Gentechnik einfach erklärt: Methoden, Kritik und Gesetzeslage zu Grüner Gentechnik

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Gentechnik – Fortschritt, der die Welt von Hunger und Pestiziden befreit oder Gefahr für Mensch für Umwelt? Hier findest du wichtige Informationen, um dir selbst eine Meinung zu bilden.

Kaum ein Thema ist so umstritten wie die grüne Gentechnik. Wir erklären dir, was Gentechnik genau ist, welche Arten von Gentechnik es gibt und welche Chancen und Gefahren sie mit sich bringt. Außerdem erfährst du, ob Gentechnik in Deutschland erlaubt ist und wie du gentechnisch veränderte Lebensmittel erkennst.

Was ist Gentechnik?

Gentechnik greift gezielt in die DNA von Lebewesen ein
Gentechnik greift gezielt in die DNA von Lebewesen ein (Foto: CC0 / Pixabay / typographyimages)

Gentechnik bezeichnet gezielte Eingriffe in das Erbgut von Lebewesen, durch welche die DNA verändert wird. Dadurch entstehen sogenannte gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Wenn es sich bei den GVO um Pflanzen handelt, spricht man von grüner Gentechnik. Anders als in der herkömmlichen Züchtung werden bei der grünen Gentechnik einzelne Gene ausgetauscht, teilweise auch von anderen Arten. In der konventionellen Züchtung hingegen werden nur Pflanzen der gleichen Art gekreuzt. Auch hier gibt es Genmutationen – allerdings weniger gezielt und nur durch natürliche Einflüsse, wie beispielsweise Kälteschocks.

Durch Gentechnik kann man das Erbgut eines Organismus gezielt verändern – ganz grob gibt es zwei verschiedene Sorten von GVO:

  • HT-Pflanzen sind gentechnisch so verändert, dass sie tolerant gegen Herbizide sind. Viele Felder werden so stark gespritzt, dass auch die Ernte darunter leidet – HT-Pflanzen sollen das verhindern. Dafür werden Gene von bestimmten Bakterien in die DNA der Pflanze übertragen. Dieses Gen macht die Pflanze resistent gegen Herbizide – so kann weiter gespritzt werden, ohne dass sich das auf die Ernte auswirkt. HT-Pflanzen machen mit einem Anteil von über 50 Prozent den Großteil der GVO aus.
  • BT-Pflanzen wehren selbstständig Schädlinge ab. Auch ihnen werden dafür Gene aus bestimmten Bakterien in ihre DNA eingepflanzt. Das übertragene Gen produziert ein Gift, das für Insekten tödlich ist – so sollen Pestizide vermieden werden, da die Pflanze Schädlinge selbstständig bekämpft. Das gleiche Gift, das BT-Pflanzen produzieren, wird bereits seit Jahrzehnten als Pestizid benutzt – auch in der ökologischen Landwirtschaft. Reine BT-Pflanzen haben einen Anteil zwischen zehn und 20 Prozent aller GVO.

Etwa 30 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen weisen beide Eigenschaften auf: Sie sind sowohl tolerant gegenüber Herbiziden und wehren eigenständig Insekten ab.

Einsatzgebiete von Gentechnik

Die meisten GVO werden in Monokulturen angebaut
Die meisten GVO werden in Monokulturen angebaut (Foto: CC0 / Pixabay / Glavo)

Die grüne Gentechnik konzentriert sich fast ausschließlich auf Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Diese Pflanzen werden oft in großem Stil in Monokulturen angebaut – Umstände, unter denen es sich lohnt, Herbizide und Pestizide zu sparen.

Weltweit wachsen gentechnisch veränderte Pflanzen laut dem NABU auf rund drei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die fünf Länder, in denen am meisten GVO angebaut werden, sind die USA, Kanada, Brasilien, Argentinien und Indien. Der Großteil der GVO wird nicht für Lebensmittel verwendet, sondern vor allem zu Masttierfutter weiterverarbeitet.

Wie funktioniert Gentechnik?

Gentechnik wird ständig weiterentwickelt
Gentechnik wird ständig weiterentwickelt (Foto: CC0 / Pixabay / Herney)

Es gibt unterschiedliche Verfahren, mit denen man die pflanzliche DNA verändern kann. Hier findest du einen Überblick über die häufigsten Methoden:

  • Im klassischen Verfahren wird die DNA der Pflanze aufgeschnitten und in eine Lösung gelegt, die Bakterien enthält. Die Bakterien schleusen dann ihre eigene Erbinformation in die der Pflanze ein. Die Ergebnisse dieser Methode sind nicht so genau, da man nicht bestimmen kann, welche Gene die Bakterien wo in die DNA einbauen.
  • Eine weitere Methode ist die Genkanone. Einzelne DNS-Teilchen aus den Bakterien werden zunächst extrahiert und auf Gold- oder Wolframpartikel angelagert. Zusammen mit einer Flüssigkeit kommen diese Partikel dann in eine spezielle Kanone und werden auf die pflanzliche DNA geschossen. Da Gold und Wolfram eine sehr hohe Dichte haben, können sie in die DNA eindringen und dort die Gene aus den Bakterien einschleusen.
  • Einige GVO entstehen durch chemische Mutagenese. Das bedeutet, dass sich die Genetik der Pflanze durch spontane Mutationen verändert. Diese entstehen meist durch Chemikalien oder radioaktive Bestrahlung. Auch hier ist das Ergebnis sehr ungenau, da man oft nicht voraussehen kann, wie die Genetik mutiert.
  • Die bisher genauste Technik ist das CRISPR/Cas-Verfahren. Dafür hat sich die Genforschung viel vom Immunsystem bestimmter Bakterien abgeguckt. Diese Bakterien können sich Krankheitserreger merken und deren DNA zerschneiden, wenn sie infiziert werden. Übertragen auf die Gentechnik ist es mit diesem Verfahren möglich, pflanzliche DNA präzise zu zerschneiden – an nahezu jeder beliebigen Stelle. Dort können dann andere Gene eingepflanzt werden.

Chancen und Versprechen der Gentechnik

Gentechnik verspricht weniger Verluste bei der Ernte
Gentechnik verspricht weniger Verluste bei der Ernte (Foto: CC0 / Pixabay / weiguan)

GMOs sind für viele Bauern deshalb attraktiv, weil man durch sie Schädlinge effizienter bekämpfen kann. Schädlinge sind ein großes Problem in der Landwirtschaft. Sie zerstören Pflanzen zwar nicht unbedingt, aber hinterlassen sie meist verwundet. So können sich giftige Pilze in der Pflanze ansiedeln. Deren Gifte bleiben oft in der Pflanze und werden mit ihr verzehrt – meistens von Masttieren. Als Folge können die Tiere unfruchtbar werden oder Tumore entwickeln. Die Gifte sind so stark, dass man sie teilweise noch in der Kuhmilch nachweisen kann – sie kommen durch die Nahrungskette also bis in unsere Küche.

In der konventionellen Landwirtschaft benutzt man viele und starke Pestizide, um zu verhindern, dass Schädlinge den Pflanzen schaden. Wenn Pflanzen selbstständig Schädlinge abwehren, muss weniger gespritzt werden – das ist gut für unsere Gesundheit und für die Artenvielfalt.

Ein weiteres Versprechen der Gentechnik sind höhere Erträge bei der Ernte. Auf Monokultur-Feldern wachsen oft hartnäckige Unkräuter, die mit aggressiven Herbiziden bekämpft werden. Diese Herbizide greifen leider auch die Kulturpflanze an und schmälern somit die Ernte. Mit HT-Pflanzen passiert das nicht mehr, da sie tolerant gegenüber Herbiziden sind. Im Ergebnis kann man auf der gleichen Anbaufläche also mehr ernten. Das ist natürlich eine große Chance, vor allem für den Globalen Süden, wo Hungersnöte und Nahrungsmittelknappheit durch gentechnisch veränderte Pflanzen bekämpft werden könnten.

Die Gentechnik geht hier sogar noch weiter und versucht, Pflanzen mit zusätzlichen Mineralien und Vitaminen anzureichern. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist der sogenannte Golden Rice. Er enthält viel mehr Vitamin A als normaler Reis und soll damit typischen Mangelernährungen in Südostasien vorbeugen. In der Praxis funktioniert das allerdings noch nicht ganz – der Golden Rice wird seit über 20 Jahren erforscht und ist noch nicht zugelassen.

Gentechnik – Kritik und Gefahren

Gentechnik-Felder werden manchmal mehr gespritzt als konventionelle Felder
Gentechnik-Felder werden manchmal mehr gespritzt als konventionelle Felder (Foto: CC0 / Pixabay / PublicDomainPictures)

Die Chancen der Gentechnik sind also groß – leider bringt sie aber auch einige Gefahren mit sich:

  • Gentechnik ist oft nicht so genau, wie die Forschung es sich wünscht. Selbst bei den modernsten Verfahren kann es zu sogenannten off-target Effekten kommen. Das bedeutet, dass auch Gene verändert werden, die eigentlich nicht verändert werden sollen. Das kann zu unerwünschten Langzeit-Effekten führen.
  • Generell sind die Langzeitfolgen von gentechnischen Verfahren nicht absehbar. Oft ist weder der genaue Ort der Zielgene bekannt, noch ihre genauen Funktionen – sie haben nämlich mehr als eine Wirkung und befinden sich in Wechselwirkung mit anderen Genen. Deshalb kann es zu überraschenden Nebeneffekten kommen.
  • Andere Organismen, wie zum Beispiel Unkräuter und Insekten, passen sich an die gentechnisch veränderte Pflanze an. Das führt dazu, dass Insekten resistent gegenüber den pflanzlichen Giften der GVO werden und Unkräuter teilweise die Resistenz der HT-Pflanzen übernehmen, wodurch sogenannte „Superunkräuter“ entstehen.
  • Die Folge davon ist, dass stärker gespritzt werden muss, oft sogar mehr als auf Feldern ohne GVO – obwohl Gentechnik genau diese Mittel überflüssig machen will. Diese belasten nicht nur die Umwelt sehr stark, sondern schädigen auch unsere Gesundheit: In Argentinien beispielsweise leiden die Menschen, die in der Nähe von GVO-Feldern leben, unter erhöhtem Krebsrisiko, weil die Luft zu sehr mit Pestiziden belastet ist.
  • Über die Luft können sich die GVO mit anderen, traditionellen Pflanzen vermischen – zum Beispiel, indem ihre Pollen andere, nicht-transgene Pflanzen befruchten. So wird die biologische Vielfalt in der Pflanzenwelt beeinträchtigt. Außerdem gefährden die pflanzlichen Gifte aus BT-Pflanzen die Vielfalt der Insekten. Sie sind ein wichtiger Teil im Öko-Kreislauf und eine wichtige Futterquelle für andere Lebewesen.
  • Die Hersteller der GVOs patentieren ihr Saatgut und schaffen sich so ein Monopol: Das bedeutet, dass Landwirte keine Samen aus ihrer Ernte aussäen dürfen, sondern das Saatgut jedes Jahr neu kaufen müssen. Da das Saatgut von GVO teurer ist als herkömmliche Samen, müssen die Landwirte größere Flächen bewirtschaften als zuvor. Dafür müssen sie häufig Kredite aufnehmen und werden doppelt abhängig – vom Saatgutkonzern und von der Bank.

Sind gentechnisch veränderte Pflanzen bei uns erlaubt?

Gentechnik wirkt sich negativ auf die Bio-Diversität aus
Gentechnik wirkt sich negativ auf die Bio-Diversität aus (Foto: CC0 / Pixabay / rostichep)

In Deutschland werden seit 2012 generell keine gentechnisch veränderten Pflanzen für Lebens- oder Futtermittel angebaut.

Nach Europäischem Recht wäre dies aber möglich. Die EU hat beschlossen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell angebaut werden dürfen, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Dazu gehört unter anderem, dass die Pflanze nach aktuellem Forschungsstand nicht schädlich für Menschen, Tiere oder die Umwelt sein darf – eventuelle unerforschte Langzeitfolgen werden dabei nicht berücksichtigt. Die strengen Auflagen erfülllen bisher nur zwei Sorten gentechnisch veränderter Pflanzen – der BT-Mais MON 810 und die Kartoffelsorte Amflora. Sie dürfen in der Europäischen Union angebaut werden. Da Gentechnik sowohl in der Wissenschaft als auch in der Bevölkerung umstritten ist, kann sich jeder Mitgliedstaat komplett gegen grüne Gentechnik entscheiden – so wie Deutschland.

Gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel, die in Ländern außerhalb der EU angebaut werden, müssen zugelassen werden, bevor sie hier verkauft werden dürfen. Dafür dürfen sie sich nicht negativ auf die Gesundheit von Menschen, Tieren oder der Umwelt auswirken und den Verbraucher nicht irreführen.

Bei Bio-Lebensmitteln in der bewusste Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen grundsätzlich verboten – auch als Futtermittel für Tiere. Da Bio-Lebensmittel zufällig durch GVO verunreinigt werden können, liegt der Schwellenwert bei 0,9 Prozent – selbst Bio-Lebensmittel müssen also nicht komplett gentechnik-frei sein.

Wie erkenne ich gentechnisch veränderte Lebensmittel?

Produkte mit dem "Ohne Gentechnik"-Siegel werden streng kontrolliert
Produkte mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel werden streng kontrolliert (Foto: Melanie Hagenau/ Utopia)

In der EU müssen alle Lebensmittel, die mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, gekennzeichnet werden. Der Hinweis muss gut lesbar auf dem Etikett vermerkt sein. Außerdem bekommt jedes gentechnisch veränderte Produkt einen speziellen Erkennungsmarker aus Buchstaben und Zahlen. Mit diesem Marker kannst du das Produkt lückenlos bis zu seinem Erzeuger zurückverfolgen.

Tierische Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier von Tieren, die gentechnisch veränderte Futtermittel bekommen haben, müssen jedoch nicht gekennzeichnet werden.

Wenn du sichergehen möchtest, dass keine gentechnisch veränderten Pflanzen auf deinem Teller landen – auch nicht über den Umweg als Tierfutter – kannst du entweder auf Bio-Lebensmittel zurückgreifen oder Lebensmittel kaufen, die das „Ohne Gentechnik“ – Siegel tragen. Die Lebensmittel, die dieses Siegel tragen, werden sehr streng kontrolliert und dürfen keine gentechnisch veränderten Bestandteile aufweisen. Das Siegel vergibt der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V.. Er wurde dafür vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ermächtigt.  Der Verband stellt auch online eine Übersicht über gentechnik-freie Lebensmittel zur Verfügung.

Mehr Informationen: Genetisch veränderte Lebensmittel (GMOs): So vermeidest du sie

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