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Gender Mainstreaming: Was steckt hinter dem Begriff?

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Foto: CC0 / Pixabay / geralt

Gender Mainstreaming kommt sowohl in der Politik als auch in Organisationen und Institutionen vor. Gleichstellung ist dabei das zentrale Thema.

Unter Gender Mainstreaming versteht man allgemein, dass Frauen und Männer gleichgestellt und dabei geschlechterspezifische Unterschiede berücksichtigt werden. Gleichstellung von Männern und Frauen ist hier das zentrale Ziel. Menschen mit anderer Geschlechtsidentität sind hier bislang wenig bis gar nicht mit einbezogen.

Alle Handlungen oder Entscheidungen, die beispielsweise in der Politik oder von Organisationen und Institutionen getroffen werden, sollen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern geprüft werden. Gefragt wird, ob die Auswirkungen der jeweiligen Handlungen auch zu mehr Gleichheit führen. Tun sie es nicht, sollen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um die Gleichstellung zu erreichen. Dabei müssen auch die unterschiedlichen Lebenslagen der Frauen und Männer, unterschiedliche Interessen, sowie die Folgen der Handlungen berücksichtigt werden. An dieser Stelle bezieht Gender Mainstreaming geschlechtsspezifische Unterschiede mit ein.

Was das für Maßnahmen sein können, siehst du im nächsten Absatz an ein paar Beispielen.

Beispiele für Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming hat auch Vorteile in der Arbeitswelt.
Gender Mainstreaming hat auch Vorteile in der Arbeitswelt. (Foto: CC0 / Pixabay / 089photoshootings)

Damit du dir besser vorstellen kannst, was Gender Mainstreaming ist und welchen Sinn es hat, haben wir ein paar anschauliche Beispiele für dich:

  • Geschlechtergerechte Sprache: Sie zieht auch Trans* und Nicht–binäre Personen mit ein. Das sind Menschen, die sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde oder sich zu gar keinem Geschlecht zuordnen. Damit ist sie die einzige Maßnahme, die nicht nur Männer und Frauen betrachtet. Ihr Ziel ist es, alle Menschen auf respektvolle Art und Weise anzusprechen und dabei Diskriminierung abzubauen.
  • Gender Mainstreaming im Arbeits- und Gesundheitsschutz: Hier geht Gender Mainstreaming davon aus, dass Männer und Frauen unterschiedliche körperliche und biologische Voraussetzungen haben. Das zu berücksichtigen, ist in der Arbeitswelt beispielsweise im Bezug auf Stress oder Belastungsfähigkeit gegeben, aber auch bei der Aufgabenverteilung oder im Umgang mit Krankheiten oder deren Prävention. Bei körperlichen Arbeiten sind beispielsweise Männer aus physischen Gründen meist belastungsfähiger als Frauen. Frauen könnten außerdem einmal monatlich aufgrund von Menstruationsbeschwerden etwas entlastet werden. Eine weitere Maßnahme, die Arbeitgeber:innen ergreifen können, ist Besprechungen vormittags abzuhalten. So können auch Mütter und Väter in Teilzeit teilnehmen und ihre Interessen vertreten. Diese zu berücksichtigen ist ebenfalls fördernd und kann dazu führen, dass beispielsweise Ressourcen besser genutzt werden oder Mitarbeiter:innen motivierter sind.
  • Gender Mainstreaming in der Entwicklungspolitik: Ein Beispiel hierfür liefert der Evangelische Entwicklungsdienst. Er will mehr Geschlechtergerechtigkeit durch innere Strukturen und Programme und Projekte erreichen. Das klingt sehr abstrakt, aber einfach gesagt bedeutet es, dass der Entwicklungsdienst Beschäftigte beim Kontakthalten, beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit oder bei der Vereinbarkeit von Beruf und persönlichem Lebensalltag stärker unterstützen wollen.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen von Gender Mainstreaming

Auch rechtlich ist Gender Mainstreaming mittlerweile verankert.
Auch rechtlich ist Gender Mainstreaming mittlerweile verankert. (Foto: CC0 / Pixabay / Inactive_account_ID_249)

Die Grundlagen für Gender Mainstreaming in Deutschland bilden deutsche und europäische Gesetze. Im Folgenden haben wir die wichtigsten für dich gesammelt:

  • Im Amsterdamer Vertrag verpflichteten sich 1999 alle Länder der EU zu einer aktiven Gleichstellungspolitik im Sinne von Gender Mainstreaming. Es geht hier explizit darum, Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zu beseitigen und ihre Chancengleichheit zu fördern. Die Umsetzung kann in jedem einzelnen Land unterschiedlich ausfallen.
  • Im Jahr 2000 nahm die deutsche Bundesregierung außerdem die Gleichstellung von Frauen und Männern als Querschnittsaufgabe in die Gemeinsame Geschäftsordnung auf. Das bedeutet, dass alle Bundesministerien bei politischen, normgebenden und verwaltenden Maßnahmen verpflichtet sind, Gender Mainstreaming zu beachten.
  • Artikel drei Absatz zwei im deutschen Grundgesetz besagt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Der Staat muss dementsprechend die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördern und zusätzlich darauf hinwirken, Benachteiligung zu beseitigen.
  • Des Weiteren ist die Bundesrepublik seit der 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking im Jahr 1995 verpflichtet, Gender Mainstreaming einzuführen. Sie soll ein Konzept zur Umsetzung erstellen und die Umsetzung auch überprüfen.
  • Dazu gibt es noch die Frauenkonvention CEDAW, die sich dafür einsetzt, jegliche Diskriminierung der Frau zu beseitigen. CEDAW wurde auch in Deutschland anerkannt und erhält dadurch den Rang eines Gesetzes. Neben Deutschland ist das mittlerweile in 188 Ländern der Fall. Völkerrechtlich gesehen ist die Konvention das wichtigste Menschenrechtsinstrument für Frauen.

Kritik an Gender Mainstreaming

Aber es gibt auch Kritik am Gender Mainstreaming. Sie richtet sich sowohl gegen das Konzept selbst als auch die Umsetzung. Die beiden Hauptargumente sind dabei folgende:

  1. Gender Mainstreaming ist überflüssig, da geschlechterspezifische Unterschiede naturgegeben sind (Alltagsverständnis von Geschlecht)
  2. Gender Mainstreaming manifestiert Geschlechterrollen eher, als sie aufzulösen.

Ein Alltagsverständnis von Geschlecht geht von grundlegenden Unterschieden zwischen den Geschlechtern aus. Damit wird die teils ungleiche Verteilung von beispielsweise Geld, Macht oder Arbeit zwischen Männern und Frauen begründet. Weil Männer körperlich stärker sind, haben sie beispielsweise mehr Macht. So werden unterschiedliche gesellschaftliche Positionen gerechtfertigt. Befürworter:innen dieser Sichtweise kritisieren Gender Mainstreaming und halten es für überflüssig, da es nach Gleichstellung trotz der natürlichen Unterschiede strebt und diese berücksichtigen will.

Eine andere Gegenposition ist, dass Gender Mainstreaming nicht zu mehr Gleichberechtigung, sondern zu einer Manifestation der Rollen führt. Das hängt mit dem Konzept von Gender Mainstreaming zusammen.  Gender Mainstreaming muss zu Beginn erstmal alle Männer und Frauen erfassen, um dann ihre jeweiligen Lebenssituationen auszuwerten, Maßnahmen zu ergreifen und geschlechtsspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Durch das notwendige anfängliche „Erfassen“ wird nur die reine Anzahl der Frauen und Männer betrachtet. Das kann die Geschlechterstereotypen verfestigen.

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