Einweg oder Mehrweg: was ist umweltfreundlicher?

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Beim Griff zur Wasserflasche im Supermarkt können Kunden zwischen Einweg- und Mehrweg-Flaschen aus Plastik wählen. Auf beide gibt es Pfand, doch die Unterschiede für die Umwelt sind enorm. Denn die meisten der verkauften Pfandflaschen werden nie mehr neubefüllt.

Einweg gegen Mehrweg: So täuscht uns das Pfandsystem

Einwegflaschen beim Discounter ALDI Süd
Einwegflaschen beim Discounter ALDI Süd (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Bei den Discountern stapeln sich Wasser, Apfelschorle und Säfte in Einwegflaschen aus Plastik. 25 Cent Pfand müssen Kunden pro Flasche zahlen und bekommen das Geld am Pfandautomaten später zurück. Doch auch wenn uns die Discounter ihre Plastikflaschen als umweltfreundlich verkaufen, sind sie in Wirklichkeit das genaue Gegenteil:

  • Die Plastikflaschen werden zwar gesammelt und gewaschen, doch ein vollständiges Recycling der Flaschen gibt es in Deutschland nicht. Es wäre zu aufwendig und zu teuer. Die PET-Flaschen werden stattdessen geschreddert, eingeschmolzen und sind dann nur schwer verwertbar. Nur ein Bruchteil des eingeschmolzenen Plastiks geht in die Herstelllung neuer Flaschen.
  • Da der eingeschmolzene Kunststoff verfärbt ist, taugt er meistens nicht mehr als Material für klare Wasserflaschen. Aus ihm können höchstens noch Taschen oder Zeltplanen hergestellt werden.
  • Einwegflaschen werden daher häufig nur für eine einzige Abfüllung produziert. Für jeden Liter Mineralwasser ist also neues Plastik notwendig.

Einwegflaschen vom Discounter: Ökobilanz abhängig von Flaschengröße und Transport

Ökobilanz für Einwegflaschen abhängig von Größe und Transportweg
Ökobilanz für Einwegflaschen abhängig von Größe und Transportweg (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Hans)

Zur Herstellung einer neuen Flasche werden viele Ressourcen benötigt, die nicht recycelt werden können. Laut einer ifeu-Studie, auf die sich auch das Umweltbundesamt beruft, kann die Ökobilanz einer PET-Einwegflasche dennoch vergleichbar sein mit der einer Glas-Mehrwegflasche. Denn die hängt letztlich vom Transportweg ab, den eine Flasche zurücklegt, bis sie im Handel verkauft wird und von ihrer Größe.

Laut ifeu-Studie sind z.B. regional vertriebene 0,5 Liter Mehrweg-Glasflaschen im Vergleich zu 0,5 Litern PET-Einwegflaschen noch ökologisch überlegen. Vergleicht man allerdings die 1,5-Liter PET-Einwegflaschen mit einer 0,7-Liter Glas-Mehrwegflasche, können keine eindeutigen Vor-und Nachteile mehr festgestellt werden – sofern der Transportweg der Plastikflasche gering ist: Das Verhältnis zwischen Verpackung und Inhalt wird durch die zunehmende Flaschengröße besser zugunsten des Einweg-Plastiks.

Aber: Der Transportweg ist beim Discounter-Mineralwasser häufig besonders weit, da die Flaschen oftmals in einer zentralen Abfüllanlage für alle Filialen befüllt werden. Zudem könnten Plastikflaschen auch gesundheitliche Folgen für den Menschen haben. Denn es besteht der Verdacht, dass hormonell wirksame Chemikalien aus den Flaschen ins Wasser übergehen können (Studie).

Auch Mehrwegflaschen verursachen viel CO2

Mehrwegflaschen aus Glas und Plastik
Mehrwegflaschen aus Glas und Plastik (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Mineralwasser aus Mehrwegflaschen sind in jedem Fall die umweltfreundlichere Wahl. Alle Plastikflaschen sind mit „Mehrweg“ oder „Einweg“ gekenntzeichnet und auch die Höhe des Pfands ist unterschiedlich. Im Gegensatz zum 25-Cent-Pfand auf Einwegflaschen liegt die Pfandsumme bei Mehrwegflaschen nur bei 15 Cent. Der Kunde kann also leicht feststellen, um welchen Flaschentyp es sich handelt.

Doch auch zwischen Mehrwegflaschen gibt es wichtige Unterschiede. Denn unter dem Begriff „Mehrweg“ fallen Glasflaschen und besonders stabile Plastikflaschen.

  • Glasflaschen können bis zu 50 Mal neubefüllt werden
  • Mehrweg-Plastikflaschen werden maximal 25 wiederverwertet

Die Ökobilanzen von Glas- und Plastikflaschen (Mehrweg) überraschen: Die Mehrweg-PET gilt in Studien als umweltfreundlicher, wenngleich sie weniger oft befüllt werden kann und später schwer zu recyceln ist. Der Grund sind die Transportwege: Weil Glasflaschen schwerer als Mehrweg-Plastikflaschen sind, fallen auch mehr Transportemissionen an. Bei Mineralwasser aus der Region ist die Glasflasche Trumpf.

Fazit: Material und Transportwege entscheidend für Klimabilanz

Fazit: Leitungswasser schlägt Einweg und Mehrweg
Fazit: Leitungswasser schlägt Einweg und Mehrweg (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Wer auf der Suche nach dem umweltfreundlichsten Wasser ist, muss also Folgendes beachten: Neben dem Material der Flasche sind auch die Transportwege und das Flaschenvolumen entscheidend für die Umweltbilanz. Mineralwasser aus Plastikflaschen ist zwar leicht zu transportieren, das Plastik jedoch nicht gut für die Umwelt. Die Ökobilanz der Plastikflasche wird mit zunehmender Flaschengröße besser. Denn bei Glasflaschen sorgt umgekehrt das hohe Gewicht für eine schlechte CO2-Bilanz, insbesondere je länger der Transportweg wird.

Fazit: Regionales Wasser in Glasflaschen hat noch die beste Klimabilanz von gekauftem Wasser. Die einzig zufriedenstellende Lösung ist und bleibt aber aus unserer Sicht das Leitungswasser: Hier fallen weder Plastik, noch viel CO2 an. Es enthält auch keine möglichen Chemikalien, die sich bei Plastikflaschen ablösen können. Und laut verschiedenen Tests ist auch die Qualität von Leitungswasser in Deutschland hervorragend und übertrifft sogar viele Mineralwasser aus der Flasche. Zudem ist es das am besten überwachte Lebensmittel in Deutschland, dafür sorgt die Trinkwasserverordnung. Und wenn du auf Kohlensäure gar nicht verzichten kannst, gibt es Wassersprudler, mit dem du auch dein Leitungswasser mit CO2 versetzen kannst (z. B. bei** Grünspar, Saturn oder Amazon).

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(6) Kommentare

  1. Die zitierte Studie der Genossenschaft Deutscher Brunnen stammt übrigens aus dem Jahr 2008 mit Daten von 2000 (für PET-Einweg). Ist es seriös 10 Jahre alte Studien zu zitieren. Seitdem hat sich eine Menge getan. PET-Einwegflaschen werden zu fast 100% recycelt. Das Material kann sehr wohl wieder zu einem hohen Prozentsatz zur Flaschenproduktion eingesetzt werden. Mich würde interessieren, woher die Redaktion die „Fakten“ bezogen hat. Das ist mehr als tendenziös und spiegelt nicht die Realität wider.

  2. Hallo Klaus Agdorfer, danke für den Hinweis! Auch das Umweltbundesamt zitiert in einem Paper von 2015/2016 eine Studie von 2010 – insofern wären wir sehr interessiert an neueren Ergebnissen. Den des UBA zitierten Ergebnissen Folge leistend, haben wir die Abhängigkeit zur Flaschengröße bei PET-Einweg im Artikel entsprechend ergänzt. Wenn Sie neuere Erkenntnisse haben, freuen wir uns über einen Link. Herzlichen Dank!

  3. Vielen Dank, dass sie diesen Hinweis aufgenommen haben. Leider liegen keine aktuellen Studien vor, weshalb man aus meiner Sicht aktuell keine Bewertung, wie in Ihrem Beitrag geschehen, durchführen kann. Viele Informationen finden Sie aber evtl. beim IFEU Institut, welches sehr häufig mit derartigen Studien beauftragt wird.

  4. Die Aussage, dass die Abfüllung der Mineralwässer für Discounter grundsätzlich zentral erfolgen würde ist so nicht korrekt. Selbst die Edeka, die über eigene Quellen verfügt, füllt nicht alles dort ab, sondern bezieht von zahlreichen Abfüllern, inzwischen auch aus Frankreich.

  5. Ich persönlich (und ich schreibe niemanden vor, was er zu tun oder zulassen hat) benutze einen Sodastream Sprudler. Allerdings bekomme ich mein Trinkwasser aus Oberflächenwasser, was dem Geschmack leider nicht gut bekommt.

    Möchte ich also einmal besser schmeckendes Wasser trinken (dann meist hochmineralisiertes Heilwasser) greife ich bevorzugt zu Glasflaschen, obwohl sie gefährlicher (Glas), schwerer und unhandlicher sind. Denn anders als bei Softgetränken merkt man Wasser eben schon den kleinsten Fremd- oder Fehlgeschmack an. Und das kann und wird auch in vielen Fällen bei Plastikverpackungen geschehen, auch wenn nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand die ans Wasser abgegebenen Stoffe unbedenklich sind.

    Für die Reise und unterwegs greife ich natürlich aufgrund des Gewichts und der Handlichkeit zu Plastikflaschen. Aber in diesem Fall wähle ich dann meist kein reines Wasser, sondern ein Softgetränk oder etwas ähnliches.

  6. Noch eine weitere Anmerkung von mir. Für den Sport nutze ich eine „MIU COLOR“ Trinkflasche aus Glas mit einem Neoprenüberzug. Nichts hasse ich mehr als diese üblichen Plastikflaschen, die man in einem jeden Fitnessstudio bekommt. Daraus schmeckt zumindest mir das Wasser immer wie eine Chemiebrühe.

    Der Neoprenüberzug hält auch die meisten Scherben zurück, sollte doch mal ein Unglück geschehen. Und zur Isolation dient er natürlich zusätzlich noch. Aber – klar – etwas vorsichtiger als mit einer Plastikflasche sollte man damit schon umgehen. Es ist und bleibt halt Glas mit seinem wichtigsten Nachteil, der Bruchgefahr.

    Zur Reinigung (auch bei Plastikflaschen) empfehle ich aus jahrelanger eigener Erfahrung Chlorreiniger (DanKlorix oder die entsprechenden Eigenmarken anderer Anbieter). Hier unbedingt unparfümierten Reiniger verwenden (bei DanKlorix also die blaue Flasche und nicht die grüne). Ansonsten ist zumindest bei Plastik eine neue Flasche fällig.

    Warum Chlorreiniger, das klingt so scharf? Werden Flaschen wiederverwendet und liegen sie vielleicht auch noch immer mal wieder in der warmen und feuchten Sporttasche, ist Hygiene wichtig. Heißes Wasser mit einem kräftigen Schuss Chlorreiniger und einige Minuten Einwirkungszeit beseitigt alles was auf den Namen Bakterium, Virus oder Pilz hört. Und zwar praktisch restlos. Chlorreiniger zerfällt nach der Anwendung sehr schnell zu Wasser und Kochsalz.

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