„Wie oft mir gesagt wurde: ‚Du willst doch allen Leuten das Auto wegnehmen!‘“

Carla Reemtsma von Fridays For Future spricht beim Klimastreik, vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Foto: Carla Reemtsma von Fridays For Future spricht beim Klimastreik, Berlin, Brandenburger Tor, 22.10.21 von Stefan Müller unter CC BY 2.0, zugeschnitten

Wann wird Deutschland unabhängig von fossilen Energieträgern? Diese Frage treibt die Fridays for Future-Aktivistin Carla Reemtsma um. In einem Interview kritisiert sie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und appelliert für einen Systemwandel.

Angesichts der Klimakrise und des Kriegs in der Ukraine kritisiert Carla Reemtsma, eine der bekanntesten Stimmen der Klimabewegung Fridays for Future (FFF), die Bundesregierung scharf. Erst kürzlich forderte die 24-Jährige gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur, die Ampel-Koalition müsse ein festes Enddatum für Öl und Gas festlegen.

Im Interview mit Die Zeit wiederholte die FFF-Sprecherin ihren Appell und warf Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) vor, mit den Entlastungspaketen für die Bürger:innen neue fossile Subventionen zu unterstützen. „Erst wurde die Pendlerpauschale erhöht, jetzt kommt der Tankrabatt durch die Hintertür mit den Steuersenkungen für Sprit“, so Reemtsma in dem Interview. Dies mitzutragen sei „falsch“. Der Bundesregierung attestierte die Aktivistin deshalb unzureichendes Krisenmanagement.

„Wer sind denn die Leute, die unter der Klimakrise leiden?“

Reemtsma störe sich daran, dass mit Aufrufen wie „Frieren gegen Putin“ die Politik versuche, die Verantwortung an die Bürger:innen abzuschieben. Vielmehr sollten die Industrien in die Pflicht genommen werden, die energieintensiv sind.

Auf die Frage, wie die Klimabewegung alle Gesellschaftsschichten erreichen wolle, verwies Reemtsma auf die Herausforderung, den Menschen Klimaschutz als Mittel für mehr soziale Gerechtigkeit näherzubringen: „Wer sind denn die Leute, die unter der Klimakrise leiden? Vor allem Menschen mit geringerem Einkommen. Die arbeiten nicht in klimatisierten Büros, sondern in der Landwirtschaft oder auf dem Bau. Sie wohnen an den lauten Straßen. Aber das Narrativ aufzubrechen, Klimaschutz sei ungerecht, ist total schwierig“, erklärte Reemtsma der Zeit.

Fridays for Future-Aktivistin Reemtsma verlangt einen Systemwandel

Gleichzeitig müssten Klimaaktivist:innen hinterfragen, ob sie ihre Forderungen deutlich genug formulieren. „Aber es gibt auch die Gegenseite. Wie oft mir gesagt wurde: „Du willst doch allen Leuten das Auto wegnehmen!“ Dabei habe ich das niemals gesagt.“

Reemtsma selbst spricht sich für einen Systemwandel aus, da die Klimakrise nicht durch einen veränderten Individualkonsum gelöst werde könne. Konkret nannte die Aktivistin eine Agrar-, Energie- und Mobilitätswende. „Das sind politische Fragen. Wir müssen eine Verbindung schaffen zwischen der Einsicht, ich kann jetzt nicht für zwei Tage nach Mallorca fliegen, und der Botschaft: Du bist kein schlechter Mensch, weil du mit dem Auto zur Arbeit fährst, weil es bei dir keinen ÖPNV gibt“, so Reemtsma.

Utopia meint: Es ist richtig und wichtig, dass Reemtsma den Systemwandel adressiert. Durch Gesetze, Regulierung und Umdenken in Politik und Wirtschaft können die von ihr angesprochenen Punkte strukturell verändert werden. Allerdings sollten wir nicht darauf warten, da politische Entscheidungsprozesse – insbesondere auf europäischer und internationaler Ebene – bekanntlich langwierig sind. Jede:r Einzelne kann schon heute durch persönliche Verhaltensänderungen und Kaufentscheidungen zum Klimaschutz beitragen. Zum Beispiel: Klimaschutz: 15 Tipps gegen den Klimawandel, die jede:r kann

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