BPA in Kassenbons und Kassenzetteln

Kassenzettel Kassenbon BPA
Foto: Utopia/vs

Ob Supermarkt, Restaurant oder Apotheke: Überall bekommt man einen Kassenbon in die Hand gedrückt. Dass der Kassenbon oft giftige Stoffe enthält und daher nicht ins Altpapier gehört, wissen viele nicht. Besonders Kinder sollten nicht mit Quittungen spielen.

Die Chemikalie Bisphenol A (BPA) findet sich in vielen Alltagsprodukten: in Kunststoffen, in Spielzeug, in Lebensmittelverpackungen – und in Kassenzetteln. Ein Kassenbon besteht oft aus Thermopapier, in dem Bisphenol A als Farbentwickler dient. Die BPA-Schicht auf dem Papier ändert die Farbe, wenn sie Hitze ausgesetzt ist; somit erscheinen die gedruckten Zahlen auf dem Bon.

Verbot von BPA im Kassenbon kommt 2020

Bisphenol A kann laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schon in niedrigen Konzentrationen hormonell auf den Menschen wirken: Es kann das Hormonsystem verändern, die Entwicklung von Babys im Mutterleib stören und die Fortpflanzung beeinträchtigen. Es sei bei über 90 Prozent der Einwohner von Industriestaaten im Blut und im Urin nachweisbar, so der BUND.

Daher ist die Chemikalie seit 2011 in der EU in Kunststoff-Babyflaschen verboten. In Frankreich darf BPA seit 2015 zudem nicht mehr in Lebensmittelverpackungen verwendet werden. Letztes Jahr verbot die EU-Kommission BPA in Thermopapier – 2020 wird das Verbot jedoch erst tatsächlich umgesetzt und gilt dann auch für den Kassenbon.

Wie viel Bisphenol A ist gesundheitlich unbedenklich? Im Januar 2015 senkte die EU Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den täglichen Grenzwert von Bisphenol A auf vier Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht – vorher betrug der Grenzwert 50 Mikrogramm.

BPA im Kassenbon: Kassenzettel enthalten oft Bisphenol A
BPA im Kassenbon: Kassenzettel enthalten oft Bisphenol A (Foto: © industrieblick - Fotolia.com)

Etliche Thermopapier wie Kassenzettel und Fahrkarten gehören durch ihre spezielle Beschichtung und die darin enthaltenen Chemikalien nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll. Landen sie trotz sorgfältiger Sortierung doch im Recyclingkreislauf, kann das in ihnen enthaltene BPA etwa in Form von Recyclingtoilettenpapier in Kontakt mit Mensch und Umwelt kommen.

Kassenzettel: Kinder sollten nicht damit spielen

Laut Umweltbundesamt (UBA) nehmen wir Bisphenol A vor allem durch die Nahrung auf – durch in Kunststoff verpackte Lebensmittel. So hatten Teilnehmer einer amerikanischen Studie nach dem Konsum von Dosensuppen eine fast 20-fach höhere Bisphenol A-Konzentration im Urin als die Vergleichsgruppe.

Aber auch durch Thermopapier wie Kassenzettel kann Bisphenol A über die Haut in unseren Organismus gelangen. Somit ist Thermopapier die zweitgrößte Quelle für den Kontakt mit BPA, schätzt die EFSA.

Thermopapier enthält laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zwischen 0,5 und 3,2 Prozent Bisphenol A, das nicht fest im Material gebunden ist und somit leicht herausgelöst werden kann. Noch sei es unklar, wie viel Bisphenol A tatsächlich aus dem Thermopapier über die Haut aufgenommen wird. Laut EFSA würden mehr Daten benötigt, „insbesondere in Bezug auf die Absorption von BPA über die Haut und die Gewohnheiten im Umgang mit Kassenbons“, um eine finale gesundheitliche Einschätzung geben zu können.

Das BfR rät nichtsdestotrotz: „Kinder [sollten] nicht mit Kassenzetteln, Quittungen und Fahrscheinen aus Thermopapieren spielen. Gerade bei kleineren Kindern ist nicht auszuschließen, dass sie diese beim Spielen in den Mund nehmen und so Bisphenol A aus dem Papier oral aufnehmen könnten.“

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Besonders kleinere Kinder sollten nicht mit Thermopapier spielen. (Foto: © Pixabay / CC0)

Besonders für das Kassenpersonal sei der Kontakt mit BPA-beschichteten Kassenbons kritisch – schließlich halten sie täglich viele Kassenzettel in der Hand: „Vor allem Schwangere, die an ihren Arbeitsplätzen mit Kassenbons und anderen Bisphenol-belasteten Schriftstücken in Berührung kommen, werden inakzeptablen Risiken ausgesetzt – denn Ungeborene und Kleinkinder sind durch BPA besonders gefährdet“, warnt der BUND.

14 von 19 Kassenbon-Proben enthielten Bisphenole

Doch enthalten alle Kassenbons BPA? 2016 untersuchte der BUND stichprobenartig Kassenzettel, Eintrittskarten und Kofferetiketten auf Schadstoffe: In 14 von 19 untersuchten Proben wurden BPA oder BPS (Bisphenol S) nachgewiesen. Die höchsten BPA-Werte wurden bei Kassenbons von Shell- und Aral-Tankstellen und der Drogeriekette Rossmann nachgewiesen. Auch Eintrittskarten der Kinogruppe Cinestar waren betroffen, diese hat jedoch sofort nach Erscheinen der Studie ihr Papier umgestellt – alle Cinestar-Bons und -Eintrittstickets sollen dort jetzt BPA-frei sein.

Bisphenol S wird oft als Ersatz für Bisphenol A in Thermopapier eingesetzt. Das UBA sieht Bisphenol S aufgrund der chemisch sehr ähnlichen Struktur ebenso kritisch wie BPA: „Für sie (Bisphenole, Anmerk. d. Red.) und andere Alternativen liegen zum Teil noch nicht ausreichend Daten vor, um ihr Gefahrenpotenzial endgültig einschätzen zu können. Produkte, die mit dem Label „Bisphenol A-frei“ gekennzeichnet sind, müssen daher nicht immer eine optimale Lösung sein.“

Stark belastete Kassenzettel in der Gastronomie

Es gibt viele Unternehmen, die BPA-freie Kassenbons bereits einsetzen. In Österreich haben laut einer Untersuchung des Vereins für Konsumentenschutz (VKI) fast alle großen Supermarktketten auf BPA-freies Papier umgestellt.

Und wie sieht es in Deutschland aus? Wir haben stichprobenartig bei Supermärkten und Drogerien angefragt: Rewe verwende bereits seit 2012 bisphenolfreie Etiketten und Kassenzettel. Auch beim veganen Supermarkt Veganz würden bisphenolfreie Kassenbons verwendet, die Kunden würden zudem vorab gefragt, ob sie den Kassenzettel ausgedruckt haben möchten oder nicht. In den dm-Märkten und bei Edeka kommen ebenfalls phenolfreie-Bonrollen zum Einsatz. Beim Bio-Supermarkt denn’s steht auf den Kassenzetteln „hergestellt ohne Einsatz von Bisphenol“. Auch der Discounter Aldi macht auf seinen Kassenzetteln klar: „Aldi-Bonrollen werden auf komplett phenolfreiem Thermopapier hergestellt.“

Kassenzettel Kassenbon BPA frei
Kassenzettel von Rewe (links) und Veganz (rechts) (Foto: Utopia/vs)

Doch auch, wenn in den Supermärkten bereits BPA-freie Kassenzettel über die Theke wandern, in Geschäften aller Art kommen wir ebenfalls in Kontakt mit Kassenbons – und ob diese frei von BPA oder BPS sind, kann man mit bloßem Auge nicht erkennen.

Der österreichische VKI stellte in einem Test von 2017 fest, dass nur 30 der 337 untersuchten Quittungen frei von BPA waren. Viele der stark belasteten Bons stammten aus der Gastronomie und Apotheken.

BPA meiden: Tipps für den Alltag

Wir kommen also ziemlich oft in Kontakt mit möglicherweise belastetem Thermopapier, sei es als Bahnticket, Kassenzettel, Faxpapier oder Kontoauszug. Bis zum EU-Verbot 2020 können wir selbst etwas tun.

Wir können zum Beispiel überlegen, ob wir den Kassenbon wirklich brauchen. Wenn nicht, bitte die Kassierer darum, ihn nicht auszudrucken. Achte zudem darauf, Thermopapier im Restmüll zu entsorgen – lies dazu auch: Darf der Kassenbon ins Altpapier?

Wasche deine Hände, wenn du entsprechendes Papier angefasst hast und lass keine Kinder damit spielen. Lagere Kassenzettel nicht in deiner Geldbörse!

Meide den gesundheitsschädlichen Stoff auch in diesen Alltagsbereichen:

  • Wärme fetthaltiges Essen nicht in Verpackungen aus unbekanntem Kunststoff auf, BPA ist fettlöslich.
  • Kaufe frische und unverpackte Lebensmittel, auf dem Wochenmarkt auch ohne Kassenzettel möglich.
  • Meide Konservendosen, die Innenbeschichtung kann BPA enthalten.
  • Lagere deine Lebensmittel in Glas-, Stahl- oder Keramikbehältern.

Eine ausführliche Broschüre zu Bisphenol A gibt es beim UBA (PDF) und beim BUND (PDF); das BfR gibt ebenfalls Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten.

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(4) Kommentare

  1. Warum gibt es eigentlich seit einigen Jahren fast nur noch Kassenzettel, die man kopieren muss, weil sie im Lauf der Zeit (ziemlich schnell sogar) die Farbe verlieren und somit unleserlich (z.B. als Garantie-Bon) werden? – Ist ja nicht gerade umweltfreundlich, aus so einem kleinen Kassenbon ein DIN A4 Papier zu machen. – Und außerdem: Warum soll ich auf meine Kosten einen Bon erstellen wenn der Laden wo ich gekauft habe, mir die Garantie geben muss?!

    Ilka

  2. Durch VORSICHTIGES Erhitzen (Herdplatte, Bügeleisen) kann man sie meist wieder leserlich machen. Noch besser ist, die Dinger gleich zu scannen oder abzufotografieren und im Smartphone oder auf Festplatte zu archivieren.

  3. Schon erschreckend, womit wir ständig in Kontakt kommen. Mittlerweile verzichte ich auch oftmals auf den Kassenbelegt. Habe aus Neugier etwas weiter recherchiert zum Thema BPA und der Fakt, dass Konservendosen auch diesen Stoff haben hat mich etwas schockiert, zumal ich in der Vergangenheit den Inhalt in der Mikrowelle direkt in der Dose erwärmt habe.
    Hatte auch einen Interessanten Artikel entdeckt und war danach etwas schockiert über Regierungen und die EU, die einfach kein Gesetz oder Verbot erlassen.
    http://trinkflaschen-ratgeber.de/was-ist-bpa-und-warum-meiden/
    Bleibt zu hoffen, dass sich bald was ändert und man besser aufgeklärt wird, da ich denke, dass die meisten sich der Gefahren nicht bewusst sind.

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