Sexistische Werbung: Was wollen uns diese Tiere sagen?

Mit einer Werbekampagne gegen sexistische Werbung.
Foto: Utopia - Nora Braatz

Tiere gegen Sexismus – mit einer Werbekampagne im Münchener Stadtgebiet wollen zwei Studentinnen auf ein frauenfeindliches Bild in der Werbung aufmerksam machen.

Zebras ohne Streifen, Dalmatiner ohne Punkte und Giraffen ohne Muster in der Körpermitte schmücken zurzeit Werbeflächen in München. Wer zum Beispiel am Isartor den Altstadt-Ring überquert, läuft an der Werbung mit der Aufschrift: „Man muss nicht immer die Hüllen fallen lassen, um aufzufallen“ vorbei. Zwei Studentinnen wollen mit den Plakaten auf sexistische Werbung hinweisen.

Crossmedia-Kampagne gegen Sexismus

Entworfen wurden die Motive von Elena Faist, 22 ,und Anna Hubrich, 26. Die beiden studieren an der Hochschule Macromedia Medienmanagement im Bachelor. Der Studiengang kooperierte ein Semester lang mit dem Plakat-Unternehmen Ströer. Dabei sollten sich die Studierenden in die Rolle einer Kreativagentur begeben und eine crossmediale Social-Media-Kampagne entwickeln. Bei einem hochschulinternen Pitch kürte eine Fachjury aus zehn Motiven den Entwurf von Faist und Hubrich zum Siegesentwurf.

Die Kampagne umfasst Plakate an Litfaßsäulen und Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel. Begleitet wird sie in den sozialen Medien mit dem Hashtag #sexismisntsexy. Für eine Woche werden die Tiere an etwa 500 Flächen im Münchener Stadtgebiet zu sehen sein.

Auch hier an der Kreuzung Isartorplatz und Thomas-Wimmer-Ring hängt die Werbung an der Litfaßsäule.
Auch hier an der Kreuzung Isartorplatz und Thomas-Wimmer-Ring hängt die Werbung an der Litfaßsäule. (Foto: Utopia - Nora Braatz)

„Unsere Herausforderung war, das Thema Sexismus in der Werbung zu thematisieren, ohne selbst sexistische Motive zu nutzen. Die Kernbotschaft unseres Konzepts „Sexism isn’t sexy“ zeigt, dass man nicht die Hüllen fallen lassen muss, um aufzufallen“, äußerten sich Faist und Hubrich auf der Webseite der Hochschule.

Plakatkampagne direkte Reaktion auf Werbung von Datingshow

Schirmpatin des Projekts ist Münchens zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden. Die Werbung einer Datingshow auf Joyn zu Beginn ihrer Amtszeit machte sie wütend. „Was Altes? Was Junges? Was Neues!“ war einer der Sprüche, der zur Vermarktung diente. Habenschaden wandte sich an die Firma Ströer.

Sexistische Werbeplakate Joyn
Sexistische Werbeplakate von Joyn: „Was Altes? Was Junges? Was Neues!“ (Fotos: Katrin Habenschaden / Facebook (L), CC0 Public Domain / Unsplash – Abigail Keenan (R))

Lies dazu gerne hier weiter: Schluss mit „Milf“ und „Missy“: Nach Protesten zieht Joyn sexistische Werbekampagne zurück

Ströer bot Habenschaden damals das Kooperationsprojekt mit der Hochschule Macromedia an. Sie habe den Moment genutzt und das Thema gewählt. Denn die Maxime „Sex sells“ sei in der Werbebranche seit Jahrzehnten verankert, gleichzeitig gebe es viele junge Werber:innen, die das ändern wollen.

Utopia hat in der Vergangenheit mehrfach über Werbung berichtet, die mit frauenherabwürdigenden Motiven arbeiten: Zum Beispiel ein Betrieb für Garten- und Landschaftsbau, der mit einem riesigen Dekolleté und dem Slogan „Wir erfüllen Ihre Träume!“ wirbt. In folgendem Artikel haben wir sechs Werbungen zusammengetragen, die letztes Jahr vom Werberat gerügt wurden: Sexistische Werbung: Werberat rügt sechs Motive

Die Kosten für die Produktion der Plakate übernahm Ströer. Auch die Werbeflächen stellte das Unternehmen kostenlos zu Verfügung. Geplant war die Kampagne für den Sommer, doch Ströer verschob sie auf Januar.

Utopia meint: Es ist gut und wichtig, auf sexistische Werbung aufmerksam zu machen. Gleichzeitig sehen wir einen Kritikpunkt an der Plakatkampagne: Die Aussage „Man muss nicht immer die Hüllen fallen lassen, um aufzufallen“ könnte falsch verstanden werden. Denn trotz Hashtag wird im ersten Moment nicht eindeutig klar, dass die beiden Studentinnen mit ihrer Kampagne andere Werbungen kritisieren wollen.

Wer den Hintergrund nicht kennt, könnte also denken, der Satz richte sich an Frauen und ihn als Aufforderung verstehen, weniger freizügige Kleidung zu tragen. Dabei sollte jeder Mensch das tragen, was er oder sie tragen möchte.

Was niemand ertragen müssen sollte: sexistische Werbung. Es wäre schön, wenn die Plakatkampagne einen Beitrag dazu leistet, dass Werbeschaffende diese teils immer noch gängige Praxis hinterfragen.

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