Radeln soll attraktiver werden: Berlin plant Radschnellwege

Radschnellweg Ruhr
Foto: AGFS/ P.3 Agentur

Vielleicht lassen in Berlin künftig mehr Leute das Auto stehen und nehmen stattdessen das Fahrrad. Die Stadt plant großflächig Radschnellverbindungen und will somit einen Anreiz schaffen, häufiger in die Pedale zu treten. Mit dieser Idee steht die Hauptstadt nicht alleine da.

Schnell von A nach B – das kommt man in vielen Großstädten vorrangig mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Stadt Berlin plant nun Radschnellverbindungen und will somit mehr Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad bewegen. Radschnellwege laden mit vier Meter breiten Spuren, direkter Streckenführung und glattem Belag zu hohen Geschwindigkeiten ein. Vor allem Radfahrer aus den Außenbezirken sollen so schneller in die Innenstadt kommen.

Jede zweite Autofahrt ist kürzer als 5 km

Derzeit prüft ein Gutachterteam die Umsetzbarkeit der Idee in Berlin. Im ersten Schritt wurden 30 geeignete Routen im gesamten Berliner Stadtgebiet bestimmt, bewertet und als Ergebnis eine Top 12 ausgesucht. Diese Streckenverläufe sollen jetzt genauer auf ihre Machbarkeit hin untersucht werden.

Geplante Radschnellwege in Berlin
Ende 2017 sollen die genauen Strecken feststehen. (Foto: Senatsverwaltung Berlin)

Berlin steht mit seinen geplanten Radschnellwegen nicht alleine da, es tut sich einiges in puncto schnelles Radeln: Hamburg plant „Fahrrad-Autobahnen“ und auf dem geplanten Radschnellweg Ruhr (RS1) kann bereits ein sechs Kilometer langes Teilstück befahren werden. Wenn die Strecke fertig ist, sollen Duisburg und Hamm auf 101 Kilometer Länge miteinander verbunden sein.

RS1 gilt als das ambitionierteste deutsche Projekt für Radschnellwege. Berechnungen zufolge sollen durch den Radschnellweg täglich 52.000 PKW-Fahrten mit über 400.000 Kilometer eingespart werden. Weitere Pläne für Radschnellwege soll es in den Großräumen Hannover, Frankfurt, München und Nürnberg  und im Rhein-Necker-Kreis geben, so die Nahverkehrgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW).

Finanzielle Unterstützung bekommen Länder und Kommunen vom Bund. Dieser will den Bau von Radschnellwegen mit zunächst 25 Millionen Euro jährlich fördern. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sieht Radschnellwege als einen „wichtigen Teil der Lösung für unsere Verkehrsprobleme“. Die Rad-Highways würden den Radverkehr attraktiver machen und somit zum Klimaschutz beitragen. Da heute jede zweite Autofahrt kürzer als fünf Kilometer sei, könnten Radschnellwege viele Pendler zum Umstieg aufs Rad bewegen. Elektrofahrräder (Pedelecs) könnten noch mehr Anreiz geben, das Auto stehen zu lassen.

Radschnellwege: Idee kommt aus Holland

Die Idee der geradlinigen und kreuzungsfreien Radschnellwege stammt ursprünglich aus den Niederlanden, so der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e. V. (ADFC). 200 Kilometer Radschnellwege gebe es in den Niederlanden, weitere 600 Kilometer seien in Planung, so die NVBW. Und dieser Ausbau zeigt Wirkung: Während in niederländischen Regionen mit gut ausgebauten Radwegen über 25 Prozent der Berufstätigen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, seien es in Deutschland nur etwa 11 Prozent.

Mit dem geplanten Ausbau in Berlin könnten künftig ein paar Prozent hinzukommen: Ende des Jahres sollen die genauen Strecken feststehen. Mehr Informationen zu den Strecken gibt es im Handout der Berliner Senatsverwaltung (pdf).

Fazit: Radschnellwege sorgen dafür, dass man mit dem Rad ebenso sicher und schnell unterwegs ist wie mit dem Auto. In Kombination mit einem Pedelec sind sie eine echte Alternative zur Anfahrt mit dem PKW, sie vermeiden Staus und können helfen, Lärm und Abgase zu reduzieren.

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(4) Kommentare

  1. Gibt es dann auch eine „Mindest-“ oder Richtgeschwindigkeit? Ein RadSCHNELLweg bringt meines Erachtens wenig, wenn dann dort zu viele Menschen mit deutlich unter 20km/h unterwegs sind.

    Alternativer Vorschlag: Verschiedene Geschwindigkeitsspuren, die man nach Belieben und/ oder zum Überholen nutzen kann…

    • Genau deswegen soll ein Radschnellweg 4m Regelbreite haben. Dadurch können in beide Richtungen jeweils gleichzeitig 2 Radler nebeneinander fahren ohne die Entgegenkommenden zu behindern – also können sich gleichzeitig bspw. 2 langsame Radler und 2 schnelle Radler gleichzeitig ohne Probleme entgegenkommen ohne dass es zu engen Situationen kommt. Dadurch gibt es dann kein Problem durch unterschiedliche Geschwindigkeiten.

  2. Außerdem: In meiner Wahrnehmung ist das größte Hindernis für Autofahrer_innen aufs Fahrrad umzusteigen, dass man im Falle von Niederschlag schlicht nass wird. Das ist auch das, was mich am Radfahren ins Büro einfach am meisten nervt. Daran ändert auch der vielbeschworene E-Bike/ Pedelec „Boom“ nichts.

  3. ich freue mich, dass sich nun endlich was tun soll. wenn es aber weiter in dem tempo geht, bin ich in rente, ehe ich solche oder andere neue weg zur arbeit nutzen kann.
    bei regen: bietet sich regenkleidung an
    bei schnee: hoffe ich, dass auch diese wege/straßen geräumt werden

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