Ayurvedische Ernährung: Die Philosophie und Grundidee von Ayurveda

Foto: CC0 / Pixabay / Angela_Yuriko_Smith

Ayurvedische Ernährung liegt seit einiger Zeit voll im Trend. Doch was genau steckt hinter der indischen Lebensphilosophie? Wir erklären dir die ayurvedischen Grundsätze und zeigen, wie du sie in dein Leben integrieren kannst.

Die Grundlagen der ayurvedischen Ernährung

Der Begriff „Ayurveda“ kommt aus dem Altindischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Wissenschaft vom Leben„. Wissenschaft bezieht sich dabei jedoch nicht auf Wissen, das an Schulen und Universitäten gelehrt wird, sondern auf ein „ewiges“ Wissen, das jeder Mensch seit seiner Geburt in sich trägt. Wir müssen nur lernen, dieses Wissen bewusst zu erfahren und darauf zu vertrauen, um das Potential unserer gesamten Lebensspanne auskosten zu können.

Die ayurvedische Philosophie beruht darauf, den Menschen ganzheitlich zu betrachten und somit Körper und Geist in Einklang zu bringen. Der Ernährung kommt dabei eine besonders wichtige Rolle zu. Sie wird als Geschenk betrachtet, welches uns hilft, Körper und Geist gesund zu erhalten. Bei körperlichen und seelischen Beschwerden wird deshalb in der ayurvedischen Medizin die Ernährung genau analysiert und fungiert als wesentliches Heilmittel.

Ein weiteres wichtiges Konzept ist die Individualität: Jeder Mensch wird als individuelles Wesen mit speziellen Voraussetzungen, Bedürfnissen und Wünschen wahrgenommen. Wenn du also auf deine Bedürfnisse hörst und deinen eigenen Körper achtest, anstatt dich mit einem universellen Maßstab zu vergleichen, lebst du schon nach einem wesentlichen ayurvedischen Grundsatz.

Das trifft auch auf die ayurvedische Ernährung zu: Auch wenn es generelle Theorien und Empfehlungen gibt, wird immer wieder betont, dass sich Lebensmittel und Mahlzeiten ganz unterschiedlich auf verschiedene Menschen auswirken können. Je nach deiner Natur und deinem Typ, entwickelst du spezielle Vorlieben, Abneigungen und Bedürfnisse.

Ayurveda: Die drei Doshas

Um die verschiedenen menschlichen Typen greifbar zu machen, gibt es die drei ayurvedischen Grundtypen, die sogenannten „Doshas“. Sie setzen sich jeweils aus zwei Elementen zusammen:

  • Vata besteht aus Luft und Äther und steht für „das, was die Dinge bewegt“. Das Hauptmerkmal dieses Typs ist seine Wechselhaftigkeit.
  • Pitta besteht aus Feuer und Wasser und bedeutet so viel wie „das, was die Dinge verbrennt“, was ihn zu einem sehr intensiven Typ macht.
  • Kapha besteht aus Wasser und Erde und ist „das, was die Dinge zusammenhält.“ Er zeichnet sich aus durch Entspannung und Stabilität.

Grundsätzlich trägt jeder Mensch alle drei Doshas in sich. Jedoch überwiegen häufig die Merkmale eines oder zweier bestimmter Doshas. In vielen Ayurveda-Resorts wird mit der Einordnung zu genau einem dieser Typen (z.B. anhand eines Fragebogens) geworben.

Dies entspricht allerdings nicht dem eigentlichen Konzept des Ayurveda. Danach muss man einen Menschen lange Zeit kennen, um wirklich etwas über seine Natur aussagen zu können. Außerdem besitzen die meisten Menschen Merkmale von zwei oder sogar allen drei Doshas in verschiedenen Ausprägungen.

Wie schmeckt’s? – Die Bedeutung der Geschmacksrichtungen

In jeder Mahlzeit sollten alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen vertreten sein.
In jeder Mahlzeit sollten alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen vertreten sein.
(Foto: LuiseRau / Utopia)

In der ayurvedischen Ernährungslehre wird in sechs verschiedene Geschmacksrichtungen unterschieden: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend. Diese sollten in jedem Gericht vertreten sein, um den Hunger nachhaltig zu befriedigen und Heißhungerattacken und Gelüste zu vermeiden. Jeder Geschmack wirkt sich nach der ayurvedischen Lehre auf eigene Weise auf den Organismus aus.

  • Süße Lebensmittel kräftigen und nähren das Körpergewebe. Geistig sorgen sie für Zufriedenheit und Freude. Bei zu hohem Konsum können sie jedoch z.B. zu Lethargie, Problemen mit der Lunge oder Übergewicht führen. Beispiele für süße Lebensmittel sind Datteln, süße Früchte, Honig und Zucker, aber auch Hafer, Cashewkerne und Reis.
  • Saures unterstützt den Körper beim Aufbau von Gewebe. Es verbessert allgemein den Geschmack deiner Gerichte, da es Appetit und Sinne anregt. Isst du zu viel saure Lebensmittel kann das zu Fieber, Durst, Blässe, Sodbrennen oder Ödemen führen. Beispiele für Saures sind Tomaten, Zitronen, Joghurt und Käse.
  • Der Geschmack „Salzig“ wirkt verdauungsfördernd und nervenberuhigend. Im Übermaß verursacht er Durst, Hauterkrankungen, hohen Blutdruck und Entzündungen. Zu dieser Geschmacksrichtung zählen alle Salze und Meeresalgen.
  • Scharfe Lebensmittel kurbeln den Stoffwechsel an, verbessern die Verdauung und öffnen Geist und Sinne. Sie haben eine allgemein reinigende Wirkung. Isst du zu viel Scharfes kann sich dies in Hitzegefühlen, Magenproblemen und Schwindel äußern. Scharfe Lebensmittel sind z.B. Ingwer, Chili, Knoblauch, Sellerie und Schwarzer Pfeffer.
  • Der bittere Geschmack wirkt entgiftend, keimtötend und fördert die anderen Geschmacksrichtungen. Er reinigt Sinne und Emotionen und kann bei Hitzegefühlen im Körper helfen. Im Übermaß kann Bitteres Kälte und Trockenheit verschlimmern. Beispiele sind Kurkuma, Rhabarber, Kümmel oder Kardamom. 
  • Der Geschmack „Zusammenziehend“ wirkt beruhigend und blutstillend. Er hilft bei Energie- und Kraftlosigkeit und hitzigen Wutausbrüchen. Isst du zu viel kann es zu Verstopfungen und Herzproblemen kommen. Zusammenziehende Lebensmittel sind z.B. Linsen, Brokkoli, Äpfel, Kohl oder Erbsen.

Ayurvedische Ernährung im Alltag

Ein warmer Haferbrei ist ein typisch ayurvedisches Frühstück.
Ein warmer Haferbrei ist ein typisch ayurvedisches Frühstück.
(Foto: CC0 / Pixabay / cgdsro)

Du kannst die ayurvedische Ernährung ganz einfach in deine alltägliche Routine integrieren. Schon kleine Veränderungen können dir helfen, Ernährung, Verdauung und Sättigungsgefühl zu verbessern und dich dadurch zufriedener und entspannter zu fühlen.

  • Trink direkt nach dem Aufstehen ein Glas warmes, abgekochtes Wasser auf nüchternen Magen, um deinen Körper und die Verdauung in Schwung zu bringen.
  • Frühstücke etwas Warmes! Ein typisches ayurvedisches Frühstück besteht meistens aus einem warmen Getreidebrei (z.B. aus Hafer- oder Dinkelflocken, Hirse oder Buchweizen), warmen bzw. gedünsteten Früchten und Nüssen oder Samen. Doch auch Gerichte wie Pancakes mit heißen Beeren, Rührei mit Gemüse oder warme Sandwiches können ganz im Sinne der ayurvedischen Ernährung sein.
  • Trinke zwischen den Mahlzeiten genug Wasser oder Tee, wenn du magst mit Honig, Ingwer oder Zitrone. Aber vermeide es während einer Mahlzeit zu trinken. Aus ayurvedischer Sicht löschst du damit das Verdauungsfeuer und erschwerst deinem Körper die Verdauung.
  • Sorg für eine ausgewogene Ernährung, die aus regionalen und saisonalen Produkten besteht. Auf tierische Produkte, Süßigkeiten und Alkohol musst du nicht verzichten. Sie sollten jedoch eher die Ausnahme darstellen.
  • Gestalte deine Mahlzeiten nicht zu groß! Natürlich sollst du genug essen, um dich satt und zufrieden zu fühlen. Wenn du dich jedoch nach dem Essen eher schlapp, voll und kraftlos fühlst, kann es daran liegen, dass dein Verdauungssystem mit einer zu großen Nahrungsmenge überlastet ist.
  • Aus ayurvedischer Sicht solltest du morgens und abends generell nur gekochte und warme Speisen zu dir nehmen. Mittags ist das Verdauungsfeuer am stärksten. Hier kannst du auch etwas Rohkost einbauen. Das Mittagessen sollte außerdem die größte Mahlzeit darstellen.

    Ayurveda: Mehr als nur gesundes Essen

    Doch zur ayurverdischen Ernährung gehört nicht nur die reine Nahrungsaufnahme, auch tägliche Rituale, Pausen und deine Einstellung dir selbst gegenüber sind ausschlaggebend für eine gesunde Lebensweise.

    • Nimm dir jeden Tag mindestens zwei kleine Pausen von fünf Minuten, in denen du meditierst und Atemübungen machst.
    • Iss deine Mahlzeiten im Stillen und ohne Ablenkung, um dich vollends auf dein Essen konzentrieren und dieses wertschätzen zu können.
    • Sorge beim Essen und Kochen für eine ruhige, entspannte Atmosphäre. Du kannst z.B. Kerzen anzünden oder ruhige Musik hören.
    • Nimm deine Nahrung als Geschenk wahr, die dich am Leben erhält und für einen gesunden Geist und Körper sorgt und nicht als reines Mittel zum Zweck, um dich schlanker, schöner und besser zu machen.

    Weiterlesen auf Utopia.de:

    Gefällt dir dieser Beitrag?

    Vielen Dank für deine Stimme!

    Schlagwörter:

    ** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.