Fehlende Grundpreise: Verbraucherzentrale verklagt Aldi

Foto: Foto: CCO Public Domains / Pixabay / Pinacol

Die Hamburger Verbraucherzentrale hat eine Klage gegen den Discounter Aldi eingereicht. Der Vorwurf: Preisschilder mit fehlenden Grundpreisangaben. Warum das so problematisch für Verbraucher:innen ist, erfährst du hier.

Grundpreise zeigen an, wie teuer verschiedene Lebensmittel pro Kilogramm oder pro Liter sind. So können Verbraucher:innen die Preise ähnlicher Produkte besser vergleichen als über den tatsächlichen Kaufpreis, der wegen unterschiedlicher Füllmengen oft weniger aussagekräftig ist. Um diese Orientierungshilfe zu gewährleisten, schreibt die Preisangabenverordnung die Angabe des Grundpreises verpflichtend vor. Nur in Ausnahmefällen dürfen Supermärkte und Discounter darauf verzichten.

Gegen diese Verordnung soll der Discounter Aldi in zahlreichen Fällen verstoßen haben, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Verbraucherschützer:innen haben deshalb nun Klage gegen eine Regionalgesellschaft der Aldi GmbH & Co. KG beim Landgericht Itzehoe eingereicht.        

Klage wegen fehlender Grundpreise: Darum geht es

Neben dem Verkaufspreis muss bei Lebensmitteln auch der Grundpreis ausgewiesen sein.
Neben dem Verkaufspreis muss bei Lebensmitteln auch der Grundpreis ausgewiesen sein.
(Foto: CC0 / Pixabay / analogicus)

Spezifisch bezieht sich die in Itzehoe eingereichte Klage auf einen veganen Aufschnitt aus dem Aldi-Sortiment. Mindestens zwei Hamburger Filialen sollen diesen Aufschnitt mit einem Preisschild verkauft haben, auf dem der Grundpreis nicht ausgewiesen war.

Darüber hinaus hat der Verbraucherschutz noch weitere Verstöße gegen die Preisangabenverordnung festgestellt: Bei stichprobenartigen Überprüfungen von fünf Aldi-Nord-Märkten in Hamburg hätten sich insgesamt mehr als 100 Fälle fehlender oder fehlerhafter Preisangaben feststellen lassen. Neben nicht ausgewiesenen oder falschen Grundpreisen bemängelt die Verbraucherzentrale auch irreführende Angaben zu Preissenkungen oder verwirrende Beispielpreise.     

Im konkreten Fall des veganen Aufstrichs habe sich der verantwortliche Händler geweigert, eine Unterlassungserklärung für die fehlenden Grundpreisangaben zu unterzeichnen. Aus diesem Grund und aufgrund der anderen Verstöße wird die Sache jetzt vor Gericht verhandelt.   

Fehlende Grundpreise: Ein weitreichendes Problem

Die aktuelle Klage gegen Aldi ist wahrscheinlich nur ein Beispiel für eine verbreitete Problematik. Einem Sprecher der Hamburger Verbraucherzentrale zufolge betrachten viele Einzelhändler fehlende oder falsche Grundpreise als Kavaliersdelikt. Das liege auch daran, dass die Einhaltung der Preisangabenverordnung praktisch nicht kontrolliert werde. Das Risiko, bei Verstößen erwischt zu werden, sei für Supermärkte und Discounter eher gering. Verbraucherschützer:innen gehen darum so weit, den betroffenen Aldi-Filialen eine Art kalkulierte Schludrigkeit zu unterstellen.   

Fehlende Grundpreise sind auch darum ein Problem, weil es in der EU nur sehr vage gesetzliche Vorgaben für Füllmengen gibt. Seit einer europäischen Gesetzesreform von 2007 dürfen Lebensmittel prinzipiell in allen Füllmengen angeboten werden. Dadurch können Produktmengen ähnlicher Produkte stark schwanken. Ein Preisvergleich nur auf Grundlage des Verkaufspreises gestaltet sich dann für Verbraucher:innen umso schwieriger.

Weiterlesen auf Utopia.de:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: