Schlagfertigkeit: So lernst du schlagfertig zu antworten

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In unserem täglichen Zusammenleben entstehen kleinere und größere Reibereien. Schlagfertigkeit ist ein wirksames Mittel, diese im Keim zu ersticken. Wir zeigen dir, wie du sie im Alltag anwendest.

Schlagfertigkeit ist souverän

Wer spontan und schlagfertig antwortet, dem wird gerne zugehört. Schlagfertigkeit wird häufig bewundert und bringt immer auch ein gutes Maß an Souveränität mit sich. Spontane Antworten können eine humorige Bemerkung gekonnt zurückspielen, aber auch unangemessene Worte anderer in ihrer Kraft abschwächen.

Auch, wenn es oft so aussieht: Schlagfertigkeit ist keine angeborene Gabe. Sicher sind einige von uns von Natur aus spontaner im Dialog und finden schneller passende Antworten. Die gute Nachricht für alle, die sich nicht unbedingt dazu zählen: Schlagfertigkeit kann man tatsächlich trainieren! Mit gezielten Übungen und regelmäßigem Training kannst du dir Schlagfertigkeit Schritt für Schritt aneignen.

Schlagfertigkeit – warum sie so sinnvoll ist

Schlagfertigkeit dient dem Selbstschutz und stärkt das Selbstwertgefühl.
Schlagfertigkeit dient dem Selbstschutz und stärkt das Selbstwertgefühl. (Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)

Im Alltag sind wir den unterschiedlichsten zwischenmenschlichen Situationen ausgesetzt. Wir sind permanent in Interaktion mit anderen. Dabei kann es auch zu Konflikten und verbalen Angriffen kommen. Diese sind niemanden angenehm. Mit Schlagfertigkeit kannst du ihnen aber auf Augenhöhe entgegentreten und dich wehren. Am Ende sorgt das richtige Kontern dafür, dass du dich selbst besser vor Verletzungen schützt. Verbale Attacken bekommen schlicht und einfach weniger Angriffsfläche. Aber auch in scherzhaften Situationen kannst du mit Schlagfertigkeit das Level halten und den Ball zurückwerfen.

Ziel von schlagfertigen Antworten ist stets:

  • Die eigene Souveränität beizubehalten oder schnell wieder herzustellen
  • Autorität zu beweisen
  • Selbstschutz durch Abwehr von verbalen Attacken
  • In scherzhaften Situationen Humor zu zeigen und zurückzugeben

Ein gutes Maß an Schlagfertigkeit hilft dir, besser und zufriedenstellend zu kommunizieren. Schlagfertige Menschen kennen ihre Verletzungsgrenzen und können unangemessene Angriffe gezielt in Schach halten, ohne selbst verletzend zu werden. Einem Interview der ZEIT mit der Rhetorikerin Petra Schächtele-Philipp zufolge stärkt Schlagfertigkeit auf lange Sicht Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Schlagfertigkeit lernen – Voraussetzungen

Gute Körpersprache ist wichtig.
Gute Körpersprache ist wichtig. (Foto: CC0 / Pixabay / rawpixel)

Ein reicher Wortschatz

Um schlagfertig zu werden ist ein Werkzeug unabdingbar: ein großer Wortschatz. Dieser ist Voraussetzung, damit du in spontanen Situationen überhaupt die Chance hast, die richtige Antwort zu finden. Jeder Konter lebt von einem Spiel aus Sprache und Wortwitz. Um deinen Wortschatz zu erweitern sind Bücher ein unschlagbares Mittel. Aber auch Zeitschriften oder dialogreiche Filme können deine Sprache trainieren. Am einfachsten und unmittelbarsten trainierst du deinen Sprachschatz aber immer noch im angeregten Dialog mit anderen.

Die richtige Körpersprache als Grundlage

Es hilft dir außerdem ungemein, wenn du dir über deine eigene Körpersprache bewusst wirst. Die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist, das sogenannte Embodiment ist elementar, um Schlagfertigkeit zu lernen. Innere Stärke, Ruhe und Gelassenheit drücken wir automatisch durch unseren Körper aus. Etwa durch eine aufrechte Haltung, gezielte Bewegungen und einen wachen Blick. Dank neurochemischer Vorgänge in unserem Körper passiert das ganz automatisch und unbewusst. Das Tolle ist – das Ganze funktioniert auch andersherum: Nimmst du beispielsweise eine selbstsichere, gelassene Körperhaltung ein, fühlst du dich automatisch nach einem Moment sicherer und entspannter.

In schwierigen Situationen kannst du dir das zunutze machen: Kontrolliere immer wieder deine Haltung und Körpersprache, wenn du mit anderen zusammen bist. Selbstsicheres Auftreten sorgt automatisch für Souveränität und schlagfertiges Handeln fällt dir leichter.

Vier Übungen für mehr Schlagfertigkeit

Die Dreierübung kann dir zu mehr Schlagfertigkeit verhelfen.
Die Dreierübung kann dir zu mehr Schlagfertigkeit verhelfen. (Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)

Hast du ein grundlegendes Bewusstsein für Worte und Körpersprache geschaffen, kannst du nun deine Schlagfertigkeit mit den folgenden Übungen gezielt trainieren.

1) Kontinuierlich mitdenken

Um deine Reaktionsfähigkeit zu steigern und den Wortschatz leichter abrufbar zu machen, lohnt es sich, bei alltäglichen Dialogen zwischen anderen selbst mitzudenken. Versetze dich gedanklich in die Gesprächsteilnehmer und denke dir schlagfertige Antworten für dich aus. Talkshows, Politsendungen oder Interviews im Fernsehen oder Radio sind für diese Übung besonders gut geeignet.

2)  Die Dreierübung durchspielen

Eine effektive Übung, um deine Schlagfertigkeit im Vorfeld aktiv zu trainieren, ist die Dreierübung: Spiele die Übungen mit einem guten Freund oder einen guten Freundin durch. Es muss jemand sein, vor dem du keine Scheu hast. Bitte ihn, dich mit verschiedenen ausgedachten Aussagen verbal anzugreifen. Deine Aufgabe besteht nun darin, auf dreierlei Weise zu antworten:

  • sachlich
  • mit Humor
  • auf die unfeine Art

Je öfter ihr dieses Spiel durchspielt, desto schneller wird dein Reaktionsvermögen. Dir werden dann auch in realen Situationen immer schneller passende Konter einfallen.

3) Rückfragen stellen

Wirst du mit einer Aussage oder Bemerkung konfrontiert, die dich persönlich angreift oder bewertet, sind Rückfragen ein effektives Mittel. Eine Bemerkung oder Feststellung umzukehren ist sehr einfach und nimmt deinem Gegenüber sofort den Wind aus den Segeln. Auf ein unpassendes „Du bist aber nicht besonders kontaktstark“ eines Kollegen, könntest du mit einer simplen Frage antworten, etwa mit „Sehr interessant, wie kommst du denn darauf?“. Dadurch zeigst du Gelassenheit und gibst deinem Gegenüber zu verstehen, dass du dich nicht sinnlos persönlich angreifen lässt. Außerdem kommt er in Zugzwang, da ihm sehr wahrscheinlich keine plausible Antwort einfallen wird.

4) Bestätigen

Fast noch einfacher ist es, dein Gegenüber in seiner Feststellung zu bestätigen. Besonders unpassende Feststellungen über dich werden so gespiegelt und dein Gegenüber wird schnell bemerken, dass seine Aussage nicht korrekt war. Ein „Was du sagst ist doch völliger Unsinn“, kannst du etwa mit einem humorvollen „Ganz genau, das ist nämlich meine Spezialität“ abwehren. Dein Gegenüber wird merken, dass seine Aussage schlicht und einfach überhöht war.

Trifft dein Gegenüber zwar ins Schwarze, überschreitet er mit der Bemerkung aber trotzdem eine Grenze, so kannst du mit Bestätigung Oberwasser behalten und Sympathie schaffen. „Sie wollen mir doch nur etwas andrehen“, kannst du mit einem „Korrekt, das ist mein Job.“ abschwächen. Ehrlichkeit erzeugt automatisch Sympathie und dein Gegenüber wird nicht weiter urteilen können.

TIPP zum Abschluss: Gelassen den Humor beibehalten

Ganz egal, auf welche Weise du verbal attackiert oder in die Enge getrieben wirst. Versuche stets, gelassen zu bleiben und die Angriffe nicht zu persönlich zu nehmen. In den allermeisten Fällen liegt das Problem nämlich gar nicht bei dir, sondern bei persönlichen Unstimmigkeiten deines Gegenübers. Sich dies immer wieder bewusst zu machen, hilft schon eine ganze Menge! Hast du eine Grundentspannung verinnerlicht, fällt es dir automatisch leichter, schnell und spontan zu reagieren. Du kannst mit Gelassenheit also nur gewinnen.

Versuche stets, den Humor beizubehalten und allzu hysterische Angriffe abzumildern. Dadurch besänftigst du dein eigenes Gemüt und das deines Gegenübers und behältst durch deine innere Ruhe stets Oberwasser.

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