Was bleibt vom Blablabla? Die 5 wichtigsten Ergebnisse der Weltklimakonferenz

Alok Sharma (l), Präsident der COP26, hebt die Hände bei der Schluss-Plenarsitzung der UN-Klimakonferenz COP26.
Foto: Christoph Soeder/dpa

Tränen, Wutausbrüche und Jubel prägen das dramatische Ende der Weltklimakonferenz. Während einerseits kleine Fortschritte erzielt werden konnten, trübten andererseits Verwässerungen der Beschlüsse das Ende der Veranstaltung.

Die 26. Klimakonferenz in Glasgow endete am Samstagabend mit einer besonders emotionalen Note. Der britische COP26-Präsident Alok Sharma kämpfte auf der Bühne mit den Tränen und erklärte: „Ich bitte um Verzeihung für die Art, wie das gelaufen ist. Und es tut mir sehr leid“. Kein vielversprechendes Ende für die Konferenz, die tatsächlich ihre Höhen und Tiefen hatte.

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Was auf der Weltklimakonferenz beschlossen wurde

  1. 1,5-Grad-Ziel: Alle Teilnehmenden der Weltklimakonferenz haben sich bereit erklärt die notwendigen Maßnahmen zur Einhaltung des Pariser Klimaziels zu ergreifen – auch China. Dazu sollen sie bis 2022 unzureichende Klimaschutzpläne nachschärfen. Aus der Erklärung folgt aber keine Pflicht, was stark kritisiert wurde.
  2. Klima-Entwicklungshilfe: Ärmere Länder sollen beim Klimaschutz unterstützt werden, zum Beispiel mit Finanzhilfen für die Energiewende. Der Betrag wurde hier von 20 auf 40 Milliarden jährlich aufgestockt.
  3. Klimaschäden-Schutz: Bestimmte Länder sind wegen der Klimakrise schon jetzt häufiger mit Dürren, Hitzewellen, Stürmen und Überschwemmungen konfrontiert. Sie forderten auf der COP26 mehr Unterstützung bei der Bewältigung von Klimaschäden. Dafür soll ein Topf für finanzielle Hilfen beim Wiederaufbau, der Umsiedlung und dem Katastrophenschutz eingerichtet werden. Allerdings bleibt offen, wie hoch die Summen sein sollen und ob die Gelder nicht einfach aus anderen Töpfen, wie zum Beispiel der Entwicklungshilfe abgeleitet werden. Ebenfalls kritikwürdig aus Sicht von Umweltschützer:innen: Es soll nur „technische Unterstützung“ organisiert werden, und nicht der komplette Schaden beglichen werden.
  4. Komplettes Regelbuch für Pariser Abkommen: Das UN-Klimasekretariat hat endlich ein Werkzeug zur besseren Überprüfung der Klimaschutz-Maßnahmen einzelner Länder. Mit dem Regelwerk, das seit 2015 in Arbeit ist und nun vervollständigt werden konnte, soll künftig transparenter gemacht werden, wie sich die individuellen Klimabilanzen der Länder zusammensetzen. Staaten berechnen, berichten und erheben ihre nationalen Zusagen für Klimaschutz nun nach bestimmten Regeln. Das gilt auch, wenn sie zum Beispiel im Ausland klimaschützende Maßnahmen finanzieren oder fördern. So sollen auch Doppelzählungen von eingesparten Emissionen verhindert werden, zum Beispiel durch einen Abgleich im Geber- und Nehmerland.  
  5. Abgeschwächter Kohle-Ausstieg: Auf der COP26 wurde ein Konsens für den internationalen Ausstieg aus Kohleenergie erreicht. Kurz vor Ende der Konferenz wurde dieser auf Druck von China und Indien aber abgeschwächt. Wo zuvor der historische Beschluss stand, steht jetzt lediglich eine Reduzierung, während dutzende Staaten weltweit den nationalen Kohleausstieg schon längst beschlossen haben. Im finalen Beschluss ist nur noch die Rede von einer Streichung ineffizienter Subventionen. Der Kohleausstieg wäre aus Sicht unabhängiger Stimmen das Mindeste gewesen, um ein deutliches Signal in Richtung Weltgemeinschaft zu schicken.

Greta Thunberg’s Fazit: Blah, blah, blah

Ob die 26. Weltklimakonferenz nun ein Erfolg war oder nicht, dass sehen prominente Teilnehmer:innen und Beobachter:innen sehr unterschiedlich. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte die Vereinbarung beispielsweise als historisch. „Das fossile Zeitalter geht zu Ende, die Energiewende wird weltweit zum Leitbild“, sagte sie. Auch der britische Premierminister zog eine positive Bilanz. Die Welt sei „unbestreitbar auf dem Weg in die richtige Richtung“, so Gastgeber Boris Johnson am Sonntag. Klimaaktivistin Greta Thunberg zog hingegen eine vernichtende Bilanz. „Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Bla, bla, bla“, twitterte die Schwedin. Sie war zur Halbzeit mit Zehntausenden Demonstranten auf die Straße gegangen und dann abgereist.

Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, äußerte sich ernüchtert. „Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen.“ Die Mammutkonferenz COP26 mit 40.000 registrierten Teilnehmenden sollte eigentlich schon am Freitag enden. Wegen stundenlanger, hitziger Debatten dauerte es aber schließlich bis in den Samstagabend. Erst dann gab es den Kompromiss.

Utopia meint: War die 26. Weltklimakonferenz ein Erfolg – oder nur blah, blah, blah? Wahrscheinlich etwas dazwischen. Internationale Politik und Diplomatie sind langwierige Prozesse. Doch auch wenn einige politische Erfolge errungen werden konnten, reichen die Beschlüsse nicht aus, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken. Viele hätten sich von der Konferenz mehr erhofft. Das Ergebnis sorgt also berechtigterweise für gemischte Gefühle – und bestimmt nicht nur bei Alok Sharma für Tränen in den Augen.

(mit Material der DPA)

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