„Ist für die Leute unaushaltbar, wenn man das Grauen im Alltag noch nicht erlebt hat“

Der Psychologe Stephan Grünewald erklärt bei Markus Lanz, warum die Energiekrise besonders tückisch ist.
Foto: Screenshot Markus Lanz / ZDF

Inflation, Coronakrise und hohe Strompreise: Wie gehen Menschen mit den aktuellen Herausforderungen um? Der Psychologe Stephan Grünewald erklärt bei Markus Lanz, warum die Energiekrise besonders tückisch ist.

Die aktuelle Energieversorgungslage kommt vielen Menschen in Deutschland derzeit teuer zu stehen. Angesichts der steigenden Preise für Gas und Strom werden die Energierechnungen von Haushalten und Unternehmen in diesem Jahr deutlich höher ausfallen als bisher.

In der ZDF-Talkrunde bei Markus Lanz erklärt der Psychologe Stephan Grünewald vom Marktforschungsinstitut Rheingold, wie die Menschen mit derartigen Krisensituationen umgehen. Grünewald betont, dass die ungewissen Folgen der angespannten Energieversorgungslage die Bevölkerung in Nervosität versetze. Auf die Frage von Moderator Lanz, was „pessimistische“ Szenarien wie mögliche soziale Unruhen mit den Bürger:innen machen, antwortet der Psychologe: „Das für die Leute unaushaltbar, wenn man das Grauen im Alltag noch nicht konkret erlebt hat.“ In dem Moment, wo die Krise einen selbst treffe, „wenn der Schrecken da ist“, seien die Menschen „fast beruhigt“.

Psychologe Grünewald: Energiekrise nicht mit der Coronakrise vergleichbar

Dann sei Grünewald zufolge entscheidend, ob die Gesellschaft sich tatsächlich als Solidaritätsgemeinschaft zeigt, die von der Politik geformt werde. Zwar sei Deutschland eine „starke Nation“, allerdings sei die Energiekrise nicht etwa mit der Coronapandemie verglichbar. Der Grund laut dem Psychologen: „Wir haben zum ersten Mal eine Krise, die die Hälfte der Bevölkerung knüppelhart treffen wird. Corona war ein Gleichmacher, davon waren alle betroffen – alle mussten in den Lockdown und alle hatten Angst vor einer Ansteckung.“ Die Energiekrise jedoch berge das Potenzial viele Privathaushalte in den Ruin zu stürzen, während Besserverdienende weniger betroffen sind. Sprich: notfalls auf Rücklagen zurückgreifen können.

„Wir bemerken derzeit eine Zunahme der Selbstbezüglichkeit. Jeder versucht, irgendwie unbeschadet herauszukommen.“ Von einem „gemeinsamen Schicksal“, wie Grünewald die Coronakrise nennt, könne man angesichts der steigenden Gas- und Strompreise nicht sprechen, die Geringerverdienende überproportional hart treffe.

Aus diesem Grund, so Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die ebenfalls zu Gast war, müssten Krisengewinner „über die Maßen“ an der Entlastung der Krisenverlierer beteiligt werden. Giffey verweist auf Übergewinne.

Übergewinnsteuer und Strompreisbremse

Lange hatte die Ampel-Koalition um eine sogenannte Übergewinnsteuer, eine Abgabe auf Unternehmensgewinne infolge der Energiekrise, diskutiert. Nun soll sie kommen, wenn auch anders geartet. Von einem „Abschöpfen von Zufallsgewinnen“ bei Stromerzeugern ist die Rede. Demnach soll für Stromerzeuger, deren Produktionskosten sich nicht deutlich erhöht haben, eine Preisobergrenze für die Kilowattstunde festgelegt werden. Erlöse über dieser Grenze sollen abgeschöpft werden. Das Geld wiederum soll die Strompreisbremse finanzieren, die im dritten Entlastungspaket verankert ist.

Privathaushalte sollen dadurch die Strommenge für einen Basisverbrauch zu einem vergünstigten Preis erhalten. Für kleine und mittlere Unternehmen mit Versorgertarif soll dies auch gelten.

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