor der Eröffnung mit Depotschnee aus dem letzten Jahr präpariert.

„Das weiße Band“: Der Respekt vor der Natur geht verloren

Kitzbühel, Schnee, Resterhöher, Weißes Band
Das „Weiße Band“. (© Anton Vorauer/WWF)

Unter dem Post von Nicola Werdenigg sammeln sich bereits wütende Kommentare. „Eine Sauerei sondergleichen!“, schimpft ein Nutzer zum Beispiel. Unter ähnlichen Bildern wird die Piste unter anderem als „Idiotenhügel“ bezeichnet. Diese Art Reaktionen ernten die Betreiber:innen nicht zum ersten Mal: Als in den vergangenen Jahren Bahnen wie die „Resterhöhe“ mit Schnee vom Vorjahr aufgeschüttet wurden, hagelte es ganz ähnliche Kommentare – 2019 wurde der Skibetrieb übrigens schon Mitte Oktober aufgenommen.

„Wenn du dort mit der kurzen Hose stehst, neben dir Wanderer vorbeigehen und du dieses aufgehäufte weiße Elend siehst, das zu einem Pistenschlauch zusammengekratzt wurde, dann ist die Piefkesaga in die Realität umgesetzt“, kommentierte damals Tourismussprecher Georg Kaltschmid. Die Piefke-Sage ist ein vierteiliger Satirefilm, der das Verhältnis von deutschen und österreichischen Touristen behandelt.

Umweltschützer:innen kritisieren das „Weiße Band“ auf der Resterhöhe schon seit Jahren. Der Respekt vor der Natur gehe immer weiter verloren, schreibt beispielsweise WWF Österreich. „Diese Art des Skitourismus ist keinesfalls ökologisch vertretbar.“

Schnee aus dem letzten Jahr

Kitzbühel, Schnee, Resterhöher, Weißes Band
Pistenraupen präparieren den Schnee. (© Anton Vorauer/WWF)

Die Piste bei Temperaturen von weit über null Grad Celsius zu präparieren, ist extrem energieaufwändig. Die Betreiber:innen nutzen nach eigenen Angaben alten Schnee aus dem vergangenen Jahr und verteidigten ihr Unterfangen vor kurzem gegenüber dem ORF sogar als „ökologisch“.

Für den sogenannten „Depotschnee“ oder „Altschnee“ wird am letzten Tag einer Skisaison verbleibender Schnee auf einen Haufen zusammengetragen und zu einem Schneedepot gebracht. Dort wird der Schnee zusammengepresst und in Hartschaumplatten, Silofolie und Vlies gepackt. Er wird dann bis zur nächsten Saison aufbewahrt. Mitte Oktober verteilen Pistenraupen den Schnee auf der Piste. Ein enormer Aufwand – nur damit die Skitouristen ein paar Wochen früher loslegen können.

Die Betreiber:innen der Skipisten können die Kritik nicht nachvollziehen. „Es geht darum, dass wir eine Wintersportfreude für unsere Kinder machen und für unsere Gäste“, sagte 2019 Bergbahn-Vorstand Josef Burger. Wintersportfreude kann man aber auch in Monaten haben, in denen tatsächlich echter Schnee liegt.

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