Egal, ob mit einem kleinen Balkonkraftwerk oder einer großen Dachanlage – mit Photovoltaik kannst du deine Stromkosten senken. Lebst du jedoch in einem denkmalgeschützten Haus, wird es schwierig. Wir zeigen dir, wie du in dem Fall vorgehen solltest.
Solaranlagen jeder Größe helfen, Stromkosten zu senken und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Mit der Einführung des Solarpakets 1 haben sich die Bedingungen für Balkonkraftwerke deutlich verbessert und auch größere PV-Anlagen werden immer noch gefördert.
Doch nicht alle dürfen einfach Solaranlagen am Haus anbringen. In Deutschland stehen sehr viele Gebäude unter Denkmalschutz, auch wenn man es ihnen oft nicht ansieht. Der Denkmalschutz hat große Auswirkungen auf alle Bauvorhaben – das schließt sowohl Steckersolaranlagen als auch Dach-PV-Anlagen mit ein. In solchen Fällen darfst du nicht einfach Photovoltaik-Module installieren, sondern benötigst eine Erlaubnis der zuständigen Behörde. Wie genau das abläuft und wer dafür zuständig ist, haben wir dir hier übersichtlich zusammengestellt.
Photovoltaik und Denkmalschutz: Wo das Problem liegt
Der Denkmalschutz soll das kulturelle Erbe in Form von Gebäuden, deren Erscheinungsbild und baulicher Substanz für die Nachwelt erhalten. Jedes Detail – von der Farbe des Anstrichs über die Fensterform bis zur Dachbeschaffenheit – kann Teil dieses schützenswerten Eindrucks sein.
Moderne Solarmodule erzeugen einen technologischen Kontrast zu historischer Architektur und können die Linienführung stören oder die Dachlandschaft verändern. Deshalb darfst du in denkmalgeschützten Gebäuden nicht einfach eine PV-Anlage oder ein Balkonkraftwerk installieren, sondern musst eine Genehmigung einholen (weitere Infos unten). Die zuständige Behörde wägt dann dein privates Interesse an erneuerbarer Energie gegen das öffentliche Interesse am Erhalt des Denkmals ab.
Ist Photovoltaik auf denkmalgeschützten Gebäuden verboten?
Nein, auch wenn du in einem denkmalgeschützten Gebäude oder in einem geschützten Ensemble lebst, kannst du dennoch eine PV-Anlage bzw. Balkonkraftwerk bauen. Du benötigst aber in jedem Fall eine Genehmigung.
Ansonsten droht ein Bußgeld und du musst die Anlage wieder abbauen. Gerade bei größeren Systemen kann das teuer und aufwendig werden.
Zwar klingt eine Genehmigung nach einer deutlichen Hürde. Die Chancen stehen mittlerweile aber gut, dass deine PV-Anlage zugelassen wird. Beispielsweise wurden laut MDR alleine in Leipzig über 85 Prozent der beantragten Balkonkraftwerke an denkmalgeschützten Gebäuden erlaubt.
Auch dein:e Vermieter:in darf dein Balkonkraftwerk nicht pauschal aus Gründen des Denkmalschutzes ablehnen. Die Entscheidung trifft die zuständige Behörde und an diese müssen sich auch Vermietende halten.
Von wem bekomme ich die Erlaubnis für eine PV-Anlage?
Da Denkmalschutz als Kulturaufgabe gilt, kümmern sich die jeweiligen Bundesländer darum. Jedes Bundesland besitzt deshalb ein eigenes Landesdenkmalgesetz sowie eigene Landesämter für Denkmalpflege.
Um deine Solaranlage oder dein Balkonkraftwerk genehmigen zu lassen, musst du dich an die untere Denkmalschutzbehörde deiner Stadt oder deines Landkreises wenden.
Alle unteren Denkmalschutzbehörden findest du in folgender Auflistung. Klicke einfach auf dein Bundesland.
- Baden-Württemberg
- Bayern
- Berlin
- Brandenburg
- Bremen
- Hamburg
- Hessen
- Mecklenburg-Vorpommern
- Niedersachsen
- Nordrhein-Westfalen
- Rheinland-Pfalz
- Saarland
- Sachsen
- Sachsen-Anhalt
- Schleswig-Holstein
- Thüringen
👉 Unser Tipp vor dem Solaranlagenkauf: Aufgrund der großen Preisspanne solltest du dir mindestens drei verschiedene Angebote geben lassen und sie vergleichen. Online-Portale wie Selfmade Energy oder das Solaranlagenportal können hierfür sinnvoll sein. Dort bekommst du unverbindliche Angebote von verschiedenen Installationsbetrieben in deiner Nähe.
Trotz Denkmalschutz: So erhöhst du die Chancen auf eine PV-Anlage
Du musst also dein Bauvorhaben bei der unteren Denkmalschutzbehörde genehmigen lassen. Da sie ein Interesse hat, das Erscheinungsbild zu wahren, kannst du das bei der Planung deiner PV-Anlage oder deines Balkonkraftwerks berücksichtigen. So steigerst du die Chancen auf einen positiven Bescheid. Worauf du achten solltest:
- Auf der Rückseite bauen: Die Solarmodule sollten von der Straße aus nicht erkennbar sein. Falls du passende Flächen hast, gebe sie in deinem Antrag an, auch wenn das Dach zur Vorderseite vielleicht höhere Erträge brächte.
- Eingriff in die Substanz: Historische Fassaden und Dächer sollten nicht verändert werden. Vermeide daher Bohrungen und andere Beschädigungen. Versuche am besten, ein Konzept zu entwickeln, mit dem sich die PV-Anlage wieder rückstandslos entfernen lässt.
- Wahl der Module: Typische Solarmodule sind bläulich (polykristallin) und schwarz (monokristallin). An vielen Bauten fallen sie daher auf. Doch es gibt es auch farbige Paneele (z.B. in Rot), die auf klassischen Ziegeldächern unauffälliger sind. Solarziegel wären die optimale Lösung, der Einbau und die Ziegel kosten jedoch mehr.
- Informelle Voranfrage: Kontaktiere die untere Denkmalschutzbehörde und bitte um eine erste, unverbindliche Einschätzung deines Vorhabens. So bekommst du ein Gefühl für die Haltung der Behörde und deren Kriterien und kannst dein Konzept anpassen.
- Geduld haben: Sobald du deinen Antrag eingereicht hast, musst du Geduld haben. Der Prozess kann einige Wochen dauern. Bis dahin darfst du noch nicht mit Bauarbeiten beginnen oder dein Balkonkraftwerk schon anschließen. Im Zweifel musst du sonst alles auf eigene Kosten zurückbauen.




















