Warum du die Küchenrolle aus deiner Küche verbannen solltest

Die Böse Küchenrolle wird aus der Küche verbannt
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Warum du keine Küchenrolle brauchst und welche Alternative zu Küchenpapier du garantiert schon im Haus hast – das verrät dir Utopia. 

Die meisten Menschen haben eine Rolle Papiertücher in der Küche stehen – denn so eine Küchenrolle ist praktisch: wenn die Sahne umkippt, man Fleisch trocken tupfen will oder einen Taschentuch-Ersatz braucht. Die Küchenrolle ist immer schnell zur Hand – doch wie nachhaltig ist Küchenpapier eigentlich?

7 Milliarden Küchenrollen jährlich – in Deutschland

Umgerechnet soviel Hygienepapier (Küchenpapier, Taschentücher, Klopapier) verbraucht Deutschland im Jahr. Abgerollt könnte man damit die Erde 2.100 Mal umwickeln. Die Tendenz ist steigend: In den vergangenen zehn Jahren stieg der Verbrauch von Hygienepapier pro Kopf von 11 Kilogramm auf 18 Kilogramm (WWF). Welchen Einfluss hat das auf unsere Umwelt?

Die Papierindustrie gehört laut Umweltbundesamt zu den fünf energieintensivsten Branchen in Deutschland. Die Papierherstellung bringt einen hohen Wasserverbrauch mit sich, die Produktion von Papier benötigt außerdem jede Menge Energie und Chemikalien.

Jeder fünfte Baum, der abgeholzt wird, fällt für die Papierproduktion. Machen wir unser Papier aus heimischen Wäldern? Nein: In Deutschland werden etwa 80 Prozent des Zellstoffs für die Papierherstellung importiert. Der größte Teil davon kommt aus Schweden, Finnland, Russland und den USA.

Der Anteil aus tropischen Regionen ist zwar gering, über Drittländer ist der Import tropischer Hölzer dennoch möglich. In Indonesien ist wegen der Papierindustrie bereits der Regenwald bedroht. Aber auch in Brasilien machen die riesigen Plantagen auf landwirtschaftlichen Flächen der Bevölkerung Probleme. Auf der Suche nach neuen Anbauflächen für Lebensmittel roden die Anwohner dann Urwaldbestände. Zusätzlich belasten die Plantagen die Umwelt mit Pestiziden und chemischen Düngern und verbrauchen viel Wasser.

Bäume abholzen, um daraus Küchenrollen zu machen?

Ja, Küchenpapier ist praktisch. Aber es ist ein reines Wegwerfprodukt: Wir wischen was damit weg, danach werfen wir es in den Müll. Von dort kann es nicht recycelt werden, es ist für den Wertstoffkreislauf verloren. Doch was sind die Alternativen?

Besser ist Papier mit dem FSC oder PEFC-Siegel. Es kommt aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung, aber auch hier landen die Bäume ziemlich schnell im Mülleimer.

Noch besser ist es, recyceltes Küchenpapier zu nehmen. Doch das ist nicht beliebt: Nur rund 55 Prozent des Hygienepapiers bestehen aus Recyclingfasern, die Tendenz ist rückläufig: 1999 waren es noch 71 Prozent. Recycling-Hygienepapier wird meist nur öffentlich verwendet – etwa für Klopapier auf öffentlichen Toiletten. Der Anteil an recyceltem Küchenpapier in privaten Haushalten ist leider gering.

Jede Küchenrolle war mal ein Baum
Jede Küchenrolle war mal ein Baum (© Wissmann Design - Fotolia.com)

Aber auch recyceltes Küchenpapier ist keine echte Alternative zu normalem Küchenpapier. Beide Varianten sind in Plastik verpackt, nicht wiederverwendbar und werden trotz aufwendiger Herstellung nach einmaliger Verwendung weggeschmissen.

Die wiederverwendbare Küchenpapier-Alternative

Es gibt eine viel bessere Alternative zur Küchenrolle, und du hast sie schon im Haus: Geschirrhandtücher oder Lappen aus Baumwolle. Das sieht auch das Umweltbundesamt so: „Nutzen Sie papierfreie Alternativen wie waschbare Stofftaschentücher, Stoffhandtücher und Stoffservietten oder Wischtücher.“

Geschirrhandtücher oder Lappen haben gegenüber der Küchenrolle entscheidende Vorteile:

  • Längere Lebensdauer: Bis man einen Lappen wirklich nicht mehr verwenden kann, vergeht sehr viel Zeit.
  • Zero Waste: Lappen und Tücher können sehr oft wiederverwendet werden und machen deshalb keinen Müll.
  • Weniger Kosten: Wiederverwendung bedeutet seltener Neues kaufen – das schont den Geldbeutel. Vielleicht hast du sogar ausrangierte T-Shirts oder alte Handtücher, die du ganz leicht zu neuen Lappen upcyceln kannst.
  • Höhere Effizienz: Oft reicht ein Küchenpapier nicht aus, um etwas aufzuwischen. Ein saugstarker Lappen ist die bessere Alternative.
  • Reißfest: Wer kennt es nicht? Zwar verspricht die Werbung immer wieder, das Küchenpapier sei reißfest – am Ende reißt es im entscheidenden Moment dann aber doch. Mit Lappen und Tüchern kann dir das nicht passieren.

Der einzige Nachteil an Lappen und Tüchern: man muss sie waschen. Worauf du beim Waschen achten solltest, erfährst du im Utopia-Artikel Wäsche waschen, aber nachhaltig: 10 Tipps.

7 Milliarden Küchenrollen verbraucht Deutschland pro Jahr
7 Milliarden Küchenrollen verbraucht Deutschland pro Jahr (© aradaphotography - Fotolia.com)

Utopia-Fazit: weniger Küchenrolle ist besser

Wir wollen niemandem die Küchenrolle madig machen. Doch Küchenpapier ist aufwändig in der Herstellung, verbraucht viel Wasser und Energie und schadet der Umwelt. Geschirrtücher und Baumwolllappen können fast alles, was die Küchenrolle auch kann. Wer trotzdem ab und zu Küchenpapier verwenden möchte, sollte Küchenrollen aus recyceltem Papier, z.B. von Memo (erhältlich auf** memolife.de) oder Danke (erhältlich bei** Windeln.de, Allyouneed Fresh oder Amazon), nehmen – achte dabei auf den Blauen Umweltengel.

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(26) Kommentare

  1. Witziger Artikel. Ziemlich polemisch und bringt Küchenrollenproduktion mit der Problematik der Nutzbarmachung des Regenwaldes für Lebensmittelproduktion in Verbindung… Schließlich könne man ja nicht ausschließen, dass über Drittwege dort angebautes Holz in der Rolle landet.
    Auch 7 Milliarden Rollen als Aufhänger zu nehmen, nur um im darauf folgendem Absatz zu erwähnen, dass es eben nicht nur Küchenrollen sind, ist billige Meinungsmache. Schade, der Artikel ist für mich vergeudete Zeit gewesen.
    Ich denke die Küchenrolle ist nicht wirklich unser Problem. Wegwerfmöbel von Ikea, Plastik-Verpackungsmaterial, einzeln engeschweißte Gurken etc. … -Da könnte die Gesellschaft was an sich ändern.

  2. Auch utopia.de benutzt Clickbaiting – reißerische, aber das Ende offen lassende Titel – man klickt drauf – es kommt fast kein Inhalt, aber ordentlich Werbung.

  3. Anfangen sollte man die unnötigen kostenlosen Anzeigenblätter diverser Zeitungen,
    welche den Briefkasten zu müllen. Hier wäre jedoch der Gesetzgeber gefordert.

  4. Jürgen Ziegler – wo jede/r anfängt sollte ihm/ihr überlassen bleiben – Hauptsache er/sie fängt an ;). Schön das du bei den Anzeigenblättern angefangen hast, mach weiter so 🙂

  5. Wie du schon erwähntest gibt es einige Baustellen, an denen es Verbesserung bedarf – Küchenpapier ist da nur eine von vielen. In keinem Satz des Artikels steht, das mit dem Ende der Küchenrolle die Erde gerettet wäre ;).

  6. Ich schließe mich an!
    Empfand den Artikel als Zeiverschwendung. Sehr viele vage oder falsche Informationen über Küchenpapier. Dass es günstige Recycling-Küchenrollen auch bei DM oder im örtlichen Biomarkt gibt, wird verschwiegen, weil es dann dafür keine Provision vom Shop an Utopia gibt… schöne neue Welt.

    Ist es zu offensichtlich, oder warum wurde im Artikel eigentlich nie der entscheidende Vorteil von Küchenrolle erwähnt? Sie ist dem Küchentuch aus Baumwolle beim typischen Gebrauch hygienisch weit überlegen. Wer sein Küchentuch 1x die Woche wechselt, züchtet darauf in der Zwischenzeit alle möglichen Keime, die ins Essen gelangen können. Gesunde Menschen kommen damit in der Regel klar. Aber wer sagt, dass nicht ein oder zwei Krankheitstage im Jahr durch Küchenrolle im Jahr vermieden werden können?

  7. Wenn es darum geht, möglichst viel Müll zu vermeiden und auch mit Papier sparsam umzugehen, dann frage ich mich, warum hier ausschließlich auf Onlinehändler verwiesen wird, um Küchenrollen aus Altpapier zu kaufen, wobei das Papier für den Versand ja noch einmal extra verpackt werden muss. Küchenrollen, Toilettenpapier und Taschentücher aus recycelten Fasern gibt es in jedem vernünftigen Supermarkt sowie in Drogeriemärkten.
    Ich benutze Küchenpapier (recycelt), um Flüssigkeiten und andere Dinge aufzuwischen, die sich nicht so einfach wieder aus Stofftüchern herauswaschen lassen.

  8. Lieber Richard,
    es geht ja nicht darum, eine Woche lang (Gott, wie eklig) das gleiche Küchentuch zu verwenden, sondern darum, statt Papiertuch ein Stofftuch zu benutzen. Hygienisch funktioniert das so: Ich backe Plätzchen und kleckere dabei fröhlich vor mich hin, benutze zum Wegwischen ein frisch gewaschenes Stofftuch und tue es am Band oder auch mal gleich weg in die Wäsche. Wenn ich mit Fleisch hantiere, kommt das benutzte Tuch eben nach einmaligem Einsatz in die Wäsche. Ich wasche nicht wesentlich öfter oder mehr als vorher, wenn es hoch kommt, vielleicht eine Maschine im halben Jahr mehr.
    Ich finde es einfach nur praktisch. Nicht mehr diese Riesenteile Küchenrolle nach Hause schleppen und auch nicht ohne dastehen, wenn ich vergessen habe, nach zukaufen.

  9. Ich verwende die Küchenrolle vor allem um fettige Pfannen auszuwischen. Wenn man dafür Stofftücher nimmt, braucht man Unmengen von Waschmittel um das Öl wieder herauszubekommen. Besser man schmeißt den Lappen dann weg, oder verwendet ihn zum Feueranmachen. Aber dann kann man dafür auch die Küchenrolle nehmen. Aufwaschlappen schneider ich mir selber aus dem Rand von warmen, dünngewordenen Bettlaken. Die halten eine ganze Weile und kosten nichts.

  10. Also echt, mir sträuben sich die Haare. Habe nach Ewigkeiten mal wieder in meinen Utopia-Newsletter-Ordner geschaut. Vor Jahren hatte ich den Newsletter mal abonniert, um zu sehen, was aus diesem Utopia wird. Der Name klingt ja schon mal ganz nett. Und jetzt? Da werden alle Hygienepapiere auf Küchenrollen umgerechnet, um eine beeindruckende Zahl zu generieren. Da wird behauptet, Recyclingtoilettenpapier wäre ein exotisches Produkt. Da wird für FSC-Hygienepapier (noch nie gesehen) geworben, und zwar vor der Erwähnung von Recyclingprodukten. Doch am allerschlimmsten: Die PEFC-Zertifizierung wird direkt neben der FSC-Zertifizierung genannt und als gleichwertig dargestellt. Ich bin entsetzt. Unsubscribe.

  11. Ich lese auf Utopia.de inzwischen nur noch die Headlines und die Kommentare. Eure Leserinnen und Leser sind nämlich weitaus informierter und pfiffiger als Eure Redakteurinnen, Redakteure, sogenannte Experten… Ihr spielt gesundheitliche Probleme runter (Glutenunverträglichkeit) nur um eines guten Spruchs zu regionalen Superfoods willen, betreibt wirklich uncharmantes Clickbait (ja, es geht auch mit Stil!), gebt in Zeiten von aggressivem Hochglanz-DIY absolut altbackene Tipps zu langweiligen selbstgemachten Geschenkboxen. Liebe Utopianer, Ihr müsst da dringend was ändern, denn sonst wird Euer Geschäftsmodell leider das, was Ihr am meisten bekämpft: Unsustainable.

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