Umweltaktivistin geht containern und zeigt sich deswegen selbst an

Umweltaktivistin geht containern und zeigt sich deswegen selbst an
Foto: CC0 Public Domain – Pixabay/ Filmbetrachter - Pixabay / efes

Aktivistin Melanie Guttmann hat bei der Polizei Anzeige erstattet – gegen sich selbst. Denn laut Gesetz hat sie eine Straftat begangen, als sie Lebensmittel vor der Verschwendung rettete.

Umweltaktivistin Melanie Guttmann hat sich  am 8. Januar bei der Polizei selbst angezeigt, weil sie Essen aus einem Müllcontainer geholt hat. Wie sie der TAZ erklärt, wurde sie durch unseren Umgang mit Lebensmitteln dazu motiviert: „Es werden sehr viele Lebensmittel weggeworfen, die dringend benötigt werden.“ Die Selbstanzeige zeige auf, wie absurd es ist, dass das Retten von Lebensmitteln aus dem Müll illegal ist. „Es verursacht keinen Schaden. Das wollte ich durch das bewusste Brechen des Gesetzes und die Selbstanzeige aufzeigen.“

Im Interview mit der Tageszeitung erklärt Guttmann, sie habe nach der Anzeige per Brief Bescheid bekommen, dass sie wegen Diebstahls angezeigt ist. „In dem Brief steht auch, dass die Schadenshöhe 0 Euro beträgt. Trotzdem wurde das Verfahren eröffnet und ich wurde gebeten, mich dazu zu äußern.“ Die Aktivistin will sich dem Verfahren nun stellen und rechnet mit Sozialstunden oder einer Geldstrafe.  

Nicht die erste Selbstanzeige wegen Containern

„Es kommt anscheinend nicht häufig vor, dass sich Menschen selbst anzeigen, vor allem wegen so einer Sache“, erklärte Melanie Guttmann gegenüber der TAZ. Die Polizei habe verwundert und belustigt reagiert, als sie die Anzeige aufgegeben habe. Trotzdem ist Guttmann mit ihrer Aktion nicht die erste. Auch der Jesuitenpater Jörg Alt hat Ende letzten Jahres Anzeige gegen sich selbst erstattet, nachdem er Lebensmittel aus Mülleimern von Supermärkten gerettet hatte – auch er wollte Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung schaffen.

Guttmann ist Teil der Aktivist:innen-Gruppe „Letzte Generation“, welche auf andere Weise gegen Verbote für Containern protestiert, unter anderem indem sie gerettete Lebensmittel öffentlich verschenkt. Für diese Woche hat die Gruppe drastischere Maßnahmen angekündigt – es soll Autobahnblockaden geben.

Lebensmittelverschwendung ist ein enormes Problem in Deutschland

Sowohl Supermärkte als auch Verbraucher:innen tragen zur Lebensmittelverschwendung bei.
Sowohl Supermärkte als auch Verbraucher:innen tragen zur Lebensmittelverschwendung bei. (Foto: CC0 Public Domain – Unsplash/ jasmin sessier)

In Deutschland werden laut WWF jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das ist fast ein Drittel der Nahrungsmittel, die wir verbrauchen.

Foodwaste ist also ein immenses Problem. Gleichzeitig werden immer wieder Lebensmittelretter:innen angezeigt, wenn sie sich aus Containern bedienen, die zum Beispiel zu Supermärkten gehören. 2018 beispielsweise wurde ein Rentner zu einer Geldstrafe von 300 Euro auf Bewährung verurteilt, weil er Kaffee aus einer Supermarkt-Mülltonne geholt hatte. Zwei Studentinnen aus München erging es ähnlich – ihre Strafe fürs Containern: acht Stunden Sozialarbeit und 225 Euro Geldstrafe auf Bewährung. In beiden Fällen lautete der Vorwurf: „besonders schwerer Diebstahl“.

Denn offiziell gehört der Inhalt der Mülltonnen hinter Supermärkten immer noch den Supermärkten selbst – auch wenn sie diesen natürlich entsorgen wollen. Was ändern: In Frankreich müssen Supermärkte genießbare Lebensmittel spenden oder den Menschen umsonst zur Verfügung stellen, anstelle sie wegzuwerfen. Darauf weist auch Melanie Guttmann gegenüber der TAZ hin. „Das ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen.“ Ihre Gruppe „Letzte Generation“ fordere ein „Essen-retten-Gesetz“, das Supermärkte ebenfalls zum Spenden von Lebensmitteln verpflichtet. Den Gesetzesentwurf kannst du hier einsehen.

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