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Sara Nuru im Gespräch: „Wenn es ums Eingemachte geht, sitzt selten eine Frau am Tisch.“

Foto: Marcus Witte

Sich mit einem Social Business selbstständig zu machen, scheint auf den ersten Blick keine allzu große Sache zu sein. Wenn der Weg dorthin jedoch über das Modeln bis zu fairem Handel und Kaffeebohnen führt, wird es interessant. Darüber sprechen wir mit Unternehmerin Sara Nuru im Utopia-Podcast.

Was eine Tasse Kaffee mit Mode und fairem Handel zu tun hat, das verrät Unternehmerin, Model und Autorin Sara Nuru in dieser Folge des Utopia-Podcasts. Wir sprechen mit der Botschafterin für fairen Handel über ihren eigenen Weg zu ihrem Social Business, was die Beweggründe waren, sich selbstständig zu machen und zu engagieren und besprechen, wie sie dazu gekommen ist, Frauen in Äthiopien auf dem Weg in die eigene Selbstständigkeit zu unterstützen und zu fördern.

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Auszug aus dem Interview mit Sara Nuru:

Utopia-Podcast: Der Modeljob oder die Modebranche haben ja nicht viel mit Nachhaltigkeit zu tun. Wann bist du das erste Mal wirklich mit dem Thema Nachhaltigkeit in Berührung gekommen?

Sara Nuru: Ja, man hat das ja immer wie ein Schlagwort gehört und ich finde, dass es die letzten sechs, sieben, acht Jahre immer präsenter geworden ist. Ich konnte das aber lange nicht wirklich greifen. Für mich war das eher so etwas wie ein Buzzword.  Was es bedeutet und wie wichtig Nachhaltigkeit ist, das habe ich erst verstanden, als ich im Auftrag des Kaffees nach Äthiopien gereist bin und mit eigenen Augen gesehen habe, wie die Wertschöpfungskette wirklich aussieht.

Was es heißt, wenn man sagt: handverlesener Kaffee. Dass da mühsame Fleißarbeit dahinter steckt, war mir nicht bewusst. Zu sehen, wie wichtig es ist, dass man existenzsichernde Löhne bezahlt und was passiert, wenn man das nicht tut. Erst da hat es für mich bei dem Wort Nachhaltigkeit so wirklich klick gemacht. Dass man guckt, dass die Art und Weise wie wir Dinge konsumieren, unser Leben leben, dass das eben nicht nur uns dient, sondern auch der nächsten Generation erhalten bleibt und wir im Wohle aller agieren sollten. Das habe ich tatsächlich erst in Äthiopien verstanden.

Utopia-Podcast: Du hast als Unternehmerin nicht nur mit den Lieferant:innen, sondern auch mit Produzent:innen und auch mit Kundinnen zu tun. Würdest du sagen, dass sich in Bezug auf die Themen Nachhaltigkeit und Arbeit auf Augenhöhe etwas verändert hat? Sprich, werden die Themen ernster genommen, wenn es um Gleichstellung oder um Nachhaltigkeit bei der Produktion geht?

Sara Nuru: Was ich gemerkt habe ist, dass als wir zu Beginn vor Ort (in Äthiopien, Anmerkung der Redaktion) in der Kaffeeregion waren, gerade Frauen, die Bäuerinnen, sehr überrascht waren. Nicht nur, weil wir wie sie selbst aus der Äthiopien kamen, sondern plötzlich eben Einkäuferinnen waren oder sind. Denn ganz oft sind die Frauen diejenigen, die die meiste Arbeit machen, aber wenn es um das Verhandeln der Preise geht und wirklich ums Eingemachte, dann sitzt selten eine Frau am Tisch.

Wir haben festgestellt, dass es die Frauen total überrascht hat, uns in dieser verhandelnden Position zu sehen, auf Augenhöhe mit den Männern. Je öfter wir dort waren, bei den zweiten und dritten Reisen, saßen immer mehr Frauen mit am Tisch. Einfach weil sie sich immer mehr getraut haben auch mitzureden, ihren Beitrag zu leisten. Wir beziehen unseren Kaffee primär aus Kooperativen. Die sind alle basisdemokratisch organisiert, alle sind Shareholder und alle verdienen daran. Dennoch sind auch dort die Männer diejenigen in den verantwortlichen Positionen. Aber auch da habe ich in den letzten Jahren eine Veränderung gesehen, zum positiven. Trotzdem haben wir noch einen weiten Weg vor uns.

Es ist ehrlich gesagt immer ein schmaler Grat, weil wir uns nicht anmaßen wollen zu sagen, wir kommen aus Deutschland, aus dem Westen und sagen euch wie es zu laufen hat. Wir können die Strukturen vor Ort ja nicht umkrempeln. Aber wir können mit ihnen reden und ihnen erklären, wie es bei uns funktioniert, und warum es wichtig ist, dass man jede:n zu Wort kommen lässt. Wir glauben sehr daran, dass wir auch als Beispiel vorangehen. Dass wir, indem wir als Frauen selbstbestimmt auftreten, auch andere Frauen motivieren zu sagen „hey, ich habe den Platz hier genauso verdient“.

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