Ohne PFC und Synthetik: In diesen Regenjacken aus Naturfasern bleibst du trocken

Regenjacken aus Naturfasern
Foto: Unsplash

Es gibt sie: Jacken, die komplett aus Naturfasern bestehen und dich bei Regen trotzdem trocken halten. Wir verraten, wann sich eine solche Jacke lohnt – und wer sie herstellt.

Müssen Regenjacken immer aus Synthetikfasern sein? Jein. Immer mehr Hersteller setzen auch bei wasserdichten Jacken auf Naturfasern. Damit sie den Regen gut abhalten, werden die Stoffe besonders eng gewebt und mit einer ökologischen Beschichtung imprägniert.

Diese Jacken sind vor allem wasserdicht – aber nicht im klassischen Sinne Regenjacken. Wer starkem Regen über mehrere Stunden hinweg ausgesetzt ist, den hält eine solche Jacke wahrscheinlich nicht dauerhaft trocken. Für die Stadt oder gelegentliche Wanderungen sind diese Jacken aus Naturfasern aber eine funktionale und umweltfreundliche Alternative zu Regenjacken aus Synthetikfasern. Mindestens einem normalen Regenschauer halten sie locker stand.

Was das Problem an herkömmlichen Regenjacken ist, erklären wir weiter unten.

Regenjacke „The Jacket“ von Jeckybeng

Regenjacken aus Naturfasern
Die wasserfeste Jacke von Jeckybeng. (Foto: © Jeckybeng)

Eine solche umweltfreundliche Jacke findet man etwa beim Nürnberger Label Jeckybeng. Dessen Jacke „The Jacket“ besteht aus besonders eng gewebter Bio-Baumwolle. „Der Stoff ist auf Grund seines Garns und der dichten Webart wasserdicht“, erklärt Gründer Moritz Lorenz Utopia.

Wie schnell ein Stoff Wasser durchlässt, erkennt man an der sogenannten Wassersäule. Je höher diese ist, desto wasserdichter ist der Stoff. Die Jacke von Jeckybeng hat eine Wassersäule von bis zu 1.000 Millimeter.

Den Stoff bezieht das Label von einem GOTS-zertifizierten (Global Organic Textile Standard) Betrieb in Taiwan. Dabei gewährleistet das GOTS-Siegel nicht nur die umweltfreundliche sondern auch die sozialverträgliche Produktion des Materials. Die Jacke selbst wird in Polen produziert. Sie ist unisex, kann also sowohl von Frauen als auch von Männern getragen werden.

„Lenne“ und „Frede“ von Nordwärts

Regenjacken aus Naturfasern
Die Allwetterjacke von Nordwärts. (Foto: @ Nordwärts)

Das nachhaltige Outdoor-Label Nordwärts verwendet für seine Allwetterjacken ein ähnliches Material: Norrtek besteht ebenfalls aus dicht verwebter, GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Das Material gibt es zwar schon länger, Nordwärts hat den Stoff allerdings zusammen mit dem Hersteller weiterentwickelt und den Markennamen patentieren lassen.

Die beiden Modelle Lenne und Frede sind zwar keine Regenjacken im klassischen Sinne, trotzdem sind sie wasserfest, atmungsaktiv und zudem vegan. Die Jacke ist mit dem PFC-freien „Bionic Finish Eco“ imprägniert. Es basiert auf hochverzweigten Polymeren, und hält dadurch normalem Regen stand: Die Wassersäule beträgt etwa 500 bis 600 Millimeter.

Die Imprägnierung ist permanent, muss also nicht aufgefrischt werden, schreibt Nordwärts. Lediglich nach dem Waschen – was übrigens so selten wie möglich gemacht werden sollte – muss man sie reaktivieren, ganz einfach indem man sie heiß bügelt. **Online kannst du Lenne und Frede z.B. bei Greenality kaufen, für Frauen gibt es das Modell Lenne Women.

Outdoor-Jacken von Hessnatur

Regenjacken aus Naturfasern
Outdoorjacke von hessnatur. (Foto: © hessnatur)

Auch beim Öko-Label Hessnatur findet man Baumwoll-Jacken, die bei normalem Regen trocken halten. Die Jacken sind mit Bienenwachs beschichtet, und dadurch atmungsaktiv, winddicht und eben wasserabweisend. Die verwendete Bio-Baumwolle bezieht Hessnatur aus der Türkei, wo die Wachsjacken auch unter fairen Bedingungen gefertigt werden. **Das jeweilige Modell für Frauen und Männer bekommst du bei Hessnatur.

Was ist das Problem an herkömmlichen Regenjacken?

Hersteller setzen bei herkömmliche Regenjacken häufig auf perfluorierten und polyfluorierten Chemikalien (PFC). Sie machen die Kleidung wetterfest – sind allerdings alles andere als umweltfreundlich.

Das Problem an PFC: Die Chemikalien gelten als toxisch, in Tierversuchen förderten sie die Entstehung von Leberkrebs und anderen Tumoren und sie stehen im Verdacht fortpflanzungsschädigend zu sein.

Sowohl bei der Herstellung als auch beim Waschen gelangen PFC über unsere Kleidung in die Umwelt. Sie lassen sich überall auf der Erde nachweisen, sogar in entlegenen Gebieten wie der Arktis oder den dort lebenden Tieren. Wir Menschen nehmen PFC über die Nahrung auf.

Das ist ein Problem, denn die Chemikalien sind kaum oder gar nicht abbaubar und reichern sich im Gewebe von Lebewesen an. PFC befindet sich deshalb in unserem Blut und sogar in der Muttermilch.

Auch PFC-freie Regenjacken sind nicht ganz unproblematisch

Viele Hersteller haben die Problematik von PFC inzwischen erkannt und verwenden für ihre PFC-freien Regenjacken Imprägnierungen aus Paraffinen, Silikonen, Polyurethanen oder Dendrimeren. Die Membrane bestehen normalweise aus Polyurethan (PU) oder Polyester. Das Problem: Diese Stoffe sind Kunststoffe, sie basieren auf Erdöl – ökologisch unbedenklich sind sie also auch nicht.

Kunststofffasern sind teils mikroskopisch klein, sie lösen sich beim Waschen aus der Kleidung, gelangen übers Abwasser in offenen Gewässern und irgendwann in die Meere. Kunstfaser-Kleidung ist eine der Haupt-Quellen von Mikroplastik im Meer. Mehr dazu: So macht unsere Kleidung die Meere kaputt.

Es gibt allerdings auch einige bessere Alternativen: Manche Regenjacken werden mit einem Verfahren namens ecorepel Bio imprägniert. Die Schutzschicht, mit der diese Jacken versehen werden, basiert auf pflanzlichen Rohstoffen und orientiert sich an der Natur: Die Hersteller versuchen, eine Art Kutikula für die Outdoor-Jacke nachzubilden. Die Kutikula ist die äußerste Wachsschicht von Pflanzenblättern, die sie vor unkontrollierter Verdunstung und Regen schützt.

Bei dem Verfahren werden außerdem nur Pflanzen verwendet, die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel verwendet werden können und nicht genetisch verändert sind.

Regenjacken: Weniger ist mehr

Bei der Auswahl deiner Outdoorkleidung solltest du dir also die Frage stellen: Muss es für gelegentliche Wanderungen wirklich die Regenjacke mit der höchsten Wasserdichte und Atmungsaktivität sein? Um die Umwelt nicht unnötig zu belasten, sollte man sich bei jedem Kauf beraten lassen, welche Produkte und Funktionen man wirklich benötigt – und den gesunden Menschenverstand einsetzen.

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(6) Kommentare

  1. Ich finde den Beitrag etwas dürftig, denn die wirklich regentauglichen Jacken von Nordwärts und Jeckybeng gibt gar nicht für Frauen!! Das ist schon echt bitter…

  2. Mich ärgert, dass bei allen Produkten nicht konsequent geblieben und auf Plastik/Kunstfaser verzichtet wurde. Klett- und Reißverschlüsse, Kordeln und Stopper, Garn…für all das gibt es plastikfreie Lösungen. Bei den Preisen erwarte ich einfach mehr.

  3. Schaue mich gerade selbst nach Regenjacken Optionen um…
    Was ich allgemein sehr Schade finde… die hier aufgelisteten Jacken sind, wie ich finde, absurd überteurert. So bleiben ökologisch zumindest halbwegs vertretbare Jacken leiden nur Nischenprodukte für Gutverdiener.
    Ebenso teile ich die Kritik von Anna S. vollkommen… ist leider oft nicht zu Ende gedacht. Zudem finde ich es ernüchternd wie wenig Auswahl es an wirklich nachhaltigen Jacken es insgesamt gibt.

    Ein kleiner Hinweis: Auch die hier ersterwähnte Jacke hat eine BIONIC-FINISH®ECO Imprägnierung, über die der Hersteller der Imprägnierung im übrigen zwar auch schreibt, dass sie „Waschpermanent“ ist, aber (nur) „bis 20 Waschzyklen (40°C) mit abschließendem Bügeln“ überlebt. (https://www.rudolf.de/technologien/bionic-finishreco/)
    Ich würde eine Regenjacke zwar nie (so oft) waschen, aber unter permanent verstehe ich dann schon was anderes. Auch wenn es nur eine Polymeren-Imprägnierung ist… das Zeug landet letztlich auch in der Umwelt.
    Vielleicht noch bedenklicher… wie so viele Beschichtungen ist auch BIONICFINISH ECO scheinbar eine Nano Beschichtung: „BIONIC FINISH ECO besteht aus sternförmigen, hyperverzweigten Polymeren (sog. Dendrimeren). Sie verbessern die wasserabweisende Wirkung enorm, sind hocheffizient und neigen durch ihre netzartige Struktur dazu, sich selbst zu organisieren und Kristallstrukturen im Nano-Bereich aufzubauen.“ (https://www.openpr.de/news/230056/Sympatex-und-Lundhags-praesentieren-erste-fluorcarbonfreie-Funktionsbekleidung.html)

    Grund genug für mich sich (für den Preis) gegen solche Jacken zu entscheiden, wenngleich sie wohl besser sind als die allermeisten Alternativen.
    Ich versuche eigentlich Kunststoffe jeder Art auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und generell ökologisch konsequent zu Handel, werde mich jedoch wohl letztlich widerwillig für irgendeine Vaude Jacke entscheiden, die es gerade günstig bei…ja, Amazon gibt… Ich brauche leider eine ziemlich wasserfeste Jacke, da ich kein Auto habe und auch lange Strecken wenn irgendwie möglich mit meinem Fahrrad fahre. Das beim Jackenkauf eingesparte Geld hat andersweitig sinnvoll eingesetzt mehr Wirkung als die vermeindliche ökologischere Jacke und bei Vaude weiß ich zumindest, dass die Jacken „fair“ hergestellt werden und weder Nano-Beschichtungen, noch PFC zum Einsatz kommen.

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