So verändert die Inflation Deutschlands Fleischkonsum

Für wenige Kilo Fleisch müssen Tiere jahrelang mit pflanzlichen Kalorien versorgt werden.
Foto: Pixabay/ CC0/ alexas_fotos

Die Inflation wirkt sich auch auf den Fleischkonsum aus. Verbraucher:innen legen mehr Wert auf billige Preise statt auf Tierwohl. Doch Fleischersatzprodukte machen Hoffnung.

Aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise sparen Menschen in Deutschland bei Bio-Lebensmitteln, darunter auch bei Bio-Fleisch. Stattdessen sind billiges Fleisch und vegetarische beziehungsweise vegane Ersatzprodukte in der Nachfrage gestiegen.

Das Beratungsunternehmen Ebner Stolz veröffentlichte gemeinsam mit der dfv Mediengruppe das „Branchenecho Fleischwirtschaft“. Dafür wurden die 100 umsatzstärksten Unternehmen der Fleisch- und Wurstindustrie in Deutschland über die momentanen Herausforderungen befragt. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen sehen die Branche am Anfang oder inmitten eines Veränderungsprozesses. Das Verlangen nach Fleisch- und Wurstwaren sank bereits in den letzten Jahren. Das erleben auch die befragten Unternehmen. Außerdem erkennen sie, wie sich die Prioritäten der Menschen verändern.

  • 84 Prozent erwarten einen Rückgang um 10 Prozent beim Kauf von Fleisch und Wurst.
  • Als Grund für die sinkenden Konsum vermuten Befragte die Inflation. 79 Prozent erkennen eine steigende Nachfrage von preiswerten Fleisch- und Wurstprodukten.
  • Die Umfrage kommt zu der Erkenntnis, dass Regionalität den Konsument:innen sehr wichtig ist, weniger wichtig sind ihnen stattdessen die Tierhaltungsformen.

Klaus Martin Fischer des Beratungsunternehmens Ebner Stolz erklärte im Gespräch mit der Welt, Discounter würden mit ihren günstigen Angeboten zulegen, Vollsortimenter und Metzgereien dagegen verlieren. „Dort gab es zuletzt bereits enorm viele Abschriften auf hochpreisige Ware.“ Das bedeute, dass Geschäfte auf ihrer Ware sitzenbleiben und diese notfalls wegschmeißen müssen. Das könne zur Konsequenz haben, dass Mitarbeiter:innen in Kurzarbeit geschickt und Standorte geschlossen werden.

Veganer und vegetarischer Fleischersatz boomt

Zeitgleich nimmt die Nachfrage nach veganen und vegetarischen Alternativen zu. Das Statistische Bundesamt (Destatis) teilte letzte Woche mit, dass im Jahr 2021 die Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr 17 Prozent mehr Fleischersatzprodukte hergestellt haben – das sind insgesamt 97.900 Tonnen. Gegenüber 2019 waren es sogar 62,2 Prozent.

Im Vergleich zu Fleisch ist der Verkauf von Ersatzprodukten dennoch verhältnismäßig gering. Obwohl auch beim Fleischkonsum ein genereller Rückgang erkennbar ist: Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zufolge lag der Pro-Kopf-Verzehr in Deutschland im Jahr 2021 bei 55 Kilogramm. Im Jahr zuvor lag er noch bei 62,8 Kilogramm pro Person. Bei einer Bevölkerung von 83,24 Millionen Menschen in Deutschland macht das etwas Zwei Milliarden Kilogramm Fleisch pro Jahr.

Utopia meint: Steigende Lebensmittelpreise treffen finanziell schwächere Haushalte besonders stark – ein Grund, warum Billig-Fleisch in der Krisen-Zeit vermehrt auf Nachfrage stößt. Allerdings geht das auf Kosten des Tierwohls. Wer seinen Fleisch- und Wurstkonsum nicht gänzlich reduzieren will, hat auch die Möglichkeit, ihn soweit runterzuschrauben, dass man sich teureres Fleisch von Tieren aus besserer Haltung leisten kann. Wie das gelingen kann, hat Utopia hier zusammengefasst:

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