Homosexueller Weihnachtsmann: Clip aus Norwegen wird im Netz gefeiert

Screenshot: Youtube - Posten

Heteronormative Klischees in Weihnachtswerbespots gibt es wie Sand am Meer. Die norwegische Post „Posten“ zeigt in ihrem diesjährigen Weihnachtsfilm eine andere Perspektive – und erntet Reaktionen aus aller Welt.

Der fast vierminütige Werbespot betitelt „When Harry met Santa“ spielt in der Namensgebung auf die romantische Komödie „When Harry met Sally“ an und zeigt die Liebesgeschichte von Harry und dem Weihnachtsmann.

Homosexuelle Liebesgeschichte an Weihnachten

Die beiden sehen sich das erste Mal, als der Weihnachtsmann Geschenke in Harrys Haus ablegt, und es scheint Liebe auf den ersten Blick für die beiden gewesen zu sein. Auch in den darauffolgenden Jahren begegnen sich die beiden immer wieder an Weihnachten und die Zuneigung der beiden wächst. Doch leider sehen sich Harry und der Weihnachtsmann immer nur an einem Tag im Jahr und auch an Weihnachten haben sie nicht unbegrenzt Zeit für sich, denn der Weihnachtsmann muss schließlich auch noch Geschenke ausliefern. Im Laufe der Zeit wird es immer schwerer für Harry ein ganzes Jahr getrennt von seinem Liebsten zu sein und man sieht wie sehr er darunter leidet.

Harry und der Weihnachtsmann bei ihrem ersten Aufeinandertreffen (Screenshot: Youtube - Posten )

Am Ende des Spots ist Harry an Weihnachten bei sich zu Hause. Es klingelt an der Tür und eine Briefträgerin überreicht ihm die Weihnachtsgeschenke, die normalerweise der Weihnachtsmann vorbeibringen würde. Der sichtlich verwirrte Harry kehrt zurück in sein Wohnzimmer und findet dort den Weihnachtsmann, der sich in diesem Jahr den Tag freigenommen hat, um die Zeit mit Harry zu verbringen. Nach kurzer Überraschung küssen sich die beiden und der Spot endet mit dem Schriftzug „In 2022, Norway marks 50 years of being able to love whoever we want.“ („In 2022 sind es 50 Jahre, in denen man in Norwegen lieben kann, wen man möchte“).

50 Jahre Liebe für alle

Der Weihnachtsspot macht auf die Entkriminalisierung der Homosexualität in Norwegen aufmerksam, die im Jahr 1972 stattfand. Die Marketing-Direktorin von „Posten“, Monica Solberg sagt: „Posten is an inclusive workplace with great diversity, and we would like to celebrate the 50th anniversary with this fine love story“ („Posten ist eine inklusive Arbeitsstelle mit großer Diversität und wir würden gerne das 50. Jubiläum mit dieser schönen Liebesgeschichte feiern“).

Norwegen gilt als eines der LGBTQIA+-freundlichsten Länder in Europa und steht im „Spartacus Gay Travel Index 2021“ auf Platz 18 der Welt. Des weiteren legalisierte Norwegen als erstes skandinavisches Land 2009 die Ehe für alle. Auf die Frage, ob der Spot nicht eine Vermischung von Politik und der Weihnachtsbotschaft sei, antwortete Solberg: „The right to love whoever you want is a fundamental human right, and is not considered a political issue in free democratic societies in 2021.“ („Das Recht zu lieben, wen auch immer wir wollen, ist ein fundamentales Menschenrecht und nicht eine politische Sache in freien und demokratischen Gesellschaften im Jahr 2021.“)

Positive Reaktionen aus aller Welt

Der Werbespot wurde nicht nur in Norwegen viel diskutiert, sondern sorgte auch international für Aufsehen. Beispielsweise twitterte Randall Garisson, Mitglied des kanadischen Parlaments:

„Okay, ich breche meine Kein-Weihnachten-vor-Dezember-Regel um Posten Norge für diese starke und bewegende Botschaft der Inklusion zu danken, die 50 Jahre Entkriminalisierung der Homosexualität in Norwegen feiert.“
Auch britische, amerikanische oder deutsche Medien berichteten von dem Weihnachtsspot.

Natürlich gibt es auch negative Reaktionen auf den Spot, wie beispielsweise in den Youtube-Kommentaren unter dem Video. Manche Personen sprechen sich gegen das Video aus und kommentieren beispielsweise: „Danke Posten Norge für das, was ich gerade gesehen habe. Alle meine Vorstellungen aus meiner Kindheit über den Weihnachtsmann sind in nur 3 Minuten zusammengebrochen.“, so zitiert der stern.
Der größte Teil der Kommentare ist allerdings positiv und viele bedanken sich für den Spot. Auch auf Twitter gibt es Unterstützung und Zustimmung und die Argumente, die Gegner:innen des Weihnachtsspots bringen, werden dort beispielweise so widerlegt:

Utopia meint: Norwegen bricht mit traditionellen Weihnachtsklischees – das ist sehr erfreulich. Zu oft werden in Weihnachtswerbungen ausschließlich traditionelle und konservative Perspektiven gezeigt oder auch als Standard vorgelebt und gefeiert. „Posten“ zeigt mit dem herzerwärmenden Video, dass das „Fest der Liebe“ mehr ist, als eine heteronormative Tradition und schließt somit Menschen aller sexuellen Orientierungen ein.
Wir wünschen uns, dass wir in Zukunft mehr solcher inklusiver Spots sehen, sei es an Weihnachten oder über das ganze Jahr!

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