Liegt es an der Förderung? Darum sind Wärmepumpen in Deutschland so teuer

Warum sind Wärmepumpen in Deutschland so teuer?
Foto: © stock.adobe.com – Tomasz Zajda

Dass die Wärmepumpe sich in Deutschland nur langsam durchsetzt, liegt auch am Preis. Doch warum kostet die Heizung eigentlich so viel?

Vieles spricht für die Wärmepumpe als Heiztechnik der Zukunft: Sie ist die effizienteste Heizart am Markt. Sie gewinnt einen Großteil der nötigen Energie aus Umweltwärme, den Rest aus Strom – potenziell vom eigenen Dach. Damit funktioniert sie weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern und theoretisch auch klimaneutral, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stammt.

Die allermeisten technischen Hürden beim Einbau von Wärmepumpen – etwa eine schlechte Gebäudedämmung oder alte Heizkörper – lassen sich überwinden. Es bleibt aber eine: Wärmepumpen sind teuer.

So viel kosten Wärmepumpen in Deutschland

Pauschale Angaben zu den Anschaffungskosten von Wärmepumpen sind schwierig – jedes Haus hat hierzulande andere Voraussetzungen für den Anschluss. Doch grobe Schätzungen, etwa vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP), laufen meist auf einen Richtwert von etwa 30.000 Euro für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hinaus. Davon abziehen kann man staatliche Fördergelder zwischen 30 und 70 Prozent.

Selbst im günstigsten Fall bleiben am Schluss mehrere Tausend Euro, die Hausbesitzer:innen aufbringen müssen, um auf eine Wärmepumpe umzusteigen. Muss das so sein? Wie kommen die hohen Preise zustande? Und: Warum ist die Anschaffung in anderen Ländern günstiger?

Warum sind die Preise für Wärmepumpen in Deutschland so hoch?

Bei einer großen Auswertung von Angeboten für den Wärmepumpen-Einbau stellte die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im Sommer 2025 fest: Die Spannbreite der Kosten ist enorm. In der Untersuchung reichte sie von etwa 20.000 bis über 60.000 Euro.

Dabei ist es nicht so, dass teurere Geräte prinzipiell unwirtschaftlich wären. Zahlreiche Studien kommen zu dem Schluss: Mit Blick auf die aktuellen Förderbedingungen und die wahrscheinliche Entwicklung der Gas-, Strom- und CO2-Preise sparen Wärmepumpen langfristig Heizkosten ein. Natürlich könnte man aber noch viel schneller und noch mehr sparen, wenn der Anschaffungspreis geringer wäre.

Führt die Förderung zu hohen Preisen?

Auf die Frage, warum der Preis so hoch ist, bekommt man je nach Perspektive unterschiedliche Antworten. Gegenüber der WirtschaftsWoche sagte der renommierte Umweltexperte Axel Friedrich, es gebe hierzulande keinen „gesunden Wettbewerb“. Die Rede ist sogar von einem „Oligopol der Heizungshersteller“, die sich den deutschen Markt untereinander aufgeteilt hätten.

Dann ist da die staatliche Förderung. Manche glauben, Deutschland habe den Einbau von Wärmepumpen lange Zeit zu üppig gefördert. Denn vor der aktuellen Version des Gebäudeenergiegesetzes gab es für 45 Prozent Förderung eine Kostenobergrenze von 60.000. Derzeit ist die aktuelle Förderung von 30 bis 70 Prozent auf maximal 30.000 Euro Investitionssumme gedeckelt.

Eine inzwischen verbreitete Theorie lautet: Durch die prozentuale Förderung gibt es für die Hersteller keine Anreize, ihre Preise zu senken. Sie verkaufen ihre Geräte weiterhin für 30.000 Euro, weil sie es können – weil der Staat die Hälfte übernimmt.

Tatsächlich sind beispielsweise in Großbritannien Wärmepumpen-Installationen mit durchschnittlich unter 14.000 Euro deutlich günstiger. Hier gibt es eine pauschale Fördersumme von 7.500 Pfund (etwa 8.500 Euro) für das Heizungs-Upgrade. Auch in Frankreich gibt es einen individuellen festen Zuschuss statt prozentualer Förderung. Wärmepumpen kosten hier meist unter 20.000 Euro.

Ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen der Art der Förderung und den Kosten für den Heizungstausch gibt, ist trotzdem nicht ganz eindeutig.

Aufwändige Installation, komplizierte Bürokratie und Fachkräftemangel

Auf einen Grund für die vergleichsweise hohen Preise in Deutschland können sich die meisten Fachleute einigen: Hohe Installationskosten.

Das liegt einerseits am hohen Aufwand: „Viele Bestandsgebäude sind energetisch anspruchsvoll, was häufig zusätzliche Arbeiten wie Dämmung, größere Heizkörper oder den Austausch des Speichers erfordert“, erklärt Jan Rosenow, Professor für Energie- und Klimapolitik an der Universität Oxford. Dazu komme eine im internationalen Vergleich aufwändige „Normen- und Genehmigungslage“.

Für einen wichtigen Faktor hält er auch den Fachkräftemangel im Heizungs- und Sanitärhandwerk. „Die Zahl der Installateure, die Wärmepumpen fachgerecht planen und einbauen können, ist begrenzt, und die hohe Nachfrage treibt die Löhne sowie die Wartezeiten nach oben.“ Oder anders gesagt: Manchen Installationsbetrieben fehlt noch Erfahrung mit Wärmepumpen und sie gehen beim Einbau deshalb noch nicht immer effizient vor.

Die „Angstprämie“

Für das, was dann passieren kann, hat sich der Begriff der „Angstprämie“ oder „Angstzulage“ etabliert. Dem Wärmepumpen-Experten Marek Miara zufolge werden Wärmepumpen in Deutschland oft zu groß dimensioniert – weil die Handwerksbetriebe Angst haben, ein kleiner ausgelegtes Modell könnte das Haus nicht richtig erwärmen. Eine Studie der ETH Zürich stützt diese Annahme. Zwar brauchen deutsche Heizungen tatsächlich allein schon wegen der größeren Häuser und kälteren Winter mehr Leistung als etwa im Vereinigten Königreich. Doch eine unnötig leistungsstarke Wärmepumpe ist auch unnötig teurer und braucht unnötig viel Strom.

Fakt ist: Bei der Wärmepumpe kommt es mehr als bei anderen Heizungssystemen darauf an, dass alle Messungen, Berechnungen und Einstellungen genau stimmen. Nur dann kann die Heizung so sparsam wie möglich laufen. Entsprechend hoch ist der Aufwand beim Einbau.

Das sagen die Wärmepumpen-Unternehmen

Der Energieanbieter und Wärmepumpeninstallateur Octopus Energy erklärt auf Utopia.de-Nachfrage: In Deutschland liege eine durchschnittliche Installation bei etwa 30.000 Euro vor Abzug der Förderung. Im Vereinigten Königreich installiere man hingegen Wärmepumpen für umgerechnet unter 10.000 Euro. Einer Studie der RWTH Aachen zufolge kosten Wärmepumpen in Deutschland durchschnittlich etwa doppelt so viel wie in Großbritannien.

Die Gründe für den Preisunterschied laut Octopus Energy:

  • Erstens zahle man in Deutschland den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf Wärmepumpen, während sie in Großbritannien davon befreit sind.
  • Zweitens könne man in den kleineren englischen Häusern kleinere und damit günstigere Anlagen verbauen.
  • Drittens „sind die Geräte in Deutschland teurer, weil diese hier aufgrund der Regularien und Bestimmungen einen relativ hohen technischen Standard erfüllen müssen“, so Bastian Gierull, Deutschlandchef von Octopus Energy. „Das bedeutet, dass die Hersteller teils Deutschland-spezifische Geräte produzieren und dafür auch deutlich höhere Preise aufrufen.“

Weitere Branchenangehörige bestätigen hohe bürokratische und rechtliche Hürden im Gespräch mit Utopia.de.

Wärmepumpen sind schon heute für viele Einfamilenhäuser die effizienteste Lösung.
Wärmepumpe: Sind die Geräte zu teuer oder sind es die Installationskosten? (Foto: © Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V., Vaillant)

Man kann also davon ausgehen, dass die Preisunterschiede nicht allein an der Art der deutschen Förderung liegen. Davon ist auch der Bundesverband Wärmepumpe überzeugt.

„Eine generelle Preissteigerung durch die Förderung lässt sich klar verneinen.“

aus einem Faktenpapier des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP)

Der Verband wiederholt die Argumente der Branche: Die Preisunterschiede ergäben sich aus unterschiedlichen Systemgrößen und Installationsaufwänden, strengeren deutschen Regularien und „Kundenerwartungen“, teureren Handwerkskosten und der Mehrwertsteuer. Das führe aber auch zu „einem erhöhten Qualitätsanspruch“.

Werden Wärmepumpen günstiger? Darauf warten sollte man nicht

Ob man hierzulande mit den Preisen jemals so weit herunterkommt wie in anderen europäischen Ländern, ist fraglich. Denn einen einzigen Grund dafür, dass Wärmepumpen in Deutschland so teuer sind, gibt es nicht.

Um als Gesamtpaket günstiger zu werden, müssten sowohl die Preise der Geräte sinken als auch die Installationskosten. Man müsste Wege finden, den Aufwand für den Einbau zu reduzieren, Hersteller wie Fachbetriebe müssten geringere Margen in Kauf nehmen und der Staat Auflagen und Bürokratie abbauen. Branchenexperten fordern zudem ein langfristig geplantes schrittweises Abschmelzen der Förderung.

Energie-Professor Jan Rosenow glaubt:

„Langfristig können sinkende Produktionskosten, standardisierte Systeme und der Ausbau der Installationskapazitäten die Preise auch in Deutschland senken. Dafür braucht es aber Stabilität in der Förderung und eine klare Kommunikation, damit Haushalte und Unternehmen planen können, ohne durch politische Unsicherheiten verunsichert zu werden.“

Also abwarten, ob die Preise sinken? Angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren ist das nicht die klügste Strategie. Dass die Förderlandschaft unter der aktuellen Regierung günstiger wird als derzeit, ist eher unwahrscheinlich. Immerhin sind die momentanen Förderungen für Hausbesitzer:innen, die jetzt umrüsten, großzügig. Die Produkte sind ausgereift und effizient. Und dass Heizen mit Öl und Gas schon allein aufgrund des steigenden CO2-Preises immer teurer wird, ist klar.

Und dann ist da noch das Klima: Jeder Haushalt, der sich von fossilen Energien verabschiedet und CO2-ärmer heizt, trägt zum Klimaschutz bei – und dazu, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht.

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