Eco Rating für Mobiltelefone: Dieses Label soll für Transparenz sorgen

Foto: CC0 / Pixabay / EsaRiutta

Europäische Mobilfunkanbieter haben gemeinsam ein Label entwickelt, das es künftig erleichtern soll, nachhaltige Geräte zu erkennen. Wir haben uns näher angeschaut, wie das neue Eco Rating funktioniert, wer daran teilnimmt und was es bringt.

Fünf führende europäische Mobilfunkbetreiber haben ein neues Bewertungssystem für die Nachhaltigkeit von mobilen Geräten eigeführt. Dieses sogenannte Eco Rating soll branchenweit Gültigkeit haben und Verbraucher:innen dabei helfen, Geräte in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit besser miteinander zu vergleichen. Dadurch sollen gleichzeitig die Herstellerfirmen einen Anstoß bekommen, umweltverträglichere Geräte mit besserer Ökobilanz zu bauen. Initiiert wurde das Bewertungssystem gemeinsam von der Deutschen Telekom, Orange, Telia Company, Vodafone und Telefónica.  

Konkret soll das Eco Rating über ein Label auf der Verpackung von Mobilfunkgeräten erfolgen. Dieses Label soll Kund:innen zum Beispiel genauere Informationen zu Herstellungsbedingungen, Transport, Nutzung und Entsorgung des jeweiligen Gerätes vermitteln. Der Schwerpunkt liegt in allen Bewertungskategorien auf den Umweltauswirkungen des Telefons. Dadurch, dass diese Informationen in vereinheitlichter Form vorliegen, soll es künftig schneller und leichter möglich sein, verschiedene Geräte im Hinblick auf ihren Nachhaltigkeitsfaktor zu vergleichen. Damit gehen die beteiligten Firmen nach eigener Einschätzung auch auf die Nachfrage der Verbraucher nach nachhaltigeren Elektrogeräten ein

Eco Rating: Diese Anbieter machen mit

Samsung gehört zu den Anbietern, die am neuen Eco-Rating-Projekt teilnehmen.
Samsung gehört zu den Anbietern, die am neuen Eco-Rating-Projekt teilnehmen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Für den Anfang soll sich das Rating auf Smartphone-Modelle von 12 verschiedenen Anbietern beschränken – weitere Marken sollen aber dazustoßen. Zu den ersten 12 Teilnehmern gehören folgende Anbieter:

  • Bullitt Group 
  • Doro
  • HMD Global
  • Huawei
  • MobiWire
  • Motorola/Lenovo
  • OnePlus
  • OPPO
  • Samsung Electronics
  • TCL/Alcatel
  • Xiaomi
  • ZTE

Ab Juni 2021 wollen diese Anbieter das Eco-Rating-Label an ihren Verkaufsstellen in insgesamt 24 europäischen Ländern einführen – auch in Deutschland.

So funktioniert die Eco-Rating-Methode

Das neue Label nimmt auch in den Blick, wie gut sich die Einzelteile eines Smartphones recyceln lassen.
Das neue Label nimmt auch in den Blick, wie gut sich die Einzelteile eines Smartphones recyceln lassen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Bru-nO)

Laut der Deutschen Telekom erfolgt das Rating auf Grundlage von Informationen, die die Geräteanbieter selbst zur Verfügung stellen. Diese sollen dann von unabhängiger Stelle „einer einheitlichen, objektiven und konsistenten Bewertung“ unterzogen werden. Das neue Rating-System baue „auf Branchenkenntnissen und bewährten Verfahren“ auf, die sich im Rahmen „früherer Initiativen zur Umweltkennzeichnung“ herauskristallisiert hätten. Aktuelle Normen und Richtlinien der EU und weiterer relevanter Instututionen seien außerdem zugrunde gelegt worden.      

Was heißt das nun? Konkret bewertet das Eco Rating die Umweltverträglichkeit von Mobiltelefonen in fünf zentralen Kategorien. Diese Kategorien sind so ausgewählt, dass sie die Nachhaltigkeit der Geräte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg abbilden sollen. Als Bewertungsgrundlage dient ein Punktesystem. In diesem Rahmen informiert das Label über folgende Aspekte:  

  • Langlebigkeit: Diese Kategorie untersucht die Robustheit, die Akkulebensdauer und den Garantiezeitraum sowohl des Gerätes als auch seiner Einzelbestandteile. 
  • Reparaturfähigkeit: Hier liegt der Fokus auf dem Design des Telefons. Bedacht werden dabei insbesondere auch Maßnahmen, durch die sich die Reparaturfähigkeit, Wiederverwendbarkeit und Aufrüstbarkeit des Gerätes verbessern lassen, um so seine Nutzungsdauer zu optimieren. 
  • Recyclefähigkeit: Diese Kategorie gibt Auskunft darüber, wie gut sich das Gerät recyceln lässt. Gemessen wird das unter anderem daran, wie leicht ein Mobiltelefon sich wieder in seine Einzelbestandteile zerlegen lässt, um die ursprünglichen Wertstoffe zurückzugewinnen. Aber auch, wie leicht der Recyclingprozess selbst vonstatten geht und wie gut der Hersteller darüber informiert, spielen für die Bewertung eine Rolle. 
  • Klimaverträglichkeit: Diese Wertung bezieht sich auf die Treibhausgasemissionen, die das Gerät über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verursacht. Je geringer die Klimabelastung ist, desto höher fällt die Punktzahl aus. 
  • Ressourcenschonung: Hier steht die Frage im Zentrum, wie sich knappe Rohstoffe, die das Telefon enthält, auf die Erschöpfung der Gesamtressourcen auswirken. Je weniger die Verfügbarkeit von Rohstoffen wie Gold oder Kobalt durch die Herstellung des untersuchten Geräts auswirkt, desto höher die Punktzahl, die es in dieser Kategorie bekommt.

Auf Basis der einzelnen Kategorien wird außerdem eine abschließende Gesamtnote vergeben, die maximal 100 Punkte betragen kann. 

Fazit: Was bringt das neue Eco Rating?

Macht das Eco-Rating-Label es wirklich einfacher, nachhaltige Smartphones zu finden?
Macht das Eco-Rating-Label es wirklich einfacher, nachhaltige Smartphones zu finden?
(Foto: CC0 / Pixabay / JESHOOTS-com)

Das neue Rating-System kommt dem Wunsch zahlreicher Verbraucher:innen entgegen, besser und transparenter über die Nachhaltigkeit von Smartphones und anderen Mobilfunkgeräten aufgeklärt zu werden. In der Praxis muss es sich aber erst noch bewähren.

Für die angestrebte Vergleichbarkeit ist besonders problematisch, dass einige der größten Smartphone-Anbieter bisher nicht am Projekt beteiligt sind – darunter Sony, Google und Apple. Aber auch der niederländische Hersteller Fairphone, dessen Modelle als besonders umweltfreundlich gelten, lehnt die Teilnahme nach aktuellem Stand ab. Das liege einer Pressesprecherin des Anbieters zufolge daran, dass das bestehende Punktesystem zu eng zugeschnitten sei und beispielsweise die soziale Verantwortung von Unternehmen kaum erfasse. 

Ob die fünf genannten Kriterien ausreichen, um ein umfassendes Gesamtbild zu zeichnen, ist vor diesem Hintergrund zumindest bedenkenswert. Offen bleibt bisher auch, wie genau sich der Bewertungsausschuss zusammensetzt, der die Angaben der Hersteller überprüfen und auf dieser Grundlage das Rating entwickeln soll. Damit ist auch unklar, wie unabhängig er ist und welchen Überprüfungskriterien er folgt. 

Langfristig wird sich also zeigen müssen, wie aussagekräftig das neue Eco Rating tatsächlich ist. Statt für mehr Transparenz zu sorgen, könnte ein Nachhaltigkeitslabel letztlich auch das Gegenteil des gewünschten Effekts auslösen – und den Eindruck erwecken, es werde bei Smartphones bereits hinreichend auf ökologische Kriterien geachtet. 

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