Aktivkohle: Neues Superfood oder sinnloser Trend?

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Um Aktivkohle gibt es einen richtigen Hype: In Cremes, Peelings und sogar Lebensmitteln wie Burger, Smoothies und Eis mischen die Hersteller Aktivkohle. Viele der Produkte solle besonders gesund sein, doch Verbraucherschützer schlagen Alarm.

Aktivkohle ist nicht nur auf Instagram und Facebook ein großer Trend. Auch im Supermarkt gibt es immer mehr Produkte mit zugesetzter Aktivkohle. Sie besteht aus Kohlenstoff und wird unverdaut wieder ausgeschieden. Die Hersteller setzen Kohlenstoffpulver als Farbstoff ein, der Lebensmittel und Cremes schwarz färbt. „Black Food“ nennt sich dieser Trend bei Lebensmitteln. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft den Stoff als gesundheitlich unbedenklich ein. Er trägt die E-Nummer E153. Hier einige Beispiele für Produkte, die mit Aktivkohle angereichert angeboten werden:

  • Smoothies
  • Brötchen
  • Eis
  • Burger
  • Käserinde
  • Gesichtsmasken und -cremes
  • Peelings
  • Zahnpasta

Hersteller werben damit, Aktivkohle sei antibakteriell, entgiftend, mache weiße Zähne und vieles mehr. Doch wissenschaftliche Belege fehlen.

Aktivkohle ist gesund – stimmt das?

Aktivkohle in Lebensmitteln ist auf Dauer ungesund.
Aktivkohle in Lebensmitteln ist auf Dauer ungesund. (Foto: CC0 / Pixabay / pzphone)

Die Wissenschaftsjournalistin und Chemikerin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim unterzieht in ihrem Video Aktivkohle einem Gesundheits-Check:

  • Aktivkohle soll Gifte binden: Das stimmt tatsächlich und in der Medizin wird Aktivkohle auch bei Vergiftungen eingesetzt. Denn Aktivkohle-Moleküle binden Gift-Moleküle an sich.

Das Problem: Aktivkohle-Moleküle binden auch viele gute Stoffe, zum Beispiel Vitamine und Antioxidantien. Die wollen wir aber eigentlich nicht mit der Aktivkohle ausscheiden, sondern sollen vom Körper aufgenommen werden. Die Verbraucherzentrale Bayern warnt deshalb: „Wird Aktivkohle häufig verzehrt, können Vitamin- und Mineralstoffmängel entstehen sowie Verstopfung“.

Besonders bedenklich ist der Verzehr von Lebensmitteln mit Aktivkohle, wenn auch Medikamente oder die Anti-Babypille eingenommen werden. Denn auch sie könnten durch die Aktivkohle gebunden und ausgeschieden werden.

Aktivkohle in Kosmetik – was bringt sie?

Gesichtscremes, Masken, Peelings – in unzähligen Produkten steckt Aktivkohle. Doch wie gesund Aktivkohle für die Haut ist, wurde bisher noch kaum erforscht. Trotzdem werben viele Hersteller mit Versprechen, für die es keine wissenschaftlichen Belege gibt, erklärt Dr. Mai Thi Nguyen-Kim.

  • In der Chemie wird Aktivkohle manchmal dazu eingesetzt, um einen verunreinigten Stoff wieder rein zu machen. Die Aktivkohle bindet die Verunreinigung und lässt sich dann entfernen. Nach diesem Prinzip versprechen auch Hersteller von Kosmetika eine reinigende Wirkung. Allerdings muss in der Chemie die Flüssigkeit mit der Aktivkohle lange geschüttelt werden und braucht etwas Zeit. Bei Cremes müsste man also theoretisch sein Gesicht in Wasser tauchen und die Aktivkohle lange Zeit über die Haut reiben. Einen Vorteil hat Aktivkohle hierbei aber nicht, denn einfache Seife wirkt genauso gut.

2016 hat Öko-Test verschiedene Kosmetika mit Aktivkohle getestet. Kein einziges der 15 geprüften Kosmetikprodukte hat im Test mit der Bewertung „gut“ abgeschnitten, neun Produkte sind durchgefallen. Der Grund:

  • Keiner der Hersteller konnte Studien vorlegen, die die Wirksamkeit der Produkte belegten.
  • In einigen Kosmetikprodukten hat Öko-Test Spuren von Naphthalin nachgewiesen. Der Stoff entsteht bei der Kohleherstellung und gilt als krebserzeugend (BfR).

Fazit: Aktivkohle ist ein sinnloser Trend

Aktivkohle in Kosmetik: Vorteile nicht wissenschaftlich belegt
Aktivkohle in Kosmetik: Vorteile nicht wissenschaftlich belegt (Foto: CC0 / Pixabay / felix_w)

Einen wissenschaftlichen Beweis, dass Aktivkohle in Zahncremes die Zähne tatsächlich aufhellt, gibt es nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Studie von 2017, die alle bis dahin veröffentlichten Forschungsergebnisse zusammengefasst hat. Es gibt aber Hinweise, dass Aktivkohle in der Zahnpflege schädlich sein kann:

  • Auf Dauer schleift die Kohle den Zahnschmelz ab und macht die Zähne anfälliger für Krankheiten.
  • Bei Öko-Test sind einige Aktivkohle-Zahncremes durchgefallen, weil sie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und PEG-Derivate enthalten. Beide Stoffe sind laut Umweltbundesamt potentiell krebserregend und können von der Umwelt nur schwer abgebaut werden.

Fazit: Aktivkohle verleiht Lebensmitteln einen schicken schwarzen Look, mehr aber auch nicht. Eine positive Wirkung auf die Gesundheit ist weder für Lebensmittel noch für Kosmetik-Produkte belegt. Im Gegenteil: Aktivkohle sollten wir nur in geringen Maßen zu uns nehmen, da sie wichtige Nährstoffe binden kann. Wer Medikamente oder die Anti-Babypille einnimmt, sollte vorsorglich ganz auf Aktivkohle in Lebensmitteln verzichten.

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