Omikron: Warum wir uns jetzt anders selbst testen sollten

Omikron: Müssen wir jetzt anders selbst-testen?
Foto: Utopia

Derzeit diskutieren Wissenschaftler:innen, ob es ausreicht, eine Omikron-Infektion mittels Nasenabstrich-Test zu entdecken. Ob wir uns jetzt anders selbst-testen müssen, ergründen wir im nachfolgenden Artikel.

Selbst- und Schnelltests sind in der Corona-Pandemie unverzichtbar geworden. Insbesondere jetzt, da die Omikron-Welle an Fahrt aufnimmt, leisten die Schnelltests einen wichtigen Beitrag, um infektiöse Personen sowie Verdachtsfälle zu erkennen. Bisher gibt es allerdings viele ungeklärte Fragen in Bezug auf die Schnelltests: Wie zuverlässig erfassen sie die neue Variante? Und: Macht es einen Unterschied, ob man den Selbsttest wie gewohnt als Nasenabstrich oder im Mund-Rachen-Raum durchführt?

Expert:innen bescheinigen Schnelltests weiterhin hohe Zuverlässigkeit

Fachleute bescheinigen den Tests weiterhin eine hohe Zuverlässigkeit – auch bei Omikron.
Fachleute bescheinigen den Tests weiterhin eine hohe Zuverlässigkeit – auch bei Omikron.
(Foto: CC0 / Pixabay / webandi)

Wie der Virologe Christian Drosten in seinem bekannten NDR-Podcast mitteilt, bescheinigen Fachleute den Schnelltests weiterhin eine hohe Zuverlässigkeit. Diese würden gemeinhin auch bei der neuen Virusvariante anschlagen, da die Schnelltests nicht nach dem Spikeprotein, sondern nach dem N-Protein suchen, das bei der Omikron-Variante nach wie vor lediglich in abgewandelter Form vorhanden ist. Folglich können, wie der Virologe und Experte für Virusevolution, Björn Meyer, erklärt, „die Tests es erkennen, selbst wenn das N-Protein bei Omikron ein wenig anders aussieht“.

Erste Studien liegen ebenfalls vor und bescheinigen den Schnelltests nach wie vor korrekte Ergebnisse. So ergab eine Untersuchung mit 700 Teilnehmer:innen, dass einer der bekanntesten Schnelltests in den USA die neue Virusvariante nach wie vor sicher identifizieren kann. Auch das Paul-Ehrlich-Institut überprüfte in eigenen Untersuchungen die Wirksamkeit der Schnelltests und gelangte, basierend auf der aktuellen Datenlage, zu dem Ergebnis, dass die meisten Schnelltests eine Infektion mit Omikron nachweisen könnten.

Expert:innen empfehlen Schnelltests bei Omikron weiterhin

Es gibt Hinweise darauf, dass die Omikron-Variante im Rachen eher nachweisbar ist.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Omikron-Variante im Rachen eher nachweisbar ist.
(Foto: CC0 / Pixabay / Tho-Ge)

Auf Twitter empfehlen einschlägige Expert:innen wie der Harvard-Epidemiologe Eric Feigl-Ding, den Abstrich aus dem Mund-Rachenraum zu gewinnen. Gleichzeitig fordert er Mediziner:innen und Behörden dazu auf, die bisher gängige Teststrategie anzupassen. Er stützt sich hierbei auch auf eine von der University of Cape Town (Kapstadt) veröffentlichte Studie: Diese zeige, dass Speichelproben wesentlich besser für die Diagnose einer Omikron-Infektion seien als Nasenabstriche. Die dafür notwendigen Proben wurden den nicht-hospitalisierungspflichtigen Patient:innen am Gaumen und oberhalb und unterhalb der Zunge entnommen. Gleichzeitig verweisen die Wissenschaftler:innen darauf, dass die Studie nur begrenzt aussagekräftig sei, um daraus zuverlässige Schlussfolgerungen für die Omikron-Variante zu gewinnen.

Weiterhin empfiehlt auch die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie ein neues Testverfahren. Sie begründet dies mit der Andersartigkeit der neuen Variante: Diese würde sich weniger in der Lunge, sondern eher in den oberen Atemwegen festsetzen, wodurch insgesamt leichtere Verläufe entstünden. Auch könne sich das Virus während der frühen Infektionsphase tendenziell eher am Rachen festsetzen, während die Alpha- und Delta-Variante bisher, wie vermutet wird, zu Beginn der Infektion eher im Nasenraum nachweisbar sind. Folglich könne ein Schnelltest, der im Rachen durchgeführt wird, die Infektion möglicherweise ein bis zwei Tage früher nachweisen.

Seit Omikron: Schnelltestabstrich in Nase und Rachenraum durchführen

Da es Sinn und Zweck ist, Infektionen rechtzeitig zu erkennen, sollte erwogen werden, die Teststrategie anzupassen. Idealerweise führen Verdachtsfälle den Test in einem „zweistufigen Verfahren“ durch: Erst im Rachenraum und anschließend in der Nase. Hierbei sollte man folgendermaßen vorgehen:

  1. Vor einem Spiegel solltest du den Mund so weit wie möglich öffnen und die Zunge leicht absenken, sodass der Gaumenbogen sichtbar wird. Hinten am Gaumenbogen sollte nun der Stäbchentupfer vorsichtig entlangstreichen, ohne mit den Zähnen in Berührung zu kommen.
  2. Anschließend lässt sich das Stäbchen vorsichtig flach in beide Nasenlöcher, parallel zum Gaumen, einführen und einige Male vorsichtig im Kreis drehen. Auf diese Weise wird die Innenseite der Nasenschleimhaut besser erreicht.

Der ideale Testzeitpunkt liegt in den Morgenstunden, möglichst vor dem Zähneputzen. So lassen sich etwaige fehlerhafte Testergebnisse, die durch den Verzehr von Nahrungsmitteln auftreten könnten, verhindern.

Für Geimpfte könnte es sinnvoll sein, sich mehrmals auf Omikron zu testen. Dies liege, wie Christian Drosten im NDR-Podcast betont, vor allem daran, dass Schnelltests bei Geimpften prinzipiell weniger sensitiv seien. Ursächlich dafür könnte die geringere Virenlast der Geimpften, aber auch die schnellere Immunabwehr sein. Expert:innen empfehlen deshalb regelmäßige Tests an mindestens zwei bis drei Tagen wöchentlich.

Welcher Test Omikron am besten erkennt, ist indes (noch) nicht bekannt. Schnelltestprodukte sind innerhalb Deutschlands eher wenig reguliert und werden bisher lediglich vom Hersteller selbst geprüft. Interessierte können sich allerdings an einer vom Bundesinstitut für Arzneimittel veröffentlichten Liste orientieren.

Resonanz aus den sozialen Medien

In einem persönlichen Erfahrungsbericht zu der Diskussion veröffentlichte beispielsweise eine Nutzerin mit dem Namen „Kaffee im Kopf“ einen Vergleich zwischen zwei durchgeführten Selbsttests. Während der Selbsttest auf Basis eines Nasenabstrichs negativ war, brachte ein anderer Schnelltest, der die Probe aus dem Mund-Rachen entnahm, ein positives Ergebnis zutage:

https://twitter.com/Kaffee_im_Kopf/status/1483152968178352132

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

** mit ** markierte oder orange unterstrichene Links zu Bezugsquellen sind teilweise Partner-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös. Mehr Infos.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: